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Borna Wie der Weihnachtsmann nach Neukieritzsch rollt
Region Borna Wie der Weihnachtsmann nach Neukieritzsch rollt
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09:21 24.12.2018
Nimmt er das Trike oder den roten Tempo? Uwe Konnegen aus Kieritzsch fährt den Weihnachtsmann auf den Neukieritzscher Marktplatz.
Nimmt er das Trike oder den roten Tempo? Uwe Konnegen aus Kieritzsch fährt den Weihnachtsmann auf den Neukieritzscher Marktplatz. Quelle: André Neumann
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Neukieritzsch/Kieritzsch

Alles wird vermutlich irgendwie wie immer sein am 24. Dezember auf dem Marktplatz in Neukieritzsch. Schon mehrere Generationen kennen es nicht anders: Am Nachmittag des Heiligabend kommt der Weihnachtsmann zur öffentlichen Bescherung. Musiker des Neukieritzscher Blasorchesters musizieren, Tänzerinnen des Karnevalsvereins tanzen, Kinder rufen ganz laut. Dann biegt er um die Ecke und bringt Geschenke.

Aber wie er kommt, mit welchem Fahrzeug, das immerhin bleibt bis zuletzt ein kleines Geheimnis, das nur Uwe Konnegen aus Kieritzsch lüften kann.

Der Fahrer des Weihnachtmannes hat zwei Gefährte zur Auswahl

Der 61 Jahre alte Mann ist nämlich der Fahrer des Weihnachtmannes. Und er hat in seiner Garage zwei interessante Fahrzeuge stehen – beide in jedem Falle angemessen für den Transport einer so bedeutenden Person in so wichtiger Mission.

Beide haben drei Räder, das eine ist ein Trike und damit mehr ein Motorrad. Das andere hat Fahrerhaus und Aufbau, was es mehr zu einem Auto, eher noch zu einem kleinen Lieferwagen macht. Man könnte auch Hundefänger sagen, aber das hören gewiss weder der Weihnachtsmann noch der Besitzer gern.

Volkmar Schmidt ist der Neukieritzscher Weihnachtsmann Quelle: André Neumann

Denn immerhin hat die edle Karosse namens Tempo schon sage und schreibe 81 Jahre auf dem Buckel und wird von Uwe Konnegen liebevoll gepflegt. Der hat das Dreirad in den 80er Jahren von einem Elektriker gekauft. Zweihundert Kubikzentimeter Hubraum und sieben Pferdestärken Leistung reichen aus, um den Weihnachtsmann samt großem Geschenkkorb und manchmal noch zwei Engeln abzuholen und auf den Markt zu bringen. Zum Glück gibt es zwischen Kieritzsch und Neukieritzsch keinen Berg.

Der Tempo schafft auch eine Fahrt durch die Berge

Doch selbst damit wird der Tempo fertig. Denn dessen wichtigster Einsatzzweck (natürlich neben dem Weihnachtsmanntransport) ist die alljährliche Himmelfahrtspartie mit Fahrer und vier Freunden auf den zwei Bänken hinten drauf ins Kohrener Land. Dort gibt es Berge, sagt der Kieritzscher und streicht dem Tempo anerkennend über die Motorhaube.

Was Leistung und Glamour betrifft, so ist das zweite Pferd in Uwe Konnegens Stall von anderem Kaliber. Unter himmelblauen Blechen und viel Chrom ruht beim Fecht Family Trike ein deutlich stärkerer und modernerer Motor. Denn dieses Dreirad – nichts andres bedeutet der Begriff Trike – ist erst 24 Jahre alt.

Mit dem fährt Konnegen gelegentlich zu Biker-Treffen oder auf Kurztrips mit seiner Frau. Früher kutschierte er Hochzeitspaare, gelegentlich wünscht sich auch heute noch jemand zum Geburtstag eine Fahrt mit dem Trike.

So sieht es aus, wenn der Weihnachtsmann mit dem dreirädrigen Lieferwagen kommt... Quelle: Gislinde Redepennig
... und so, wenn er das Trike nimmt. Quelle: privat

Der Weihnachtsmann kam erstmals 2014 auf dem Trike zu den Kindern auf dem Neukieritzscher Marktplatz. Bis zum Jahr davor kutschierte Rosemarie Hertel den Bärtigen. Als ihr die Sache nach einem Unfall mit einem Pferd zu unsicher wurde und sie lieber nicht mehr mit Pferd und Wagen zwischen die vielen Menschen auf dem Markt fahren wollte, sprang Uwe Konnegen auf Bitten von Bescherungs-Moderator Peter Bräuer ein.

Uwe Konnegen beschert jedes Jahr die Kinder

Das sollte eigentlich nur für ein Jahr sein. Doch nun wird er den Job an diesem Heiligabend schon zum fünften Mal erledigen. „Die Familie trinkt zu Hause Kaffee und ich fahre draußen herum“, sagt Uwe Konnegen, der doppelten Grund hätte, der Familienrunde beizuwohnen: Denn seine Frau Ute hat ausgerechnet am 24. Dezember auch noch Geburtstag. Aber, sagt er voller Überzeugung: „Die Kinder gehen vor.“

Die öffentliche Bescherung mit einem richtigen Weihnachtsmann gibt es in Neukieritzsch seit 1973. anfangs vor der Schule, später und bis heute auf dem Marktplatz. In einigen Jahren lag so viel Schnee, dass er tatsächlich auf einem Schlitten angefahren kommen konnte. Ob es diesmal das offene Trike oder der geschlossene Tempo sein wird, entscheidet Uwe Konnegen kurz vor seinem Einsatz. Das hänge natürlich auch vom Wetter ab und ein bisschen auch davon, worauf seine beiden jüngeren Enkelsöhne Lust haben. Die wollen nämlich meistens mitfahren.

Von André Neumann

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