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Delitzsch Das Naturschutzgebiet am Werbeliner See kommt nicht überall gut an
Region Delitzsch Das Naturschutzgebiet am Werbeliner See kommt nicht überall gut an
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10:52 14.06.2019
Der Werbeliner See im Südwesten von Delitzsch. Das Ufer steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden. Bei Kontrollen nahm das Landratsamt Nordsachsen im Jahr 2018 über den Sommer 709 Verstöße auf, vornehmlich das Gehen abseits der Wege (308), Baden (213) und Lagern am Ufer (128). Quelle: Mathias Schönknecht
Delitzsch

„Kein Kommentar“, sagt Manfred Wilde. Doch die Reaktion des parteilosen Delitzscher Oberbürgermeisters auf die Entscheidung vom 31. Mai, den Werbeliner See dauerhaft unter Naturschutz zu stellen, lässt tief blicken. In der Vergangenheit hatte sich der Oberbürgermeister noch kämpferisch gezeigt: Der Naturschutz könne nicht die ausschließliche Zukunft des Sees sein. Auch eine naturnahe touristische Nutzung im Sinne gelebter Bürgerbeteiligung müsse möglich sein, sagte Wilde noch im Vorjahr. Für ihn sei es schwer, den Bürgern zu vermitteln, dass sie unter dem Tagebau litten und nun seine Folgelandschaft nur bedingt nutzen dürfen.

Baden, Krach, von den Wegen abkommen, den Hund frei laufen lassen ... alles nicht gestattet

Für den Naturschutzbund Sachsen (Nabu) stellt die Entscheidung eine riesige Erleichterung dar: „Ein großer Erfolg für die Natur und ganz besonders für die Vogelwelt, denn hier sind seltene Arten wie Seeadler, Goldammer und Neuntöter heimisch“, sagt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des Nabu Sachsen.

Was heißt das für Besucher? Die Wege dürfen nicht verlassen werden. Punkt. Aus Sicht der Bürger seien gegenüber der vorläufigen Unterschutzstellung keine zusätzlichen Einschränkungen zu befürchten, erklärt Eckhard Rexroth, Dezernent für Bau und Umwelt im Landratsamt Nordsachsen. Es „haben sich keine grundlegenden Änderungen der Auflagen beziehungsweise Ge- und Verbote im Naturschutzgebiet (NSG) ergeben“. Gleiches gelte für die angrenzenden Landwirtschaftsflächen. Hier greifen unverändert die Maßgaben des durch den Freistaat Sachsen ausgewiesenen Vogelschutzgebietes „Agrarraum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“.

Werbeliner (links) und Grabschützer See. Quelle: Arne Weiss / Jan Bässt

Landratsamt stellte 2018 über 700 Verstöße fest

Die Kontrollen aus dem vergangenen Jahr sollen fortgesetzt werden. Immerhin wurden 2018 709 Verstöße festgestellt, „vornehmlich das Gehen abseits der Wege (308) und Baden (213)“, teilte das LRA im zurückliegenden Oktober mit. Das Betretungsverbot des Ufers soll zu unterschiedlichen Tageszeiten an allen Wochentagen kontrolliert werden. Ergänzend setzt das Umweltamt nach eigenen Angaben auf Information und Aufklärung und „wird dafür zukünftig mit zusätzlichem Personal präsent sein“. Im vergangenen Jahr seien nicht nur Verstöße festgestellt worden, sondern vielfach habe das Amt Verständnis für die Belange des Naturschutzes am See wecken können. Dazu gehöre etwa, dass „das Gebiet mit seiner Flora und Fauna öffentlich bekannt gemacht wird und auch erlebbar ist“, sagt Rexroth. Es sei erklärtes Ziel des Landratsamtes, „die Schönheit des Gebietes zugänglich zu machen und dem Motto ’Natur erleben’ gerecht zu werden“.

Hoffnung auf eine Badestelle am Zwochauer See bleibt bestehen

Auf die mögliche Badestelle am benachbarten Zwochauer See, der zur Gemeinde Wiedemar gehört, hat der Entscheid keine Auswirkung. Wie Bürgermeisterin Ines Möller (parteilos) sagt, werde derzeit ein Gutachten erstellt, wie schädlich eine solche Bademöglichkeit für die dort lebenden Tierarten wäre. Es soll bis zum Jahresende vorliegen. Das bestätigt auch das Landratsamt: „Der Zwochauer See gehört zum Naturschutzgebiet, unterliegt aber nicht dem Prozessschutz.“ Eine Nutzung zum Baden sei daher in einem gesonderten wasserrechtlichen Verfahren zu entscheiden. Dies sei bereits während der vorläufigen Unterschutzstellung so gewesen und ändere nichts an der Situation, sagt Möller, „auch nicht daran, dass wir uns weiterhin um die Badestelle bemühen“.

Am Nordwestufer des Zwochauer Sees bleibt die Einrichtung einer Badestelle im Bereich des Möglichen. Quelle: Mathias Schönknecht

Von Mathias Schönknecht

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