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Borna Von Borna bis Naunhof blühen die Kleingärtner auf
Region Borna Von Borna bis Naunhof blühen die Kleingärtner auf
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14:32 05.04.2020
Ilona Pagimus baut in der Geithainer Gartensparte „Zur Erholung“ Kartoffeln und Tomaten an. Quelle: Bert Endruszeit
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Landkreis Leipzig

„Wir müssen nicht durch die Gegend fahren“, betont Jörg Hofmann. Der Neukieritzscher baut in der Kleingartenanlage „Grüne Aue“ so ziemlich alles an, was später im Topf und auf dem Teller landen kann. „Kartoffeln, Zwiebeln, Erdbeeren, später auch noch Möhren und Bohnen“, nennt er ein paar Beispiele. Saatgut und Pflanzen bestellt er seit rund drei Jahren im Internet. „Mein Garten-Alltag hat sich nicht verändert, dafür gibt es auch keinen Grund“, sagt der 64-Jährige über die aktuelle Corona-Zeit. „Ich bin Rentner und muss mich beschäftigen. Jetzt bin ich natürlich besonders froh darüber, so einen Garten zu haben.“ Und jetzt gibt es ja auch kein Wasserproblem für die Laubenpieper, wie es im Sommer der Fall gewesen war.

Ist froh, dass er einen Kleingarten hat: Jörg Hofmann in der Sparte „Grüne Aue“ in Neukieritzsch Quelle: Bert Endruszeit

Pflanzen von regionalen Anbietern

Die Neukieritzscher Heike und Konrad Klenner setzen beim Kauf von Pflanzen voll und ganz auf regionale Anbieter. „Die holen wir von einer Privatgärtnerei aus Zwenkau“, sagt Heike Klenner (62). „Beim Kauf im Internet weiß man ja nie, wann etwas kommt und was dann eigentlich kommt.“ An diesem Wochenende sind beide schon kräftig in ihrem Kleingarten beschäftigt. „Dann kommt man wenigstens raus und hat was zu tun.“

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Heike und Konrad Klenner kaufen ihre Pflanzen von regionalen Anbietern Quelle: Bert Endruszeit

Treue Stammkunden in Regis-Breitingen

Für professionelle Unterstützung der vielen Kleingärtner sorgt unter anderem Silvia Lehmann aus der Gärtnerei Staacke in Regis-Breitingen. „Die Leute haben sich sehr darüber gefreut, dass wir wieder geöffnet haben. Viele hatten schon nachgefragt.“ Und so gehen am Sonnabend vor allem Pflanzen für den Garten über die Ladentheke. „Die Stammkunden bleiben uns treu“, freut sie sich.

Silvia Lehmann von der Gärtnerei Staacke in Regis-Breitingen. Quelle: Bert Endruszeit

Emsiges Treiben „Am Wäldchen“ in Borna

Auch in der Kleingartenanlage „Am Wäldchen“ in Borna herrscht am Wochenende schon emsiges Treiben. Dort drangen jedoch Unbekannte vor wenigen Tagen in eine Parzelle ein und machten ein Feuer an, ärgert sich eine Kleingärtnerin. „Das machen nur Leute, die die Arbeit anderer nicht achten. Dabei könnten die hier jederzeit einen Garten bekommen. Aber solche Leute wollen nur ernten und nicht säen.“

Kleingärten als Hauptgewinn

„In dieser Zeit ist ein eigener Kleingarten wie ein Hauptgewinn“, findet Karin Bisha. „Ich habe zwar auch einen wunderschönen Balkon, doch ein Garten ist etwas ganz anderes.“ Die Bornaerin baut fast nur Blumen an. „Doch in den Kästen säe ich auch Schnittlauch und Petersilie aus.“ Ihr Garten sei das perfekte Refugium. „Der dient nur zur Erholung. Hier kann ich auch kochen, da halte ich es auch mal länger aus. Leider kann ich derzeit niemanden einladen.“

Karin Bisha hat einen „Hauptgewinn“: einen Kleingarten in der Bornaer Anlage „Am Wäldchen“. Quelle: Bert Endruszeit

Tomaten aus der Geithainer „Erholung“

Ilona Pagirnus kann in der Geithainer Kleingartenanlage „Zur Erholung“ aus dem Vollen schöpfen. „Ich baue Kartoffeln an, aus den Tomaten mache ich Tomatensoße, und dann baue ich unter anderem auch noch Gurke, Paprika und Zucchini an“, berichtet die 69-Jährige. „Ich habe hier zwei Gärten und vier Gewächshäuser.“ Pflanzen werden nicht eingekauft, sondern immer selbst gezogen. „Im Gewächshaus muss ich nur aussäen, das wächst dort richtig gut.“

Erholung steht im Mittelpunkt

„Hier können wir uns frei bewegen“, findet Manfred Broda (79). Bei ihm stehen weniger der Anbau, sondern eher die reine Erholung im Mittelpunkt. Sein Verein freue sich schließlich über jeden, der überhaupt einen Garten bewirtschaftet. „Von 98 stehen leider 27 leer, darunter sind wunderbare Gärten mit Laube und Stromanschluss. Vielleicht ändern sich die Interessen der Leute ja jetzt etwas.“

