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Borna Zwei Förderer der Feuerwehr im Landkreis Leipzig
Region Borna Zwei Förderer der Feuerwehr im Landkreis Leipzig
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07:25 15.10.2019
André Trautner (vorn rechts) ist einer der Förderer der Feuerwehr. Er hilft ideell und finanziell. Einen Spendenscheck über 10.000 Euro hält hier der Bad Lausicker Bürgermeister Michael Hultsch stellvertretend für die Stadt- und Ortswehren in der Hand, links von ihm Stadtwehrleiter Tim Barcynski. Quelle: LVZ-Archiv
Landkreis Leipzig

Einst war André Trautner selbst Feuerwehrmann in Bad Lausick und rückte aus, wenn’s brannte. Doch dann zog es ihn beruflich in die Ferne, nach Frankfurt am Main. Als er Jahre später in seine Heimatstadt zurück kehrte, ließen ihm die eigene Firma sowie seine Familie keine Zeit mehr für den aktiven Dienst. Dennoch blieb die Feuerwehr irgendwie in seinem Herzen.

Vor sechs Jahren wurde er vom Bürgermeister auf das Problem angesprochen, dass tagsüber zu wenige Kameraden für den etwaigen Einsatz vor Ort sind. Dem Unternehmer ging dies nicht aus dem Sinn. Er wollte gern helfen, beschäftigte sich intensiver mit der Materie, sprach mit vielen Leuten, fuhr sogar ins Innenministerium nach Dresden.

Einsatz auch im Arbeitsort möglich

Ein Mann auf offiziellem Posten sagte damals zu ihm: „Solche wie Sie hatten wir schon oft hier. Mal sehen, ob Sie sich noch in einem halben Jahr für die Sache einsetzen.“ Diese Ansprache ärgerte den Bad Lausicker zwar, spornte aber auch an. Er blieb dran, bis heute.

Schließlich gab es die Idee, dass doch Kameraden aus Bad Lausick, die in Borna arbeiten, im Einsatzfall tagsüber in ihrem Arbeitsort ausrücken könnten – und umgedreht. Zunächst war das aus Versicherungsgründen nicht möglich, doch schließlich erließ das Innenministerium eine entsprechende Regelung. „Das war ein erster großer Schritt“, sagt Trautner. Deutschlandweit wird das heute praktiziert.

Der Dachstuhl des Gasthauses in Thallwitz stand im April dieses Jahres in Flammen, die von allen Seiten bekämpft wurden. Einer von vielen Einsätzen für die Freiwilligen Feuerwehren. Quelle: Frank Schmidt

Aber: Die Personaldecke war generell zu dünn. Es ging also darum, mehr Leute für den Feuerwehrdienst zu interessieren. „Wir wollten Aufmerksamkeit schaffen für dieses Ehrenamt.“ Wenn er wir sagt, meint er „Leute aus unterschiedlichen Bereichen, die sich hier engagieren, das bin ich ja nicht allein“.

Sein Internetauftritt „Keiner kommt – Feuerwehren in Not“ versteht sich bis heute als Impulsgeber, „wir wollen Anstöße geben“. Die Seite bündelt fachlich abgesicherte Informationen und sammelt vorhandene Lösungsansätze.

Schulung der Führungskräfte

Ein Beispiel ist die Schulung der Führungskräfte. „Ich als Unternehmer kann mir die Leute aussuchen, die bei mir arbeiten“, sagt Trautner. „Aber ein Feuerwehrkommandant hat 50 oder mehr unterschiedliche Leute und jeder hat seine eigenen Bedürfnisse und soll sich wohlfühlen in der Truppe.“ Das sei eine immense Herausforderung, die Unterstützung braucht.

Regelmäßig spendet der Geschäftsführer Geld für die Ortswehren, einen10.000-Euro-Scheck übergab er zum Beispiel in diesem Sommer für die Jugendarbeit und Mitgliedergewinnung. Auch andere Vereine unterstützt er.

Unternehmer hat soziale Verantwortung

Warum er all das tut? „Meiner Meinung nach hat ein Unternehmer eine soziale Verantwortung und die sollte er wahrnehmen“, sagt der 40-Jährige. In seiner Firma Rotstahl, die Stahlmöbel herstellt, produziert er mit seinen 13 Mitarbeitern auch Feuerwehrspinde. „Im Moment geht es uns relativ gut und da will ich der Gesellschaft was zurück geben.“

Auch Andreas Zielke aus Groitzsch ist ein Förderer. Über eine 1000-Euro-Spende konnten sich kürzlich die Kameraden seiner Heimatstadt freuen. Alle Jahre wieder überweist er diese Summe. „Ich mache das aus tiefster Überzeugung für das ehrenamtliche Engagement, ich hab’ davor eine Riesenhochachtung“, sagt der 52-Jährige.

