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Borna Verein aus dem Landkreis hilft Kindern auf dem Westbalkan
Region Borna Verein aus dem Landkreis hilft Kindern auf dem Westbalkan
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09:00 10.04.2019
Ralph Rüdiger mit der genesenen Medina nach geglückter Operation. Quelle: privat
Landkreis Leipzig

Medina, das kleine Roma-Mädchen, wurde in Deutschland geboren. Seine Eltern lebten bereits seit einigen Jahren in Essen. Im Sommer 2015 musste Medina an der Hüfte operiert werden. Die Ärzte setzten beidseitig Platten mit Schrauben und Drähten ein.

Anderthalb Jahre später sollte alles entfernt werden, um Komplikationen im Beckenbereich auszuschließen. Doch im Spätsommer 2016 wurde Medina in den Kosovo abgeschoben – mit Eltern und Geschwistern, Platten, Schrauben und Drähten.

Der Leipziger Ralph Rüdiger hilft in Not geratenen Kindern auf dem Westbalkan. Er weiß, dass es Not und Elend nicht nur in Afrika, Asien oder Lateinamerika gibt, sondern auch direkt vor der Haustür, auf Europas Hinterhof, in Albanien und Kosovo.

Wenn den 59-jährigen Gymnasiallehrer für Informatik im Alltag eine Sorge umtreibt, denkt er immer an Medinas Schicksal: „Dann wird jedes Problem ganz klein. Und ich sage mir: Mensch Junge, dir geht’s doch gut.“

Mitglieder des Vereins aus Grimma, Wurzen, Naunhof und Borna machen sich seit Jahren für notleidende Kinder auf dem Westbalkan stark.

Katastrophale Situation für Frauen und Kinder im Kosovo

Begonnen hatte 2012 alles mit einer Sommerreise seines Sohnes Ricky Burzlaff nach Albanien. Ricky war zu der Zeit noch kein Flugzeugpilot bei der Condor, sondern Mathematikstudent – unterwegs mit Bus und Bahn. Was er sah, erschrak ihn zutiefst. Besonders die katastrophale Lebenssituation der Frauen und Kinder machte ihm sofort klar: Hier darfst du nicht wegschauen, du musst helfen.

Noch im gleichen Jahr flog er mit seinem Vater nach Tirana. Beide besuchten das Kinderheim Rreze Dielli im albanischen Peze, etwa eine halbe Autostunde von der Hauptstadt entfernt.

Bis zu 80 Mädchen und Jungen aus verarmten Familien werden dort in ländlicher Abgeschiedenheit umsorgt. Die Betreuer verfolgen vor allem ein Ziel: Die Kinder irgendwann wieder ihren leiblichen Eltern übergeben zu können. Ein Ansatz, den die Leipziger gern unterstützen wollten.

Hilfstransport statt Gänsebraten zu Weihnachten für den Verein

Sie gründeten einen Verein und fuhren seitdem jedes Jahr zu den Kindern, um sie mit Kleidungsstücken, Spielzeug und Süßigkeiten zu beglücken. Michael Eichhorn aus Naunhof, Maximilian Schöpe aus Grimma, Tobias Friese aus Leipzig, Luise Hermann aus Borna, der Leipziger Christian Schäfer, der Wurzener Steffen Müller und Robert Kießling aus Nordsachsen – sie alle gehören zu den aktivsten Mitstreitern. Zu Weihnachten kümmern sie sich nicht um den Gänsebraten, sondern steuern den vollgepackten Transporter auf den bitterkalten Balkan.

Und Medina, das kleine Roma-Mädchen? Im Dezember 2016 lernte Ralph Rüdiger die damals Dreijährige in einem Elendsviertel nahe der kosovarischen Hauptstadt Pristina kennen: „Mir zerriss es beinahe das Herz. Wie ein Häufchen Elend kauerte sie auf einem Sofa. Sie konnte kaum laufen.

Wie die anderen Roma-Familien im Kosovo sind auch ihre Eltern nicht krankenversichert.“ Ein Problem: Die Platten mit den Schrauben und Drähten, die in Deutschland eingesetzt wurden, mussten raus – und das besser heute als morgen.

Brennholz wird in dem Slums bei Pristina dringend benötigt

Fortan unterstützt der Verein nicht mehr nur noch die Kinder bei Tirana, sondern auch die Menschen im Slum nahe Pristina. „Der Kosovo ist bergig. Im Winter wird es dort sehr kalt“, sagt Maximilian Schöpe. Daher versorgen die Rand-Leipziger von Jahr zu Jahr mehr Bewohner mit Brennholz. „Anfangs konnten wir nur 50 Familien helfen, diesmal waren es schon 66.“ Das Holz ist sehr teuer. Ein Kubikmeter kostet 50 Euro. Zu viel für die Ärmsten der Armen.

Kinder beobachten die Brennholzverteilung in der Siedlung Fushe Kosove. Quelle: privat

Michael Eichhorn bedauert, dass es im Kosovo keinerlei gesetzliche Krankenversicherung gibt: „Laut kosovarischem Recht ist es nicht möglich, dass ausländische Vereine direkt Geld an die Krankenhäuser überweisen.“ Daher unterzeichnet der Verein am 28. Juni in Pristina eine Vereinbarung mit lokalen Partnern des SOS-Kinderdorfs. „So stellen wir sicher, dass sämtliche Spenden auch weiter zu 100 Prozent bei den Bedürftigen ankommen. Kein Cent fließt in die Verwaltung. Flüge und Pensionen zahlen wir selbst.“

Allgegenwärtiger Hass auf Roma im Kosovo

Als Verbindungsmann vor Ort fungiert Ergin Alija. Der Roma-Junge musste Deutschland verlassen, als er 18 wurde. Seitdem lebt er im Slum Fushe Kosove, spricht perfekt Deutsch und organisiert die Zuteilung von Feuerholz. „Als wir mit einem Freund von Ergin auf den Weihnachtsmarkt von Pristina gefahren waren und aus dem Taxi stiegen, wurden wir Zeuge des ganzen Hasses, der dieser Minderheit entgegen schlägt“, sagen die Vereinsmitglieder: „Sie werden übel beschimpft, nur weil sie Roma sind.“

Spenden

Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Sparkasse Leipzig

„Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“

IBAN: DE26860555921090088457

BIC: WELADE8LXXX

Verwendungszweck: Hilfe für Kinder im Kosovo und Albanien

Auf Wunsch können Spendenbestätigungen ausgehändigt werden.

Kosovo gilt wie auch die übrigen Staaten auf dem Westbalkan als sicheres Herkunftsland. 90 Prozent der Asylanträge von Angehörigen dieser Länder haben keine Aussicht auf Erfolg.

Für Ralph Rüdiger nur schwer nachzuvollziehen: „Schließlich ist die Bundeswehr ja noch immer im Land stationiert.“ Im Mai will sich sein Verein umbenennen. Statt „Verantwortung für Flüchtlinge“ soll er künftig „Perspektive für Kinder auf dem Westbalkan“ heißen.

Erfolgreiche Operation in Pristina

Und Medina? Die benötigten 3000 Euro für den operativen Eingriff kamen zusammen. Dank der überwältigenden Spendenbereitschaft konnte das Roma-Mädchen im Mai 2017 in Pristina von ihren Platten, Schrauben und Drähten befreit werden. Als Ralph Rüdiger das Kind im Dezember 2017 wiedersah, lief es ihm strahlend entgegen. Ein Jahr später besuchte er Medina noch zweimal im Slum. „Beim Abschied sagte sie Papa zu mir. Ich konnte meine Tränen nicht unterdrücken.“

Von Haig Latchinian

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