Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Waldbad ist letzte Chance für Schulverweigerer aus Böhlen
Region Borna Waldbad ist letzte Chance für Schulverweigerer aus Böhlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:15 13.07.2019
Die Zahl der Schulschwänzer ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Quelle: dpa
Böhlen/Zwenkau

Im Waldbad Zwenkau wird an allen Ecken und Enden gewerkelt. Jugendliche bauen Sitzbänke, verschönern Papierkörbe mit Mosaiksteinen, helfen bei der Pflege des Freibadgeländes. Für die jungen Leute ist die Arbeit im Waldbad oft die letzte Chance, Fuß zu fassen.

Die 15- bis 18-Jährigen gelten als Schulverweigerer und können in Absprache mit dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Landkreis Leipzig in Böhlen hier zum Einsatz kommen. Im Waldbad sollen sie vor allem eines lernen: Strukturen. Ziel ist eine weitere schulische Bildung bis hin zum Hauptschulabschluss und zumindest eine berufliche Orientierung.

Nun bereits im dritten Jahr kooperieren das BSZ und der Verein Columbus Junior miteinander. Das Projekt ist ein Bestandteil des Qualifizierungs-und Beschäftigungsprojektes „Gemeinsam stark – Waldbad Zwenkau, wird gefördert vom Jugendamt, vom Kommunalen Jobcenter Landkreis Leipzig und von der Stadt Zwenkau.

Jugendliche haben soziale Probleme

Wie Henrik Frost, Schulsozialarbeiter am BSZ, erklärt, gebe es einige Schüler, die nicht „beschulbar“ seien. Oft sind es soziale Gründe, weshalb sich die Jugendlichen mit Schulabläufen und dem Lernen schwer tun und dann letztlich schwänzen – meist über Wochen oder Monate hinweg.

Im Waldbad Zwenkau bekommen Schüler vom BSZ in Böhlen eine letzte Chance, Fuß zu fassen. Quelle: André Kempner

Jugendliche lernen Kompetenzen wie Teamarbeit und Pünktlichkeit

„Zwar ist die Schulpflicht nach neun Jahren erfüllt, aber Jugendliche bis 18 Jahre sind berufsschulpflichtig“, erläutert Frost. Doch für die Verweigerer sei normaler Unterricht im BSZ nicht denkbar. Stillsitzen, Zuhören, Pünktlichkeit und Ordnung – „einige kommen damit nicht zurecht“. Würden die Schüler dennoch ab und an am Unterricht teilnehmen, sei das für die Klassen dann meist störend.

Der Columbus-Junior-Verein hilft schwierigen Jugendlichen dabei, einen festen Tagesablauf zu bekommen. Quelle: dpa

Frost spricht daher von einem Wiedereingliederungsprojekt. Die praktische Arbeit in Zwenkau sei eine gute Möglichkeit, die Jugendlichen soweit zu integrieren, dass sie anschließend am BSZ weiter lernen können. Mit Hilfe des Columbus-Junior-Vereins (der auch Träger von Jugendclubs in Zwenkau, Rötha und Leipzig ist) würden sie unter anderem einen festen Tagesablauf kennen lernen und bestimmte Kompetenzen. „Dazu gehören Teamarbeit, die eigenständige Organisation und Diskussionen mit anderen“, betont Michael Häckel, sozialpädagogischer Mitarbeiter vom Verein, der für die praktische Alternative verantwortlich zeichnet.

Fünf Plätze gibt es derzeit – viel zu wenig

Fünf Plätze stehen derzeit für das Projekt in Zwenkau zur Verfügung – zu wenig, wie Frost deutlich macht. Die Arbeit im Bad sei auch keinesfalls als Strafe zu verstehen, sondern als Chance, später seinen Alltag meistern zu können. Über mehrere Monate hinweg bleiben die Jugendlichen im Projekt, um danach einen neuen Versuch am BSZ zu starten. Während dessen gelten sie aber weiterhin als Schüler des Schulzentrums in Böhlen.

Wie Häckel deutlich macht, sei bei den Jugendlichen, die nach Zwenkau kommen, der Förderbedarf hoch. Die Problemlagen der jungen Leute seien komplex. „Oft ist es so, dass frühe Hilfen nicht zum Tragen gekommen sind oder die Probleme schlicht nicht erkannt wurden“, sagt er. Eingesetzt würden die Mädchen und Jungen beispielsweise beim Holzbau, beim Gartenbau, in Hauswirtschaft und Küche. Dort werde mittags immer gekocht. Dazu gehöre jedoch auch, vorab zu planen und entsprechend einzukaufen. All die Aufgaben sollen eines bewirken: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Lernbereitschaft und Ausdauer zu stärken.

Ziel des Waldbadprojektes ist Hauptschulabschluss

„Die Jugendlichen haben oft nicht gelernt, sich anzustrengen, eigene Ziele zu setzen und sich bei Schwierigkeiten durchzubeißen“, betont Jamila Bauer, Vorstandsvorsitzende bei Columbus Junior. Das wiederum führe dazu, dass sie kaum eine Vorstellung davon hätten, wie es perspektivisch weitergehen kann. „Oder aber sie bringen völlig utopische Vorstellungen mit, was sie später werden wollen.“

Anne (Name von der Redaktion geändert) hingegen weiß genau, wie es bei ihr weitergehen soll. Seit mehreren Monaten arbeitet die 16-Jährige im Waldbad und macht gute Fortschritte. „Ich will auf jeden Fall den Hauptschulabschluss schaffen“, sagt sie. Danach könne sie sich gut vorstellen, in der Landschaftspflege zu arbeiten.

Eltern werden beim Projekt mit eingebunden

Vier Kollegen kümmern sich im Waldbad um die Schüler, bei einer Morgenberatung besprechen Fachanleiter, sozialpädagogische Betreuer und Jugendliche zunächst den Tagesablauf und die jeweiligen Aufgaben. Begleitet wird die praktische Alternative vom Jugendamt Landkreis Leipzig, vom Kommunalen Jobcenter Landkreis Leipzig und vom Landesamt für Schule und Bildung. „Und nicht zuletzt auch die Eltern spielen eine wichtige Rolle“, sagt Häckel. Diese müssten unbedingt mit eingebunden werden.

Nach den ersten zwei Jahren, in denen BSZ und Columbus Junior kooperieren, gibt es Entwicklungen, die zeigen, dass das Waldbadprojekt Früchte trägt. Einige der Jugendlichen haben so weit Fuß gefasst, dass sie wieder zur Schule gehen und dort auch zurechtkommen. Anne wird aller Voraussicht nach die nächste sein, die diesen Schritt schafft.

Von Julia Tonne

Die Rente mit 67 hält er auch heute noch für richtig. Das hat der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering in Wurzen deutlich gemacht.

12.07.2019

Der Böhlener Chemiekonzern Dow hat seine Anlage gewartet. In den nächsten Tagen wird das Werk erneut in Betrieb genommen. Dabei könnte auch die Hochfackel wieder brennen.

12.07.2019

Die Lebenswelt-Grundschule in Rüssen-Kleinstorkwitz bekommt eine neue Bushaltestelle. Dank 15 000 Euro aus dem Sächsischen Mitmach-Fonds kann das Vorhaben vielleicht schon im Dezember realisiert werden.

12.07.2019