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Borna Verdi fordert zum 1. Mai auf dem Bornaer Markt eine „menschenzugewandte Politik“
Region Borna Verdi fordert zum 1. Mai auf dem Bornaer Markt eine „menschenzugewandte Politik“
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13:31 01.05.2017
Traditionell ist der Markt am Maifeiertag in Borna gut besucht.
Traditionell ist der Markt am Maifeiertag in Borna gut besucht. Quelle: Thomas Kube
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Borna

Der Weg zu einer gerechteren Gesellschaft besteht in „Solidarität und Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen“. Das hat die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) am Montag vor Hunderten Besuchern bei der traditionellen Mai-Veranstaltung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Bornaer Markt deutlich gemacht. Im Rahmen eines bunten Programms mit Auftritten der Turnerinnen von Einheit Borna und der Band „Groundless“ präsentierten sich CDU, Linke, Grüne und die SPD sowie der Sozialverband VdK. Am Rathaus hing ein großes Plakat, das vom Motto der Gewerkschaft Verdi von „Humanität, Respekt und Vielfalt“ kündete.

Wenn von Chancengleichheit gesprochen werde, sei das oftmals nur „eine Floskel der Beliebigkeit“, erklärte die Bornaer Rathauschefin weiter. Es werde in Deutschland häufig an der falschen Stelle gespart – „und an der Zukunft unserer Kinder“.

Landrat Henry Graichen (CDU) würdigte die positive Entwicklung der letzten fünf Jahre, die sich an der Arbeitslosigkeit ablesen lasse. „Die liegt jetzt bei 6,6 Prozent“, während sie vor einem guten Jahrzehnt teilweise mehr als 20 Prozent betragen habe. Das Erwerbseinkommen im Landkreis Leipzig liege bei mehr als 60 000 Euro im Jahr, womit der Landkreis den Spitzenplatz unter sämtlichen sächsischen Landkreis belege. „Diese positive Entwicklung spüren aber nicht alle“, sagte Graichen. So seien zwei Drittel der Arbeitslosen im Landkreis Langzeitarbeitslose. Graichen weiter: Der Landkreis müsse zukunftsfähig gemacht werden, etwa durch gute Bedingungen für die Bildung. Die Zukunft der drei Berufsschulen in Böhlen, Wurzen und Grimma sei gesichert.

Viel zu tun sei für Schwerstbehinderte, womit der Landrat nicht die Beschäftigten in Behindertenwerkstätten meinte. „87 Prozent der Behinderten sind in Folge einer Krankheit schwerbehindert.“

Ines Kuche, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Leipzig-Nordsachsen, verwies auf das bundesweite Motto der Gewerkschaften für den 1. Mai diesem Jahr: „Wir sind viele. Wir sind eins.“ Und sie erklärte, warum die Gewerkschaften in diesem Jahr besonders das Thema Rente in den Mittelpunkt stellen. Dabei handle es sich um eine Errungenschaft, mit der der Lebensstandard im Alter gesichert werden solle. „Aber davon haben wir uns entfernt.“ Habe das Rentenniveau in den 80er-Jahren noch bei 57 Prozent gelegen, seien es gegenwärtig noch 48 Prozent. Im Jahr 2030 liege es dann bei 43 Prozent. Vielen Arbeitnehmern bleibe dann nur noch eine Rente knapp über der Grundsicherung. „Das ist Hartz IV im Alter“, so Kuche weiter. „Vor uns liegt ein Riesenberg an Altersarmut, wenn wir nicht gegensteuern.“

Die Gewerkschafterin erklärte, „wir müssen dafür sorgen, das es eine menschenzugewandte Politik gibt“. Geld sei genügend da und könne umverteilt werden. Zudem forderte sie eine breite Akzeptanz des Systems der Tarifverträge.

Von Nikos Natsidis