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Borna Zugfahren im Landkreis Leipzig: Kein Klo am Bahnsteig
Region Borna Zugfahren im Landkreis Leipzig: Kein Klo am Bahnsteig
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14:01 06.09.2019
Ein Toiletten-Schild der ungewöhnlichen Art – an vielen Bahnhöfen im ländlichen Raum gibt es gar kein stilles Örtchen, wenn sich nicht die Kommune darum kümmert. Quelle: LVZ-Archiv
Landkreis Leipzig

„Entschuldigung, wo gibt’s denn hier eine Toilette?“ Eine ältere Passantin am Bahnsteig in Grimma zuckt mit den Schultern und sagt: „Oh, das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Gerade hält ein Zug, der Schaffner steigt aus. Die Frau ruft ihm zu: „Wissen Sie, wo hier ein Klo ist?“ – „Ja, beim Bäcker“, antwortet er und zeigt nach rechts.

Das Geschäft ist wenige Meter entfernt. Es wird nur noch zur Hälfte genutzt, früher war hier auch noch ein Fleischer. Eine freundliche Verkäuferin kennt die Anfrage, kassiert 50 Cent und händigt einen Schlüssel aus. „Dreimal links ums Gebäude herum“, sagt sie.

Sauberes WC mit Kunstblume – von 8 bis 14 Uhr

Der Bahnreisende findet eine saubere Toilette mit Kunstblume und Radiomusik vor – und kann zufrieden sein. Nur: Per Schild verkündet die Bäckerei, dass sie ihre Öffnungszeiten verkürzt hat: auf Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr. Und wie funktioniert das außerhalb der Geschäftszeiten?

Im Grimmaer Bahnhofsgebäude gibt es schon lange kein WC mehr. Quelle: Thomas Kube

Sebastian Bachran, Sprecher der Stadtverwaltung, kennt das Problem. Die Stadt hatte eigentlich auf eine langfristige Lösung gehofft, als in das Nebengebäude Bäcker und Fleischer zogen und parallel dazu eine Münz-Toilette entstand.

Wegen Vandalismus nicht mehr ständig geöffnet

„Dort gab es aber immer wieder Vandalismus, so dass dann auf die Schlüssel-Variante umgestellt wurde. Allerdings geht das nur zu den Geschäftszeiten“, so Bachran. Grimmaer würden wissen, dass nicht weit entfernt eine Tankstelle mit einem WC ist, „aber für Fremde ist es wirklich schwierig“.

Im Zuge der großen Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes hofft der Stadt-Sprecher, dass danach auch das in die Jahre gekommene – einst schöne – Bahnhofsgebäude einen Investor findet und sich dann auch endlich eine Lösung für die Toilette findet. Das kann aber noch dauern.

Deutsche Bahn: „Kein rechtlicher Anspruch“

Kein Klo am Bahnsteig: Das ist nicht nur ein Problem in Grimma. Allein in den großen Bahnhöfen gibt es Sanitäranlagen. Doch an den „Haltepunkten“, was nahezu alle kleinen Bahnhöfe im ländlichen Raum sind, ist so was nicht vorgesehen.

Bahnsprecher Jörg Bönisch teilte mit, dass bei den „kategoriespezifischen Basisleistungen und weiteren Leistungen der Infrastrukturnutzungsbedingungen Personenbahnhöfe“ Toiletten zu den „weiteren Leistungen“ zählen, „für deren Vorhandensein keine rechtliche Gewähr bzw. kein rechtlicher Anspruch besteht“. Reisenden empfiehlt er die Nutzung der WCs in den Zügen.

Unterschied Haltepunkt – Bahnhof

Ein Haltepunkt ist in Deutschland eine Bahnanlage, an der Passagiere Züge besteigen oder verlassen können, also eine Zugangsstelle für Reisende.

Im Unterschied zu einem Bahnhof besitzt ein Haltepunkt nicht zwingend Weichen. Ausnahmen bestehen aber, wenn dieser mit einer anderen Betriebsstelle örtlich verbunden ist.

Der bedeutende betriebliche Unterschied ist, dass an Haltepunkten nur ein- und ausgestiegen wird (der Zug somit nur anhält), aber an Bahnhöfen rangiert werden kann oder andere Züge abgewartet werden können.

Umgangssprachlich heißen all die Haltepunkte in kleinen und größeren Städten aber nach wie vor Bahnhof.

Auf dem Bahnhof in Bornakann man in einem Service-Punkt der Deutschen Bahn Fahrkarten kaufen, sich beraten lassen, auch Kaffee, belegte Brötchen und Süßes gibt es.

Zur Toiletten-Anfrage sagt die Bahn-Angestellte: „Auf dem Bus-Platz das bunte Häuschen, da können Sie probieren, ob es offen ist.“ Es ist offen und sauber. Das gelb gestrichene Haus mit Zug-Graffiti baute die Stadt vor zehn Jahren.

