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Delitzsch Delitzsch Nord – „Hier gibt es eigentlich alles“
Region Delitzsch Delitzsch Nord – „Hier gibt es eigentlich alles“
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08:00 19.03.2019
Zwischen den Plattenbauten gibt es nicht nur Parkplätze, sondern vor allem große Grünflächen. Quelle: Heike Liesaus
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Delitzsch

Heidrun Dathe muss nicht lange überlegen, was ihr Wohnviertel, den Delitzscher Norden, anbelangt: „Im Großen und Ganzen gefällt es mir gut. Es wird viel gemacht.“ Das Plattenbau-Viertel ist das einwohnerstärkste der Loberstadt. Als gute Seele des Nachbarschaftstreffs Amselnest weiß Heidrun Dathe aber von Problemen, die Besucher diskutieren. „Einige der Älteren finden, dass manche Stellen nicht gut ausgeleuchtet sind. Es kommt dann vor, dass in der Dunkelheit Radfahrer Hundeleinen übersehen“, erzählt sie. „Und ein allgemeiner Arzt im Stadtteil wäre vielleicht gut. Kinderarzt, Zahnarzt, Apotheke sind vorhanden.“

Farbe und Tristesse

Beim Rundgang fallen viele fantasievolle Farbgestaltungen und Wandbilder an sanierten Blöcken auf. Orange und blaue Federn flattern über die Fassade der Häuser gegenüber dem Amselnest. Immer wieder in der Kritik ist dagegen der unsanierte Gebäudekomplex an der Straße der Jugend, der zu DDR-Zeiten als Einkaufs- und Dienstleistungsstandort konzipiert war. An der Rückfront des ht-Marktes, der ehemaligen Konsumkaufhalle, wo heute preiswerte Mode und Kurzwaren verkauft werden, laufen gerade Reparaturarbeiten. Der Inhaber will aber im Objekt ein Restaurant einrichten. „Ein Delitzscher Architekt arbeitet am Entwurf. Wir brauchen die Baugenehmigung“, erklärt er am Telefon. Eine Gestaltung des Umfeldes beabsichtige er jedoch nicht.

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Liebenswertes in Delitzsch Nord Quelle: Heike Liesaus

Sanierungen und Schwimmbad

Massiv umgebaut wurde in den vergangenen Monaten am Kaufland. An der Änderung des Bebauungsplanes „Sondergebiet Sachsenstraße“, bei dem vor allem das Fachmarktzentrum nebenan eingezogen ist, wird nach wie vor gearbeitet. Unübersehbar wird in Sachen Internet aufgerüstet. 2000 Haushalte sollen von den Glasfaserverlegungen profitieren können. Saniert präsentieren sich die Erasmus-Schmidt-Oberschule, die Grundschule am Rosenweg. Die Regenbogen-Kita wird gerade erweitert, die einstige Westschule zum Hort Loberaue umgebaut. Auch das neue Schwimmbad soll im Delitzscher Norden entstehen.

Angenehmes Leben

Sylvia Kienast will jedenfalls nicht aus dem Viertel weg. Die Mittdreißigerin fand das Leben im Plattenbau „ganz angenehm“, wohnt aber jetzt in einer Altbauwohnung. Nach Ost oder Mitte wollte sie jedenfalls nicht. „Für die Älteren gibt es Angebote. Auch der YOZ-Jugendtreff ist da. Aber ältere Jugendliche finden hier vielleicht weniger Stellen, an denen sie sich treffen können“, überlegt sie.

Senioren tanzen, Jugend chillt

Die Älteren treffen sich zum Beispiel jeden dritten Freitag im Monat zum Tanz für Junggebliebene im Kultur- und Freizeitzentrum „Mittendrin“ am Kosebruchweg. Karl-Heinz Keil, 73, kommt öfter her. „Ich wohne erst seit dem Sommer in Delitzsch. Ich bin aus Bitterfeld in die Nähe von Freunden gezogen. Es gefällt mir. Schön, dass es hier so einen Treffpunkt gibt.“ Auch Christel Haalweg wohnt selbst nicht im Norden. „Aber ich bin öfter da, weil hier meine Enkelkinder in die Grundschule gehen. Hier ist im Soziokulturellen Zentrum immer etwas los. In Benndorf haben wird da nichts außer Osterfeuer“, sagt die 76-Jährige.

„Hier gibt es eigentlich alles“, so auch der 16-jährige Nico, der unterwegs zum YOZ, dem Jugendzentrum an der Sachsenstraße, ist. Das sieht Samanta, 15, ähnlich. Sie hat früher auf dem Land gewohnt: „Das war schon ok, aber es war schwieriger, Freunde zu treffen.“ Was haben die beiden im YOZ vor? „Chillen.“

Von Heike Liesaus