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Borna „Wie können Sie denn als Frau alleine um die Welt reisen?!“
Region Borna „Wie können Sie denn als Frau alleine um die Welt reisen?!“
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07:55 02.04.2019
Sarah Kokot in der Antarktis. Dort war sie mit einem Expeditionsschiff unterwegs. Quelle: privat
Borna

In 300 Tagen auf sieben Kontinenten unterwegs – der LVZ-Bericht über die Weltreise von Sarah Kokot stieß auf große Resonanz. Die 28-Jährige aus Neukieritzsch wird am 5. April bei einer Veranstaltung in Borna darüber erzählen. Vorab spricht sie im Interview über Finanzierung und Visa, Planung und Spontanität, Einsamkeit und das Kennenlernen anderer Lebenswege während ihrer Tour.

Frage: Welche Reaktionen bekamen Sie nach dem LVZ-Bericht über Ihre Reise?

Sarah Kokot: Ich hatte noch am gleichen Tag mehr als 2000 Klicks auf meinem Blog und bekam jede Menge Mails. Von Freunden und Bekannten, aber auch fremden Menschen, die selbst einmal diesen Traum hatten. Auch schrieben mir einige Leute, die ebenfalls eine solche Reise gemacht haben.

Gezielt ziellos ließ sich Sarah Kokot durch die Welt treiben. Sie bereiste alle Kontinente – hier einige ihrer Fotos aus Südafrika, Nepal, Vietnam, Australien, Neuseeland, Chile, Antarktis...

Die Weltreise war intensive Erfahrung

Was meinen Sie: Was treibt Weltreisende an? Warum träumen so viele Menschen davon, weit weg zu fahren?

Ich glaube, es geht darum, Neues kennen lernen zu wollen: fremde Landschaften und Menschen, andere Lebensentwürfe. Es ist der Wunsch, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Neugier spielt eine Rolle. Für mich hat Reisen schon immer eine große Faszination, ich hatte bereits ein Vierteljahr in Südafrika gearbeitet, war auch schon längere Zeit in Peru. Die Weltreise war aber noch mal viel intensiver.

Inwiefern?

Früher ging es bei mir immer um schneller, höher, weiter. Ich wollte möglichst viel sehen im Ausland, habe die Dinge abgehakt. Während meiner Weltreise hat das immer mehr nachgelassen. Ich hab’ irgendwie gemerkt, dass es darum nicht geht. Jeder einzelne Ort bietet eine neue Situation, bei der sich etwas entdecken lässt.

Begeisterung für Menschen, die sich einer Sache hingeben

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Menschen, die begeistert bei einer Sache sind. Die Wissenschaftler in der Antarktis, die in völliger Isolation forschen und dabei glücklich sind. Oder die Buddhisten beim Meditieren in ihrem Tempel. Oder eine Gruppe Argentinier, die nur das verzehren, was sie selbst anbauen. Oder die Familien auf der Fiji-Insel, die auf dem Boden kochen, ganz einfach leben, ihre einsamen Strände genießen und ziemlich happy sind.

Als Frau alleine um die Welt reisen ist ziemlich mutig, oder?

Die Frage wird mir ganz oft gestellt. Ich kann dann immer nur antworten, dass ich keine Angst habe, alleine loszuziehen. Man sollte sich allerdings an bestimmte Regeln halten. Wenn zum Beispiel die Leute vom Hostel in Afrika sagen, dass man nach 17 Uhr als Frau nicht alleine rausgehen soll, dann sollte man das auch nicht machen. In Südostasien habe ich mich sehr sicher gefühlt, in Australien sowieso. Ich hatte auf meiner Tour auch keine gefährlichen Länder oder Krisengebiete. Ich denke, es kann mir auch hier in Deutschland was passieren.

Neukieritzscherin in gefährlicher Situation

Gab es eine wirklich gefährliche Situation?

Ja, auf einer vom Reisebüro organisierten Tour in Afrika. 16 junge Frauen mit Guide waren mit einem Landrover-Bus in der Wüste unterwegs. Da gab es einen Unfall mit einem betrunkenen Motorradfahrer. Er stellte das so dar, dass unser Bus an dem Unfall schuld war. Und dann kam das ganze Dorf und rüttelte wütend am Bus. Wir konnten es dann friedlich klären, aber da hatte ich Angst, das war meiner Meinung nach gefährlich. Obwohl ich nicht allein war.

Was raten Sie Frauen und Männern, die eine Weltreise planen, in punkto Sicherheit?

So eine Reise muss man richtig wollen, sonst sollte man nicht losfahren. Wer sich nicht ganz sicher ist und ein bisschen ängstlich ist, sollte vielleicht erst mal eine Radtour durch ein europäisches Land machen. Man sollte auf sein Bauchgefühl hören.

Für Sabat-Jahr Zeit herausgearbeitet

Wie haben Sie diese Reise finanziert?

Wichtig war mein Arbeitgeber, die Kinder- und Jugendhilfe der Arbeiterwohlfahrt in Grimma. Ich mag meinen Job und wollte da nicht weg. Deshalb war es wichtig und schön, dass es mit dem Sabbat-Jahr geklappt hat. Davor habe ich fünf Monate voll gearbeitet, aber nur ein Drittel des Lohnes bekommen. Der Rest war auf die nächsten zehn Monate verteilt. Zusätzlich habe ich gespart. Die Kosten für die Reise belaufen sich auf einen neuen guten Kleinwagen.

Welche Vorbereitungen sind unbedingt notwendig?

Ich habe den ersten Teil der Reise von Deutschland aus organisiert. Später dachte ich, spontan vor Ort zu entscheiden, ist eigentlich viel besser. Am Anfang wollte ich aber sicher sein, wo ich wann bin und war auch zum Teil mit Reisegruppen unterwegs. So waren eine ganze Reihe von Flügen und Visa schon vor meiner Abreise in Sack und Tüten.

Planung von Visa und Flügen ist zum Teil notwendig

Wie ist es generell mit Visa?

Man sollte sich unbedingt vorher erkundigen, das ist von Land zu Land total unterschiedlich. Wahrscheinlich bekommt man ein Visum häufig unkompliziert an der Grenze, aber ich bin meist auf Nummer sicher gegangen und habe mich vorab gekümmert. Wichtig ist dabei, dass man in vielen Ländern, in die man einreisen will, den Ausreiseflug vorweisen muss. Also muss man schon planen.

Und Impfungen?

Ich war vorab dreimal im Tropeninstitut in Leipzig und hab’ zehn Impfungen bekommen.

Gibt es ein Resümee der Reise?

Ich wurde beschenkt und bin sehr dankbar. Die Welt ist nicht so schlecht, wie sie oft dargestellt wird. Auch habe ich ganz oft erlebt, dass materieller Reichtum kein Garant fürs Glück ist.

Tipp: Sarah Kokot berichtet über ihre Reise am 5. April, 19 Uhr, im Rahmen der Themenreihe „Kirche im Gespräch“ in der Katholischen Kirche Borna, Stauffenbergstraße 7. Dort wird vom 31. März bis 30. Juni auch ihre Fotoausstellung „In 80 Bildern um die Welt“ zu sehen sein. Die Schau kann zu den Öffnungszeiten dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie jeden Sonntag vor oder nach dem Gottesdienst besichtigt werden. Darüber hinaus wird sie am 6. und 27. April von 14 bis 18 Uhr für alle Interessenten vor Ort sein. Wer Interesse an dieser Wanderausstellung hat, kann sich an sie wenden unter E-Mail sarah.k91@web.de

Von Claudia Carell

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