Stadt Borna kümmert sich um Bahnhofstoilette

„Vor geraumer Zeit wurde die Anlage regelmäßig durch Vandalismus zerstört und war infolge dessen, vor allem für die Dauer der Reparaturen, wiederholt längere Zeit nicht nutzbar“, berichtet Stadt-Sprecher Hans-Robert Scheibe. Aktuell gebe es keine Schwierigkeiten, „die Toilette wird regelmäßig gereinigt und steht den Nutzern am Bahnhof uneingeschränkt zur Verfügung“.

Viele Fenster sind verrammelt, im Bahnhofsgebäude in Geithainpassiert seit Jahren nichts mehr. Dabei halten davor regelmäßig Züge, in 29 Minuten ist man am Leipziger Hauptbahnhof. Gleich neben dem Bahnsteig gibt es einen Imbiss. Eine Toilette? „Das haben wir hier leider nicht“, sagt die Verkäuferin.

Viele Anfragen im Geithainer Imbiss

Ihr Chef Falk Wieczorek, seit 15 Jahren Imbiss-Inhaber, kennt das Problem bestens: „Es fragen immer wieder Leute bei uns nach und einige sind auch verärgert.“ Es würde Passanten betreffen, die den Zug verpasst haben oder wegen Verspätung auf dem Bahnsteig stehen. Allerdings seien die Schaffner kooperativ. Wenn ein anderer Zug einige Minuten hält, könnten die Betroffenen fix das Zug-WC nutzen.

Ansonsten würden er und seine Angestellte auf die kostenpflichtige Toilette eine Geschäfts, hundert Meter entfernt, verweisen. Noch vor Jahren habe ihn die Sache mit dem fehlenden WC richtig aufgeregt, inzwischen sei er gelassener.

Geithain will mit Fördergeld Toilette bauen

„Man muss ja auch sehen, dass so eine öffentliche Toilette ein Zuschussgeschäft ist, oft gibt es Probleme mit Vandalismus und sauber gemacht werden muss auch“, sagt der Imbiss-Inhaber. Dennoch: Nach seinen Informationen würde die Stadt im Zuge der aktuellen Bauarbeiten am Bahnhof derzeit über eine öffentliche Toiletten-Anlage nachdenken – was er begrüßen würde.

Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) bestätigt dies auf LVZ-Anfrage: Die Stadtverwaltung will am Parkplatz des Bahnhofs eine öffentliche Toilette bauen – wenn Fördermittel fließen. Die sind bereits beantragt. Die Reinigung soll der Bauhof übernehmen.

Der einst große Bahnhof Narsdorf hat heute nur noch einen Bahnsteig – fern vom denkmalgeschützten früheren Bahngebäude. Quelle: Claudia Carell

„Nee, hier gibt’s so was nicht“, sagt eine Frau, die auf dem gut gefüllten Bahnhofsparkplatz in Narsdorfwartet, um jemanden vom Zug abzuholen. Der über Jahrzehnte wichtige Kreuzungsbahnhof mehrerer Linien ist zu einem einzigen Bahnsteig geschrumpft, fernab des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes.

Viele Pendler nutzen Narsdorfer Haltepunkt

Pendler aus dem Südteil des Landkreises Leipzig und aus dem angrenzenden Mittelsachsen nutzen die Station, um vom PKW in den Regionalexpress Richtung Leipzig oder Chemnitz zu wechseln. Die Zahl der Parkplätze reicht lange schon nicht mehr aus, deshalb ist die Stadt Geithain dran, mehr als drei Dutzend zusätzlicher Plätze zu schaffen. Eine Toilette gibt es nicht.

„Traurig für einen prädikatisierten Kurort wie Bad Lausick“ sei es in der Tat, dass es am Bahnhof keine Toilette gebe, sagt Henry Heibutzki, Geschäftsführer der Kur GmbH. Immerhin reisten nicht wenige Kurgäste und Ausflügler mit dem Zug an. Diese Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn heiße er nicht gut. Gegenzusteuern sei aber nicht so leicht.

Kur GmbH in Bad Lausick verärgert

Im Rathaus und während der warmen Jahreszeit am „Schmetterling“ gebe es öffentliche Toiletten. Wenn die Kurverwaltung bald in ein Nachbargebäude umziehe, entstehe eine weitere Toilette. „Wir weisen auch im ,Riff'-Restaurant niemanden ab, auch wenn die Toiletten dort natürlich für die Hausgäste sind.“ Am Bahnhof aber eine Toilette zu schaffen, dazu sehe sich die Kur GmbH nicht imstande.

Auch in Pegau, wo viele Pendler gern die Bahn nutzen, ist Fehlanzeige in puncto WC. Zwar steht auf der anderen Seite der Schienen derzeit ein Dixie-Klo. „Aber das ist nur für die Bauarbeiter“, sagt eine junge Frau, die gerade angeradelt kommt und samt Drahtesel mit dem Zug fahren will.

Von Claudia Carell und Ekkehard Schulreich

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