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Borna „Unmut und Unverständnis“ für Schließungspläne der Sparkasse in Rötha
Region Borna „Unmut und Unverständnis“ für Schließungspläne der Sparkasse in Rötha
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16:41 31.01.2017
Rainer Westenberg (l.) und Klaus Brehmer haben wenig Verständnis für die Schließungspläne der Sparkasse in Rötha. Quelle: André Neumann
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Rötha/Espenhain

Nach der Schließungsankündigung für die Sparkassengeschäftsstelle in Rötha herrscht dort am Dienstagvormittag normaler Monatsendbetrieb. Am Geldautomaten im Foyer ist einigermaßen Betrieb, gelegentlich müssen Kunden einen Moment warten. Drin in der Geschäftsstelle ist es eher ruhig. Nur gelegentlich spricht ein Kunde die Mitarbeiter auf die angekündigten Veränderungen an. Doch das Thema ist Stadtgespräch. „Mir schlägt Unmut und Unverständnis entgegen“, sagt Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos), der auf der Straße gleich mehrfach angesprochen wird.

Die Sparkasse Leipzig hat angekündigt, auf Grund wachsenden wirtschaftlichen Drucks ihr Filialnetz auszudünnen. In dem Zuge wird zum Ende des Jahres die Geschäftsstelle in Rötha einschließlich Selbstbedienungsautomaten geschlossen. Offiziell ist von einer Zusammenlegung mit der Filiale in Böhlen die Rede. Die Automatengeschäftsstelle in Espenhain wird ebenfalls geschlossen. Stattdessen soll Kunden künftig ein mobiles Angebot mit dem Sparkassen-Bus gemacht werden.

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Ob das wirklich dauerhaft funktionieren wird, da hat der 78-jährige Rainer Westenberg, seine Zweifel: „Das wird wie bei der Knappschaft“, befürchtet er. Da habe es auch mal einen Bus gegeben, „der kommt schon lange nicht mehr“. Bei allem Ärger über die bevorstehende Schließung macht der Mann, der gerade mit seinem Rollator am Geldautomaten war, den Mitarbeitern der Filiale ein Kompliment: „Das sind alles sehr gute Leute.“ Dennoch hat er wenig Verständnis dafür, dass eine Sparkasse am Markt schließt, in der seine Eltern, wie er sagt, schon 1936 auf ihr erstes Auto gespart hätten.

Einen herben Verlust für Rötha befürchtet auch Rainer Rademacher, der Vorsitzende des Gewerbevereins. „So eine gestandene Filiale“, sagt er, „stellt ja auch einen Rückhalt für Gewerbetreibende in der Stadt dar.“ Damit gehe der Verlust über die rein praktische Konsequenz, dass Unternehmer die Tageseinnahmen künftig nach Böhlen schaffen müssen, noch hinaus. Rademacher räumt zugleich ein: „Als Geschäftsmann weiß ich natürlich auch, dass sich eine Filiale rechnen muss.“

Das betriebswirtschaftliche Argument ist für den Bürgermeister allerdings „nur auf den ersten Blick einleuchtend“, wie er sagt. Denn die Sparkassen „erfüllen Aufgaben im öffentlichen Interesse und sind auch dem Gemeinwohl verpflichtet“. Das könne man auch so verstehen, dass der ländliche Bereich nicht abgekoppelt werden dürfe, „nur weil Umsatz und Gewinn nicht stimmen.“

Was in Bezug auf ihn nicht stimme, so Eichhorn, sei eine Aussage, die auf der Pressekonferenz der Sparkasse Leipzig am Montag getätigt wurde. Da hieß es, die Ankündigung der Schließungspläne sei bei den vorher informierten Bürgermeistern auf „verbreitet großes Verständnis“ gestoßen. Eichhorn: „Ich habe das nur ohne Begeisterung zur Kenntnis genommen.“

Von André Neumann