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Borna Wie gefährlich ist es in der Deutzener Schule wirklich?
Region Borna Wie gefährlich ist es in der Deutzener Schule wirklich?
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18:09 14.06.2019
Wie gefährlich ist es an der Deutzener Grundschule wirklich? Eine Bewertung durch Sachverständige steht noch aus. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Deutzen

In der aufgeheizten Stimmung, in der Deutzener Eltern die Nachricht von der Schließung des Schulgebäudes aufnahmen, gingen die Ursachen und Hintergründe für die Entscheidung der Gemeindeverwaltung nahezu unter. Details wurden ohnehin nicht genannt. Die LVZ versucht ein wenig Licht in die Zusammenhänge zu bringen. Unterdessen beginnt in Deutzen der Kampf für einen Verbleib der Kinder im eigenen Ort.

Mängelliste mit teils gesundheitsbedrohlichen Defekten

Es geht um eine Elektroanlage, von der große Teile noch aus der Entstehungszeit des Hauses stammen, also aus den 1960er-Jahren. Fest installierte elektrische Anlagen – Leitungen, Schalter, Dosen, Beleuchtungskörper und so weiter – müssen in öffentlichen Einrichtungen in einem festgelegten Rhythmus überprüft werden.

Im Prüfprotokoll unterscheidet das beauftragte Elektrounternehmen zwischen mittel- und langfristig zu behebenden Mängeln und solchen, die Leben und Gesundheit bedrohen können. „Wir haben einige Anlagenteile noch während der Überprüfung außer Betrieb genommen“, heißt es seitens der Firma. Das allein beschreibt die Situation schon einigermaßen. Hinzu kommt eine lange Mängelliste.

TÜV stellte vor zehn Jahren erhebliche Mängel fest

Die Situation besteht so nicht erst seit Kurzem. Erst Anfang dieses Jahres stieß die Gemeinde auf ein Protokoll über eine Bewertung der Elektroanlage durch den TÜV von 2009. Die Prüfer bescheinigten damals erhebliche sicherheitstechnische Mängel. „Das haben wir heute noch genau so vorgefunden“, sagt Bauamtsleiter René Hertzsch auf LVZ-Anfrage.

Was auch mit der komplizierten Vergangenheit von Deutzen und der dortigen Schule zu tun hat. Die unterlag damals der Obhut des Schulzweckverbandes mit Regis-Breitingen. Zugleich war Deutzen wirtschaftlich so weit am Boden, dass die Gemeinde jede Ausgabe von mehr als 500 Euro vom Landratsamt genehmigen lassen musste. Immerhin ist an der Brandschutzsicherheit viel verbessert und auf heutigen Stand gebracht worden.

Streit im Schulzweckverband Deutzen-Regis

Zudem, auch das geht aus damaligen Unterlagen hervor, gab es zwischen Deutzen und Regis offenbar Streit darüber, ob und wie viel Geld für Reparaturen in der Schule ausgegeben werden soll. Im Laufe der Jahre wurde zwar einiges, offenbar aber nicht genug in Ordnung gebracht.

Die Eltern haben den Kampf um ihre Schule aufgenommen. Quelle: André Neumann

Zur Kette der Ereignisse gehört auch, dass es 2013 einen Brand im Computerzimmer gegeben haben soll. Zuvor war schon im Frühjahr 2009 an einem Verteilerkasten ein Feuer ausgebrochen. Daraufhin erfolgte damals die Überprüfung der elektrischen Anlagen. Im Sommer 2009 hatte die seinerzeitige Schulleiterin Renate Blonski der LVZ gesagt, dass die dringendsten Reparaturen ausgeführt worden seien, dass für weitergehende Maßnahmen aber das Geld gefehlt habe.

Dekra hat sich für einen Vorort-Termin angekündigt

Über die Erneuerung der Elektroinstallation im Erdgeschoss, von der einige Eltern auf dem Elternabend sprachen, liegen der Gemeinde, so heißt es von dort, keine Unterlagen vor.

Die abschließende Bewertung des jüngsten Prüfprotokolls der Elektriker, sagt Hertzsch, müssten ohnehin Sachverständige vornehmen. Dazu kommt in einer reichlichen Woche die Dekra nach Deutzen. Die Entscheidung, die Schule nicht weiter zu betreiben, hat die Gemeindeverwaltung anhand der Auswertung auf die Mängel-Liste schon vor dem Gutachten der Prüfer getroffen.

Einen Gemeinderatsbeschluss gibt es dazu nicht. In der Verwaltung wurde auch festgelegt, die Kinder noch bis zum Schuljahresende im Schulgebäude lernen zu lassen. Dafür seien „komplette Anlagenteile abklemmt worden“, bekräftigt Hertzsch.

Deutzener Eltern kümmern sich um eine Containerlösung

Unterdessen beginnt in Deutzen der Kampf für den Verbleib der Kinder im Ort auf mehreren Fronten. Die Seite einer Deutzener Facebook-Community verwendet als Profilbild seit Neuestem das Plakat „Unsere Schule bleibt im Ort“. Auf eben jener Seite hat der Elternrat eine Kampagne zur Suche nach Anbietern von Schulcontainern gestartet.

Lieber, als die Kinder nach Neukieritzsch zu schicken, wollen die Eltern nämlich ihre Schützlinge vorübergehend in Containern unterrichten lassen. Die können sich auch auf die Unterstützung des Kreiselternrates bauen. „Wenn die Eltern in Deutzen bleiben wollen, unterstützen wir die Maßnahmen, die sie einleiten“, sagte Yvonne König, die Vorsitzende des Kreiselternrates.

Der hat derweil Kontakt mit dem Landkreis und dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) aufgenommen. „Wir wollen unter anderem wissen, ob sich bei einem Umzug nach Neukieritzsch das Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, welches die Deutzener Grundschule seit 2016 anwendet, überhaupt umsetzten lässt“, so König.

In Richtung der Gemeinde sagt sie: „Wenn man mit offenen Karten spielt, findet man eine andere Lösung als die jetzt vorgestellte.“

Von André Neumann

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