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Delitzsch Cathrin Moeller veröffentlicht fünftes Buch
Region Delitzsch Cathrin Moeller veröffentlicht fünftes Buch
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06:24 16.02.2019
Autorin Cathrin Moeller mit Selbstgebackenem. Ein Kuchen spielt in einem ihrer Bücher eine besondere Rolle. Quelle: Fotos: Wolfgang Sens
Delitzsch.

Vier Romane hat die Delitzscher Autorin Cathrin Moeller bereits veröffentlicht – der fünfte kommt im Sommer auf den Markt. Wir haben mit ihr gesprochen.

Ich habe schon vier Sommerlektüren mit dir verbracht, also bleiben wir beim Schreiber-Du, oder?

Gerne.

Alle Achtung, im Sommer kommt mit „Kein Mord ist auch keine Lösung“ schon dein fünftes Buch heraus. Jedes Jahr seit 2015 ein Titel auf dem Buchmarkt, das Debüt gleich ein Bestseller … Ist man da noch aufgeregt? Ist das noch immer wie beim ersten Mal?

Aufregend wie beim ersten Mal. Ich weiß ja nicht, wie die Geschichte beim Leser ankommt.

Deine ersten beiden Titel „Wolfgang muss weg!“ und „Die Spreewaldgurkenverschwörung“ hatten jeweils eigenständige Handlungen. Zweimal durften die Leser sich dann von dir in das Dorf Mordsacker entführen lassen, wo Hobbydetektivin Klara Himmel Serientäterin der Ermittlung war und eine kleine Serie im Entstehen war. „Kein Mord ist auch keine Lösung“ dreht sich dagegen wieder als Einzeltitel um drei Frauen, die ihren Boss zur Strecke bringen möchten. Gibt es eine oder keine Zukunft für Klara Himmel?

Das war eine strategische Entscheidung des Verlags, um neue Lesezielgruppen zu erreichen. So wie es im Fernsehen um Quoten geht, geht es auf dem Buchmarkt um Verkaufszahlen. Bleiben diese für ein Produkt unter den Erwartungen, ist es vorerst besser die Strategie zu ändern, um die Autorenmarke zu etablieren. In Zeiten wo jährlich etwa 80 000 neue Titel auf den Markt kommen, ist es schwer als Neuautorin – mit fünf Büchern zählt man noch dazu – in dem überlaufenen Genre der privaten Ermittler, die derzeit in allen möglichen Provinzen über eine Leiche stolpern, wahrgenommen zu werden.

Hm. Schade eigentlich. Dein neuer Roman dreht sich auch um die Selbstfindung der drei Protagonistinnen. Du selbst hast genau die Mitte 50 erreicht, da hat man sich doch selbst gefunden – hoffe ich jedenfalls, das würde mir mit Mitte 30 jedenfalls viel Hoffnung geben... Erzählst du aber gerne solche Prozesse von Entwicklung und Selbstfindung?

Wenn ich meine Heldinnen auf die Reise schicke, haben sie anfangs ein Problem, das darauf drängt, gelöst zu werden. Dabei machen sie Erfahrungen. Mit jeder Erkenntnis, die sie gewinnen, entwickeln sie sich weiter. Warum soll ich über jemanden schreiben, der nichts dazulernt? Das fände ich langweilig.

Hast du dich selbst gefunden, im Schreiben gefunden?

Ich habe meine Leidenschaft, das Schreiben gefunden und bin dankbar, dass ich von einem großen Publikumsverlag veröffentlicht und auch gelesen werde. Damit wurde ich aber auch in eine Schublade gesteckt. Selbstfindung bedeutet für mich, sich ausprobieren zu dürfen. Wenn es darum geht, mein Talent für ein bestimmtes Genre zu entdecken, bin ich immer noch eine Suchende.

Also doch noch die Selbstfindung, hört das denn nie auf? Wie viel von dir selbst steckt noch in solchen Figuren?

Beim Schreiben schlüpft man in die verschiedenen Figuren und versucht, deren Blickwinkel einzunehmen. Das bedarf ordentlicher Vorarbeit bei der Figurenentwicklung. Aus Physiognomie und Biografie entstehen Charaktere, die frei erfunden sind und nichts mit meinem Leben zu tun haben.

