Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Altes Gasthaus in Brinnis erwacht zu neuem Leben
Region Delitzsch Altes Gasthaus in Brinnis erwacht zu neuem Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:44 14.05.2019
Tina Markowski und Daniel Eichler beleben das Gasthaus in Brinnis wieder. Quelle: Wolfgang Sens
Brinnis

Eigentlich wollten Tina Markowski und Daniel Eichler nur ein Wohnhaus auf dem Lande. Eigentlich ist ein Wort, das es eigentlich nicht gibt. Nun erweckt das Paar das alte Gasthaus im Schönwölkauer Ortsteil Brinnis zu neuem Leben.

Eigentlich andere Pläne

Eigentlich haben Tina Markowski und Daniel Eichler „nur“ einen Dreiseitenhof für sich zum Wohnen gesucht. Ein großes Grundstück mit alten Mauern, um sich ihren Traum vom Leben auf dem Land zu erfüllen. Das Paar lebt in Delitzsch, aufgewachsen sind beide auf dem Dorf – sie bei Bitterfeld, er bei Delitzsch – und beide sind sie im Herzen immer Dorfkinder geblieben. Eigentlich sollte das Haus, das sie im Schönwölkauer Ortsteil Brinnis mit seinen vielen Dreiseitenhöfen fanden, zu einem Wohnhaus saniert werden. Eigentlich sollte jetzt schon die Einbauküche fertig sein.

Das Gasthaus wurde um 1500 erbaut, der Anbau zirka 1880 Quelle: Wolfgang Sens

Die fertige Lieferung steht jetzt in Kartons im Saal des Gasthauses Brinnis. „Eigentlich wollten wir nur eine Renovierung machen“, erzählt Tina Markowski (29), „geworden ist daraus eine Kernsanierung.“ Tja. Eigentlich kommt es beim Bauen meist anders als geplant und erst recht, wenn man ein altes Gasthaus kauft. Das junge Paar hat der Ehrgeiz gepackt und sie stecken viel Herzblut in ihren Hof, werkeln mit Freunden und Familie in Eigenleistung für mehr als „nur“ ein Wohnhaus.

Wirtsdasein nicht geplant

Eigentlich wollte Daniel Eichler, aufgewachsen in einer Wirtsfamilie, selbst überhaupt gar kein Wirt werden. Er arbeitet bei der Polizei, Freundin Tina bei der Volksbank Delitzsch eG. Eigentlich. Inzwischen hat der 28-Jährige doch schon die ersten Biere in seinem Gasthaus ausgeschenkt, die erste Veranstaltung über die Bühne gebracht. Das war so vielleicht nicht geplant, und doch fühlt es sich richtig an. „Wir können die Räume doch nicht verkalken lassen“, lässt Daniel Eichler seinen Blick durch den Gastraum schweifen. Neulich hat hier bereits ein großes Ritteressen stattgefunden. Sein großer Bruder Rico hat die Versorgung übernommen. Sein Restaurant „Zur Schloßwache“ in Delitzsch ist berühmt für diese Veranstaltungen. In Brinnis ist noch mehr Platz für die Ritteressen.

Brinniser sind neugierig

Kaum hatten sie vor rund einem Jahr den Hof gekauft, kamen die ersten Neugierigen auf sie zu. „Bist du hier der Neue?“, haben die Leute aus dem Dorf Daniel Eichler gefragt, neugierig, ob er jetzt immer hinter der Theke stehen wird. Eigentlich nicht. „Es ist schön, wie die Leute auf uns zukommen“, schwärmt Tina Markowski. Die Leute seien voller Euphorie, seit im Gasthaus wieder regelmäßig das Licht brennt. „Das ist ein schönes Gefühl“, erzählt Tina Markowski. Offen und herzlich geht es im Schönwölkauer Ortsteil zu.

