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Wie das Kinderhospiz Bärenherz die gesamte Familie begleitet

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09:23 12.12.2020
Sandra und David Muth nutzen mit ihren Kindern Henriette und Leonard die sogenannten Entlastungszeiten im Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg.
Sandra und David Muth nutzen mit ihren Kindern Henriette und Leonard die sogenannten Entlastungszeiten im Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

„Wenn das eigene Kind stirbt, ist das für Eltern die extremste Herausforderung“, sagt Cordula Jackisch. Die 49-Jährige leitet das psychosoziale und pädagogische Team im Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg. Ein Schwerpunkt ist dabei Trauerarbeit.

„Trauerbegleitung spielt oft von Beginn an eine Rolle“, sagt sie. Schon im Moment der Diagnose – weil sich in diesem Augenblick das Leben entscheidend ändert. Sie empfiehlt Familien mit lebensverkürzend unheilbar kranken Kindern, nicht erst in der letzten Zeit ins Hospiz zu kommen. „Das ist für viele eine Riesenschwelle, aber wir können die Betroffenen schon frühzeitig sehr unterstützen.“

Hospiz möchte gesamte Familie begleiten

Sei es beim Aufbau eines Netzwerkes, sozialrechtlichen Fragestellungen oder dem professionellen Blick auf die Familie. „Das ganze Familiensystem wackelt in solch einer Situation“, meint die Sozialpädagogin.

Cordula Jackisch: „Trauer ist keine Krankheit. Sobald die Trauer fließt, ist das Leben wieder da.“ Quelle: Andre Kempner

Die Geschwister des kranken Kindes sehen ihre Eltern oft in großer emotionaler Not, sie haben selbst Verlustängste und müssen ihre eigenen Bedürfnisse häufig hintenanstellen. Die Großeltern sind doppelt betroffen: Sie leiden mit dem eigenen Kind und verlieren Enkelin oder Enkel. Das Hospiz möchte die gesamte Familie begleiten. Sei es mit Beratungen, Selbsthilfegruppen, Kursangeboten oder sogenannten Entlastungszeiten.

Was hilft gegen Trauerschmerz?

28 Tage im Jahr, meist verteilt auf zwei bis vier Aufenthalte, können betroffene Familien ins Haus kommen. Dabei geht es auf der einen Seite um Erholung vom oft anstrengenden Alltag mit einem kranken Kind, aber auch um Trauerarbeit. „Wichtig ist die Stärkung der eigenen Person. Was hilft mir, wenn der Schmerz nicht aushaltbar erscheint? Dabei sind alle Gefühle erlaubt“, sagt Cordula Jackisch.

Das sei schwerste emotionale Arbeit, aber: „Trauer ist keine Krankheit. Sobald die Trauer fließt, ist das Leben wieder da.“ Wichtig sei, den nahen Verlust des Kindes in eine Traurigkeit zu verwandeln, mit der man leben kann.

Familie Muth nimmt Schicksal an

Sandra und David Muth aus Merseburg nehmen ihr Schicksal an. Vor drei Jahren erfuhren sie, dass ihre beiden Kinder Leonard (12) und Henriette (10) an einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung leiden. Die beiden brauchen Hilfe in allen Lebenslagen, ihr Zustand verschlechtert sich Stück für Stück.

Familie Muth mit dem Bären-Maskottchen des Hauses in Markkleeberg. Quelle: Andre Kempner

Zum dritten Mal besuchte die Familie im vergangenen Monat das Markkleeberger Hospiz. Die Eltern können sich erholen, Kraft tanken, Beratung und kreative Angebote nutzen, mit anderen Betroffenen ins Gespräch kommen. Sie wissen, dass ihre Kinder professionell und liebevoll versorgt werden, müssen sich aber für eine Weile mal nicht rund um die Uhr um sie kümmern.

Leben von Tag zu Tag

„Wir fühlen uns in dieser familiären Atmosphäre hier so angenommen, als wenn man uns schon lange kennen würde. Hier versteht man uns“, sagt David Muth. „Die Menschen, die hier arbeiten, sind mit dem Herzen dabei, das spürt man. Sie sind so freundlich, und wir können gemeinsam lachen, das tut gut.“ Hier müsse er auch nicht dauernd seine schwierige Familiensituation erklären. „Wir werden angenommen als Menschen und sind nicht nur eine Nummer, wie das heute so oft in unserer Gesellschaft der Fall ist.“

Familie Muth schätzt das Hospiz als einen Ort des Lebens. „Wir leben von Tag zu Tag. Wir wissen nicht, was morgen sein wird“, sagt der Vater. Seine Familie tut das für Henriette und Leonard. „Sie können doch nichts dafür. Vielleicht haben sie ein kurzes Leben, aber sie sollen trotzdem lachen. Wir wollen diese kurze Zeit glücklich sein.“ Auch wenn das Leben mit vielen Problemen daherkommt.

Prinzip Hoffnung bleibt

Nicht nur die täglichen Anstrengungen. Schwer zu ertragen seien auch die Blicke und Bemerkungen Fremder, wenn seine Kinder sich auffällig verhalten. Einmal ärgerte er sich auf dem Spielplatz über eine andere Mutter so sehr, dass er zu ihr sagte: „Wissen Sie eigentlich, wie glücklich Sie sein können, dass Sie ein gesundes Kind haben?!“

Wie auch immer die Situation ist und egal was die Ärzte sagen – das Prinzip Hoffnung ist für Sandra und David Muth gegenwärtig: „Die Hoffnung bleibt, dass an der Diagnose doch etwas nicht stimmt, dass es nicht so schlimm wird.“

So kommt Ihre Spende an

So spenden Sie: 

Füllen Sie einen Überweisungsschein aus. Zahlungsempfänger: LVZ-Spendenaktion. Verwendungszweck: „Bärenherz“. Sie tragen bitte Ihren Betrag ein, den Sie spenden möchten, und überweisen diesen an: IBAN: DE89 8605 5592 1090 2297 19, BIC: WELADE8LXXX

Spendenbescheinigung: 

Bis 200 Euro gilt die vollständig ausgefüllte Quittung im Original zusammen mit dem Bareinzahlungsbeleg oder Kontoauszug Ihrer Bank als Spendenbescheinigung für das Finanzamt. Bei Überweisungen mit Ihrer kompletten Adresse gehen wir davon aus, dass Sie eine Spendenbescheinigung vom Partnerverein möchten. Zur Erstellung der Spendenquittung übermitteln wir Ihre Adressdaten und Spendenhöhe an den Partnerverein.

Spendernamen: 

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Sollten Sie das nicht wünschen, dann tragen Sie bitte auf dem Überweisungsschein „ANONYM“ ein. Im Nachhinein können Sie 24 Stunden nach der Überweisung der Namensveröffentlichung unter der E-Mail: lesermarkt@lvz.de widersprechen.

Spendenübergabe: 

Die LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ geht vom 14. November bis 13. Dezember 2020 Anschließend wird der Gesamtbetrag unserem Partnerverein für das Hilfsprojekt übergeben. Wir berichten regelmäßig über die konkrete Hilfsaktion. Sollten mehr Spenden zusammenkommen, als für das konkrete Hilfsprojekt benötigt wird, so geht das übrige Geld ebenfalls an unseren Projekt-Partnerverein. Das Projekt „Ein Licht im Advent“ wird unterstützt von der Sparkasse Leipzig.

Bisher erschienen zu dieser LVZ-Spendenaktion:

Von Claudia Carell