„Egoismus ist ein bisschen größer geworden“

Er kennt Feuerwehrarbeit nicht aus eigener Erfahrung, aber aus dem Familienkreis. Onkel und Cousin waren engagierte Kameraden – und verließen so manche Familienfeier, wenn zum Einsatz gerufen wurde. „Die Feuerwehr ist ein Muss. Aber sie heißt eben Freiwillige Feuerwehr. Was passiert, wenn es immer weniger Freiwillige gibt?“

Andreas Zielke unterstützt regelmäßig die Stadt- und Ortswehren in Groitzsch. Quelle: Olaf Krenz

Es werde immer schwieriger Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. „Der Egoismus ist ein bisschen größer geworden. Es heißt oft: Was hab’ ich denn davon?“, meint er. Junge Generationen seien oft nicht mehr bereit, sich ein Leben lang an einen Job oder ein Hobby zu binden.

Auf der anderen Seite müssten die Älteren lernen, mit den Veränderungen umzugehen. So können zum Beispiel befristete konkrete Projekte zum Teil großes Engagement hervor rufen, „das sollten wir mehr nutzen“.

In kleinem Maßstab etwas bewegen

Zielke ist seit vielen Jahren Betriebsrat bei Dow im Böhlener Werk und sitzt ehrenamtlich für die CDU im Stadtrat. Abends auf dem Sofa liegen und die Welt verbal verbessern sei nicht sein Ding, „im kleinen Maßstab kann jeder hier und da etwas bewegen und das versuche ich“.

Als Arbeitnehmervertreter sitzt er im Aufsichtsrat der Dow. Dabei sei es üblich, dass er seine Aufsichtsratsvergütung zu einem ganz überwiegenden Teil spendet. Eigentlich an überregionale Stiftungen, doch auf Antrag auch an örtliche Vereine und Institutionen – wofür er sich entschieden hat.

Spendenpraxis zu kompliziert und bürokratisch

Kreisbrandmeister Nils Adam gibt den Förderern einen „großen Stellenwert“, auch für den Gemeinschaftsgedanken. Er erinnert daran, dass dies – in der Not füreinander da zu sein – einst die Ur-Idee der Feuerwehr war. Die Förderer würden das erkennen und finanziell sowie ideell unterstützen.

Kreisbrandmeister Nils Adam findet die Spendenpraxis zu bürokratisch, da müsse sich was ändern. Quelle: Andreas Döring

Daneben gebe es wichtige Partner der Feuerwehr: Firmeninhaber, die ihre Wehr-Mitarbeiter im Einsatzfall frei stellen. „Wir haben ganz viele engagierte Geschäftsleute“, sagt Nils Adam. Aber es gebe eben auch Chefs, die sagen, das sei nicht ihr Problem, darum muss sich die Gemeinde kümmern.

Ehrung von Partnern und Förderern

Viele kleine und große Spenden würden helfen. Was ihn allerdings ärgert, dass es häufig so kompliziert und bürokratisch gehandhabt werden muss, da müsse sich was ändern.

„Unsere Feuerwehren brauchen unbedingt ihre Partner und Förderer“, betont David Zühlke, Chef des Kreisfeuerwehrverbandes. Regelmäßig werde dies mit Auszeichnungen gewürdigt, zum Beispiel beim Feuerwehr- und Helfertag.

176 Kameraden in Bad Lausicker Wehren

Tim Barcynski, Stadtwehrleiter in Bad Lausick, ist heilfroh, dass es solche Förderer wie André Trautner gibt. „Wir könnten sonst bestimmte Sachen nicht ermöglichen“, sagt der 52-Jährige. Die Kommune sei zu klamm für zusätzliche Geldspritzen. Außerdem bringe dies eine Wertschätzung zum Ausdruck, die er für wesentlich hält.

Barcynski ist Feuerwehrmann aus tiefstem Herzen und quasi von Geburt an. Großvater und Vater waren Kameraden. Er wuchs mit diesem Dienst auf, war schon in der Pionier-Feuerwehr. „Ich kenne es nicht anders. Im Vordergrund steht, Menschen zu helfen“, sagt er.

Dafür brauche es Engagement: „Wenn wir es nicht machen, wer dann?“ Mit allen Ortsteilen zusammen verfügt Bad Lausick derzeit über 176 Kameraden, wobei aber im Einsatzfall meist nur 30 Prozent verfügbar seien.

Ehrenamt in „Spaß-Gesellschaft“ schwierig

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich viel verändert, „wir sind eine Spaß-Gesellschaft geworden“, meint der Stadtwehrleiter. Daher sei es schwerer, Leute für solch ein Ehrenamt zu begeistern. Sogar Verständnis für die Arbeit der Wehr fehlt mitunter: Es sei mehr als ärgerlich, wenn die Kameraden beim Einsatz auch noch verbal attackiert werden.

Wertschätzung habe für ihn nichts mit einem Orden zu tun. „Das sind immer nur Einzelauszeichnungen, doch wir leben von der Team-Arbeit“, sagt der Bad Lausicker. Förderer der Feuerwehr würden dabei – neben der finanziellen Unterstützung – entscheidend helfen.

Von Claudia Carell

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