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Delitzsch Betrieb des Delitzscher Biomassekraftwerks ruht
Region Delitzsch Betrieb des Delitzscher Biomassekraftwerks ruht
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10:08 31.05.2016
Das BKD in Delitzsch muss Auflagen des Umweltamtes erfüllen. Mit Investitionen sieht es aber schlecht aus.
Das BKD in Delitzsch muss Auflagen des Umweltamtes erfüllen. Mit Investitionen sieht es aber schlecht aus.   Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

 Die etwa 30 gekündigten Mitarbeiter des Biomassekraftwerkes in Delitzsch (BKD) haben Kündigungsschutzklagen eingereicht. „Wir wollen und werden uns zur Wehr setzen“, erklärte Betriebsratsmitglied Lutz Rudolf. BKD-Geschäftsführer Heinz Lucas scheint indes untergetaucht zu sein. Auf Anrufe wird grundsätzlich nicht reagiert. Diese Erfahrungen machte auch der Betriebsrat in den vergangenen Tagen. „Auch auf E-Mails bekommen wir keine Antwort. Wir wissen momentan nicht genau, was sich hinter den Toren des Werkes tut“, sagte Rudolf. Ehemalige Mitarbeiter sprechen von „Gefahr in Verzug“, hier müsse schnell und nachhaltig reagiert werden. Die Behörden sein in der Pflicht. Sie müssten endlich ihre Forderungen durchsetzen.

Ausverkauf?

Allerdings soll es hinten den BKD-Toren trotzdem nicht gerade still sein. Es werde weiter gearbeitet. Etwa fünf Mitarbeit sind noch im Werk. All das, was sich zu Geld machen lasse, würde derzeit verkauft, wollen Mitarbeiter erfahren haben. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht.

Zur Situation um das BKD stellte kürzlich Landtagsabgeordneter Volkmar Zschocke (B90/Die Grünen) auch eine kleine Anfrage an das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL).

Darin wird unter anderem eingeräumt, dass erhebliche Nachsorgepflichten gegenüber der Knock on Wood GmbH weiter bestehen. Sie resultieren aus dem Kauf des BKD von der am 10. Juli 2015 Insolvenz angemeldeten GOAZ Energie GmbH. Hauptkritikpunkt ist die Lagerung von Rost- und Kesselasche auf einem Gelände, für das keine Genehmigung vorlag.

40 000 Tonnen Asche

Das Landratsamt Nordsachsen hatte im September 2014 eine Räumung der Fläche verfügt. Passiert ist allerdings nichts, noch immer lagern dort etwa 40 000 Tonnen der Rost- und Kesselasche. Dass das Werk nicht stillgelegt wurde, begründet das Ministerium damit, dass es sich lediglich „um den ungenehmigten Betrieb einer Teillagerfläche“ handelt. „Eine Stilllegung könnte die Entsorgung der Rost- und Kesselasche zusätzlich erschweren.“

Volkmar Zschocke fragte in dem Zusammenhang nach der Zusammensetzung des abgelagerten Materials und der daraus abgeleiteten Gefahr für das Grundwasser. Demnach liegen zwei Analysen vor. Das Landratsamt habe im Rahmen der Regelüberwachung im Februar dieses Jahres festgestellt, dass „augenscheinlich in geringer Menge Fremdstoffe (Metalle, Kunststoffe, Holzreste)“ vorhanden sind. Trotzdem kommt das Ministerium zum Schluss, dass von dem Rost- und Kesselascheberg „keine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt“ ausgehe. Eine Ausspülung der Schwermetall sei nicht zu befürchten. Der Untergrund sei dicht und das mit einer Schichtdicke von bis zu zweieinhalb Metern. Er biete einen sehr guten Schutz für das Grundwasser.

Das Umweltamt hatte dem BKD unter anderem noch zur Aufgabe gemacht, die Rauchgasreinigungsanlage bis 17. Juni zu reparieren. Ob es tatsächlich noch dazu kommt, kann bezweifelt werden. Für Investitionen fehlt dem Unternehmen wahrscheinlich der finanzielle Rückhalt.

Weitere Forderungen wurde in der Antwort des SMUL aufgelistet. Sie betreffen neben dem Immissionsschutz, auch das Wasser und Abwasser.

Zur Auflage wurde auch gemacht, dass die Emissionen an Gesamtstaub, Gesamtkohlenstoffe, an Kohlenmonoxid und Stickstoff kontinuierlich ermittelt und ausgewertet werden sollen. Das Landratsamt mahnt seit 2008 diese Berichte an, es liegen lediglich Jahresinformationen von 2005 und 2011 vor. Sie dokumentieren Grenzwertüberschreitungen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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