Der Geithainer Manfred Broda nutzt seinen Garten vor allem zur Erholung. Quelle: Bert Endruszeit

Kleinod in Grimma für die kleine Tochter

Einen „Riecher“ in Sachen Corona-Pandemie und der mit ihr einhergehenden Einschränkung des Aufenthaltes im öffentlichen Raum scheint Stefanie Albrecht gehabt zu haben. Vor einem Jahr pachtete die Grimmaerin eine Parzelle im Kleingartenverein Grimma-West. Sie weiß spätestens jetzt, dass dies eine goldrichtige Entscheidung gewesen ist. „Für meine dreijährige Tochter und mich ist der Garten in diesen Tagen wie ein Kleinod, weil wir in der Natur und zugleich auch unter Leuten sind“, so die junge Mutter. „Trotz Kontaktsperre ist im Kleingartenverein immer noch ein Schwatz übern Zaun möglich.“

Wasser marsch im Naunhofer „Sonnenschein“

Gelegenheit zu dem einen oder anderen Plausch hat am Sonnabend auch Detlev Schwoda. Gemeinsam mit Lars Schuhmann sorgt das Mitglied des erweiterten Vorstandes der Naunhofer Kleingartensparte „Sonnenschein“ dafür, dass auf den Parzellen wieder Wasser aus den Hähnen läuft. „Ich gehe davon aus, dass die warmen Temperaturen für eine sehr gute Frequentierung unserer Gärten sorgt“, so Schwoda. „Wir haben zwar auch einen Pächter aus Saalfeld in Thüringen, der jetzt nicht nach Naunhof kommen kann. Die Mehrheit unserer Pächter wohnt jedoch in der unmittelbaren Nähe und darf somit in ihre Gärten.“

Wasser marsch: Detlev Schwoda und Lars Schuhmann (r.) haben am Sonnabend dafür gesorgt, dass in der Naunhofer Sparte „Sonnenschein“ wieder kostbares Nass aus den Hähnen fließt. Quelle: Roger Dietze

Gartenpartys in Naunhof unwahrscheinlich

Spezielle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehende Verhaltensrichtlinien habe der Vorstand nicht ausgegeben. „Die Leute sind alt genug, um die allgemein gültigen Anordnungen zu befolgen.“ Sollte er ihm unbekannte Menschen in den Gärten antreffen, werde er in punkto Reglementierung mit Fingerspitzengefühl vorgehen. „Die Wahrscheinlichkeit aber, dass bei uns in einzelnen Gärten Party gemacht wird, ist eh ausgesprochen gering“, so Schwoda.

Er hat am Sonnabend auch Gartenpächter Helmut Fritzsche das Wasser angestellt. Der 80-jährige Naunhofer wohnt nur 800 Meter von seinem Garten entfernt und ist nach eigener Aussage so oft wie möglich auf seiner Scholle. „In Corona-Zeiten ist der Garten Gold wert, in meinem Alter muss man sich ja besondere Gedanken um die eigenen Gesundheit machen, und ich hoffe, dass ich heil aus der Sache heraus komme“, so der rüstige Senior, der seine Scholle seit dreieinhalb Jahrzehnten pflegt und bewirtschaftet.

Gartenarbeit im fortgeschrittenen Alter: Helmut Fritzsche bewirtschaftet seine Naunhofer Parzelle auch noch mit fast 81 Jahren. Quelle: Roger Dietze

Kein WLAN im Garten in Beucha

Mit anderen Problemen schlägt sich derweil die zwölfjährige Tochter von David Blume herum, der seit sechs Jahren eine Parzelle im Beuchaer Kleingartenverein „Zur Erholung“ gepachtet hat. Auf die Frage, ob das Töchterchen das eigene Stück Natur zu schätzen weiß, bemerkt Papa augenzwinkernd, dass es dort kein WLAN gibt. „Aber ich und meine Frau, wir wissen unseren Garten in diesen Zeiten schon noch einmal mehr zu schätzen, und wir haben auch schon am vergangenen Wochenende angegrillt“, so der 37-Jährige. Er spricht von einem insgesamt guten Miteinander zwischen den Gartenpächtern. „Abgesehen von einigen wenigen Griesgramen.“

Machen das Beste aus der Situation: Monika und Jürgen Wartig aus Beucha schmücken den Osterstrauß in ihrem Garten. Quelle: Roger Dietze

Gewächshaus in Beucha selbst aufgebaut

Zu dieser Sorte Mensch gehören Monika und Jürgen Wartig ganz sicher nicht. Sie öffnen das Tor ihres Beuchaer Gartens, den sie seit 13 Jahren liebevoll bewirtschaften, bereitwillig dem LVZ-Reporter. „Einen Garten in diesen Zeiten zu haben, empfinden wir als großen Glücksfall“, so die beiden unisono. „Es sind schon schwierige Zeiten, in denen uns unsere Kinder und Enkel nicht im Garten besuchen können.“ Da gelte es, sich andere Höhepunkte zu schaffen. „Ich habe ein Gewächshaus nach Anleitung aufgebaut. Es ging mir wesentlich einfacher von der Hand, als ich es erwartet hatte“, berichtet Jürgen Wartig augenzwinkend.

Von Bert Endruszeit/Roger Dietze

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