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Borna Interviewpartner in Borna weiter gesucht
Region Borna Interviewpartner in Borna weiter gesucht
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15:29 19.03.2019
Ariane Zabel und Christian Schmidt befragen Bergleute im Rahmen eines Zeitzeugen-Projekts.
Ariane Zabel und Christian Schmidt befragen Bergleute im Rahmen eines Zeitzeugen-Projekts. Quelle: Claudia Carell
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Borna

Vor allem für Frauen war es schwer. Speziell, wenn sie so um die 50 waren, als die Hoch-Zeit des Bergbaus im Bornaer Revier in den 90er-Jahren zu Ende ging. Das ist ein Ergebnis des Zeitzeugenprojekts, mit dem der Förderverein zum Aufbau eines Dokumentationszentrums IndustrieKulturlandschaft Mitteldeutschland (DokMitt) seit mehr als einem Jahr in und um Borna die ganz persönliche Geschichte von einstigen Beschäftigen in der Kohle und in der Energiewirtschaft sammelt und aufbereitet. Dabei wurden bisher 42 Zeitzeugen-Interviews durchgeführt, sagt Ariane Zabel. Die studierte Museologin führt gemeinsam mit dem Historiker Christian Schmidt zweimal in der Woche Befragungen durch.

Befragung in Borna läuft noch bis zum Jahresende

Eine Arbeit, die noch bis zum Jahresende fortgesetzt werden soll. Doch auch jetzt schon gibt es wichtige Erkenntnisse aus den bisherigen Befragungen. Es handelt sich dabei um Oral History, wörtlich „mündliche Geschichte“, eine spezielle Wissenschaftstechnik, bei der historische Ereignisse aus den persönlichen Blickwinkeln der Betroffenen geschildert werden. Und die Interviewer machen dabei durchaus unterschiedliche Erfahrungen. Während es Leute gibt, die nachgerade nur darauf gewartet haben, dass sie ihre Geschichte erzählen können, haben andere Berührungsängste. In jeden Fall aber, so Befragerin Zabel, sitzen die Zeitzeugen vor einer Kamera, so dass ihre Geschichte in Bild und Ton aufgezeichnet werden kann. Das dauert bisweilen eine oder auch eine anderthalbe Stunde. „Manchmal sind wird aber auch schon nach einer Dreiviertelstunde fertig“, sagt Ariane Zabel.

Keine DDR-Nostalgie bei den Befragungen in Borna

Eine ausgesprochene DDR-Nostalgie ist ihr bei ihren Gesprächen bisher nicht aufgefallen. Wohl aber eine starke Identifikation der Befragten mit ihrem – ehemaligen – Betrieb. „Viele hatten ein gutes Verhältnis zu ihrem Beruf, vor allem die, die hart gearbeitet haben.“ Entscheidend aber ist für die meisten einstigen Mitarbeiter im Bergbau und im Energiesektor, wie sie aus ihrem Beruf ausgeschieden sind. „Wer in den Vorruhestand gegangen ist, der hatte einen guten Abschied“. Anders sah es mit vielen Frauen aus, die in der Zeit der Wiedervereinigung und kurz danach die 50 schon hinter sich hatten. Ariane Zabel: „Die wurden entlassen und waren zu jung für den Vorruhestand.“ Oft landeten sie auf dem Arbeitsamt und in ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen). Klar, dass viele von ihnen erschüttert und gekränkt waren, „auch heute noch“.

Weitere Interviewpartner in Borna gesucht

Dass sich derartige Erfahrungen womöglich auch in heutigen Wahlergebnissen niederschlagen, sei ein Grund dafür gewesen, dass es die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) war, von der ein Impuls für das Projekt kam. Immerhin wird die Zeitzeugenbefragung mit Mitteln aus dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ unterstützt. Sie läuft noch bis zum Jahresende. Deshalb sind die Befrager Ariane Zabel und Christian Schmidt auch dankbar, wenn sich weitere Zeitzeugen für die Interviews finden ließen. Interessenten sind Montag und Dienstag in der Bornaer Brauhausstraße 8 in der Zeit von 10 bis 15 Uhr beziehungsweise nach telefonischer Vereinbarung (0152/574 58 721) willkommen.

Von Nikos Natsidis