Der gigantische Kronleuchter ist berühmt in der Region Quelle: Wolfgang Sens

Brinnis ist ein Dorf zum Wohlfühlen. Und wie die Kirche gehört so ein Gasthaus wohl einfach ins Dorf. Zu lange war es geschlossen, entsprechend groß ist die Freude der Brinniser, dass nun wieder Leben einzieht. Bis 2003 wurde das Gasthaus von den Schusters geführt. 1518 wurde es das erste Mal urkundlich erwähnt. In dem um 1900 erbauten Saal müssen sich unzählige Paare kennen und lieben gelernt haben, tauschten erste innige Blicke und so manchen Kuss unter dem mächtigen Kronleuchter. Der ist etwa vier Meter lang und endet zirka zwei Meter über dem Tanzparkett aus den 1960er-Jahren.

Das alte Gasthaus im Schönwölkauer Ortsteil Brinnis wird wieder belebt. Ein junges Paar hat den Hof gekauft und macht nun – anders als zunächst geplant – doch mehr als ein Wohnhaus daraus.

„Unzählige Geschichten ranken sich um diese Lichtquelle“, schmunzelt Tina Markowski. Sie glaubt wie Daniel Eichler fest daran, dass die Wände hier Geschichten erzählen könnten. Überall in den alten Mauern finden sich alte Schätze. Locker kann das Paar zum Beispiel schönes Geschirr von 1800 auftafeln, genauso gut aber auch feinstes Alubesteck oder Strohhalme made in GDR. Manchmal verlieren sie die Zeit ganz aus den Augen, wenn sie auf dem Dachboden in den Antiquitäten stöbern. „Wir haben noch lange nicht alles entdeckt“, sagt Daniel Eichler.

Überall auf dem Hof verbergen sich alte Schätze wie diese Fotoalben. Der alte Charme wird auch künftig erhalten. Quelle: Wolfgang Sens

Allein die Rechnungsbücher, geführt in feinster Handschrift, lassen sich 100 spannende Jahre zurückblättern. Die bald 90 Jahre alte Margot Schuster, die Witwe des vorherigen Wirts, die jetzt lebenslanges Wohnrecht genießt, weiß auch manches zu erzählen. Und inwieweit das Gasthaus in den Brinniser Bierkrieg vor 400 Jahren involviert war, werden die alten Mauern vielleicht auch eines Tages noch preisgeben. Und wer selbst noch Geschichten kennt und vor allem historische Infos hat, kann sich gerne beim Paar, der Schloßwache oder der LVZ melden.

Fasching und mehr geplant

Die Zukunft des Gasthauses steht: Erstmals wird der „Lindenhayn Brinniser Carnevalsclub“ seinen Fasching 2020 wieder genau dort feiern, wo er bis 2003 immer gefeiert wurde – im großen Saal Brinnis statt im Badrinaer Leinesaal. Und schon in drei Wochen, am 30. Mai 2019 steigt ab 10 Uhr unter dem Motto „Männertag bei Schusters“ eine große Sause zum Feiertag, ganz zünftig mit Schalmeien. Weitere Veranstaltungen wie große Ritteressen sind bereits in Planung. Daniel Eichlers Bruder wird mit seiner Schloßwache das Catering übernehmen und über ihn können die Räume in Brinnis auch für solche Termine gebucht werden. Das Gasthaus Brinnis öffnet für einzelne Termine. Nicht mehr, nicht weniger. Und so soll es bleiben, sagt der „Neue“ in Brinnis. „Es wird keinen kompletten gastronomischen Betrieb mit regulärem Tagesgeschäft geben“, beteuert Daniel Eichler. Es soll bei solch einzelnen Veranstaltungen bleiben. Eigentlich...

Von Christine Jacob

Nutzungs-Ideen für die evangelische Marienkirche in Delitzsch, die entweiht werden soll, gibt es noch keine. Doch es gibt die Idee, einen Arbeitskreis oder einen Verein zu gründen, der sich um das Gebäude kümmert.

14.05.2019

Illegal abgeladener Müll ist jetzt im Delitzscher Ortsteil Döbernitz beseitigt worden. Der Heimatverein hatte zum Frühjahrsputz gerufen und konnte viel ordnungsgemäß beräumen. Jedoch stößt der Verein auch an Grenzen.

14.05.2019

Die Kinder und Jugendlichen in der Region um Delitzsch sollen mehr auf ihre Umwelt achten. Dazu gehöre, dass sie wieder mehr in der Natur unterwegs sind, sagt Claudia Dreßel. Dazu bringt sie nun zwei Projekte auf den Weg.

14.05.2019