Die drei Amateur-Killerinnen in „Kein Mord ist auch keine Lösung“ schlagen ausgerechnet in der Verlagsbranche zu, weil ihr Boss einfach nicht zum Aushalten ist … Ist das Zufall oder Absicht? Und wie viel Wahrheit steckt in diesem arroganten Chef oder könnte das im Prinzip in jeder anderen Branche auch spielen?

Mobbing am Arbeitsplatz kommt in jeder Branche und viel zu oft vor. Der psychische Stress macht viele Menschen krank. Der Chef im Roman ist nicht nur arrogant, sondern ein Psychopath, der seine Untergebenen quält. Die Figur ist frei erfunden und keine Anspielung auf eine reale Person. Zuerst war das Thema Mobbing da. Sicher hat mich auch die #MeToo-Debatte beeinflusst. Der Ursprung, die Story in der Verlagsbranche spielen zu lassen, war übrigens ein Artikel in der LVZ. Darin ging es um die Frage, warum die Deutschen so gerne fiktive Gewalt in Form von Krimis konsumieren.

Woher nimmst du deine Inspirationen sonst noch?

Ich fuhr letztens mit der S-Bahn nach Leipzig, eine junge Schaffnerin hatte eine Auseinandersetzung mit einem Fahrgast, da habe ich mir schnell eine Notiz gemacht: Was wäre wenn? Ich beobachte. Jeder Mensch hat eine Geschichte. Manchmal reicht auch ein Bild. Im Urlaub entdeckte ich mitten im Wald ein Graffiti. Schon hatte ich die konkrete Vorstellung von der Co-Heldin für mein neues Projekt. Ein silberner Schuh auf dem Tisch im Oberen Bahnhof in Delitzsch inspirierte mich zu einer wichtigen Szene in „Kein Mord ist auch keine Lösung“, Ich lese viel, auch Zeitungen, Sachbücher, sehe Filme, Dokumentationen …

Trotz des Erfolges auf dem Buchmarkt arbeitest du weiterhin als Theaterpädagogin und betreust zum Beispiel Projekte zur kulturellen Bildung für Kinder auf dem Land. Mal abgesehen davon, dass man heute nicht allein vom Autorendasein leben kann: Wie wichtig ist dir der Ausgleich oder kannst du dir vorstellen, nur noch Schriftstellerin zu sein?

Ich brauche diesen Ausgleich und finde meine Aufgabe, Kultureinrichtungen und Bildungseinrichtungen in kulturellen Projekten zusammenzubringen, sehr spannend.

Autorin zu sein bedeutet harte Arbeit, etwa mit etlichen Lesungen und Messeauftritten. Und schreiben muss man natürlich eine Menge, wenn jedes Jahr ein Buch kommt ... Bei dir heißt das zum Beispiel auch im Urlaub, morgens um halb sechs aufzustehen und die Geschichten zu entwickeln. Was aber, wenn da mal einfach nix ist, kein Gedanke aufkommen mag, die Ideen nicht sprudeln?

Dann lese ich was zu dem Thema, recherchiere. Das hilft fast immer. Manchmal brauchen Gedanken aber auch Zeit zum Reifen. Wenn bestimmte Zusammenhänge noch nicht greifbar sind, schlafe ich eine Nacht drüber, dann verwebt das Unterbewusstsein die Fäden wie von selbst. Der Prozess kann aber auch mal ein paar Tage dauern. Dann muss ich mit jemandem drüber reden. Der andere Blickwinkel hilft mir bei der Lösung des Problems

Was machst du wenn es schlechte Rezensionen gibt? Kann man dir damit den Tag versauen?

Nein, sachliche konstruktive Kritiken nehme ich sehr ernst. Ich möchte mich ja mit jedem Buch verbessern.

Ist das sechste Buch schon in Arbeit? Was ist für 2020 geplant?

Jetzt ist erst einmal die Überarbeitung des Lektorats von „Kein Mord ist auch keine Lösung“ dran, dann plane ich mit dem Verlag einen neuen Titel für nächstes Jahr. Außerdem experimentiere ich gerade mit einem anderen Genre und arbeite an einem Thriller.

Von Christine Jacob

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