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Delitzsch Delitzsch feiert sein Peter&Paul
Region Delitzsch Delitzsch feiert sein Peter&Paul
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14:53 30.06.2019
 Historische Schützen hüllen das Rathaus in Pulverdampf.   Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Rummel, Trubel, Historisches und Schlager. Das Stadtfest in Delitzsch hat am Wochenende trotz Hitze wieder Tausende ins Zentrum der Loberstadt gelockt. Das Organisationsteam, bestehend aus Stadtverwaltung, Platzbetreibern, Freunden, Schaustellern und der Peter&Paul GmbH feierte ein kleines Jubiläum, ging 2019 in die 10. Runde der neuen Betreiberschaft für das schon 1990 ins Leben gerufene Fest.

Delitzscher Fest ist eines der größten

Dabei hat sich das Delitzscher Stadtfest nach Veranstalterangaben in diesem vergangenen Jahrzehnt zu einem der größten in Mitteldeutschland entwickelt: „Mit bis zu 40 000 Besuchern am Wochenende und über 35 Prozent Gästen aus dem Umland ist das Fest ein Besuchermagnet weit über die Grenzen Sachsens hinaus“, betont Sebastian Krabbes von der federführenden GmbH. Ein Wochenende lang wird dafür der Bogen vom Mittelalterkonzert bis zur Schlagerparty gespannt, vereinen sich Tradition und Moderne, treffen Historiendarsteller auf Partyfreunde.

Delitzsch feiert mit Zigtausenden Gästen das Stadtfest Peter&Paul. Historische Gruppen, Scharmützel, Markttreiben, Konzerte auf sechs Bühnen und Rummel bestimmten das Geschehen an diesem heißen Wochenende.

Festumzug sucht Verstärkung

Einer der traditionellen Höhepunkte ist der Festumzug, der mit rund 1000 Teilnehmern als einer der größten in Mitteldeutschland gilt. Wegen der Hitze waren beim diesjährigen Umzug Pferde und andere Tiere allerdings nicht dabei. Etliche Schaulustige säumten die Straßen dennoch, insgesamt schienen es bei über 30 Grad Celsius aber genau wie bei den historischen Schlachten weniger Zuschauer als sonst – für viele Delitzscher ist und bleibt der Festumzug aber ein Muss. Immer wieder wird Kritik laut, dass auch der Festumzug genau wie das Fest selbst immer moderner und weniger historisch wird. „Es sind noch genug Bilder zu besetzen, um den historischen Zug weiter zu verstärken“, sagt Bärbel Felgner, die den städtischen und historischen Part organisiert und sich über mehr Teilnehmer im historischen Gewand ebenfalls freuen würde. So sei zum Beispiel das Zeitalter der Pest in Delitzsch noch darzustellen und einiges mehr aus der Stadtgeschichte einen Part beim Umzug wert.

Viel Programm für Kinder

So wie der Festumzug und die Schlachten Tradition haben, etablieren sich nach und nach auch neue Höhepunkte. Nachdem die Kinder- und Familienmeile die letzten Jahre so gut angenommen wurde, wurde auch dieses Jahr wieder vor allem der Schlossgraben zu einem mittelalterlichen Abenteuerplatz mit Rummel. Dagegen mussten die Historienschlacht zur Wallgrabenüberquerung an der Leipziger Straße und auch die sportlich-spaßige Wallgrabenregatta nahe dem Tennisplatz aufgrund der Sanierungsarbeiten ausfallen – auf eine Wiederauflage 2020 wird gehofft, da allerdings ist genau jener Abschnitt zur Sanierung dran, auf dem die Regatta stattfindet.

Frischer Wind mit „Fest im Fest“

Ein frischer Wind wehte dieses Jahr über den Kirchplatz vor der Altstadtkneipe No2., wo mit den beiden Herren von Working Class24/7 Entertainment ein neues Team aus Delitzschern den Platz zu einem kleinen „Fest im Fest“ aufwertete. Zunächst war das ein Testlauf, stimmt die Bilanz, könnte es 2020 ebenfalls eine Wiederholung geben. Zudem haben die Veranstalter schon andere Projekte für Delitzsch im Kopf.

Stadtfest-Splitter

Benannt ist das beliebte Fest nach dem Peter-und-Paul-Tag am 29. Juni. An diesem Tag haben die Delitzscher im Mittelalter Ablässe erworben, also für den Erlass ihrer Sünden gezahlt. Später wurde aus diesem Anlass auch kräftig gefeiert.

Viel Arbeit bedeutet das Stadtfest traditionell auch für die Ehrenamtlichen. So kümmerte sich das DRK mit seinem Team unter anderem darum, dass die Teilnehmer des Umzugs ausreichend mit Getränken versorgt wurden. Die Feuerwehr sicherte Aktionen wie Fackelumzug, den Festumzug und die Schlachten ab. Die Profis vom Rettungsdienst hatten wie jedes Jahr einiges zu tun, gerade weil manchem der Alkohol doch arg zu Kopf stieg.

Ohne Historie kein Peter&Paul: Salutschüsse hier, Appell dort, Scharmützel und natürlich der Festumzug – viel Arbeit und viele Kilometer vor und hinter den Kulissen stecken in den Knochen der historischen Akteure, dabei tragen Landsknechte und Co. kiloschwere Ausrüstung, Musketen und Piken, sie ziehen Kanonen und Wagen. Und jeder weiß: Sie sind es, die für das besondere Flair sorgen.

Für Diskussionen sorgten zum wiederholten Male die Absperrmaßnahmen. Die erhöhten Sicherheitsauflagen verlangen nach nicht durchfahrbaren Sperren. So blieben den teilweise erzürnten Altstadtbewohnern statt der üblichen nur noch zwei Ein- und Ausfahrten.

In Sachen Lautstärke und Manpower konkurrieren konnten zum großen Festumzug einige Vereine mit Lautsprecherboxen auf den Wagen. Die Sportler von GSVE und NHV rückten gleich mal mit Lkw an.

Der Festumzug war für Sabine Eichberg eine Premiere. Die Dozentin und Assistentin der Leitung an der Theaterakademie Sachsen moderierte vom Rathausbalkon aus, während die Gruppen unten am Marktplatz entlang flanierten.

Die historischen Gewänder, die man beim Festumzug an Stadtmitarbeitern wie Organisatorin Bärbel Felgner bestaunen konnte, werden seit 1990 beim historischen Kostümverleih Schilling besorgt, der heute seinen Sitz in Bad Düben hat.

Das exotischste Essen hatte sicher Rainer Meyer an seinem Stand zu bieten: Insekten frittiert oder karamelisiert waren da zu kosten.

Das schärfste Essen bot Björn Seifert an seinem Curry-Wurst-Stand. “Wir können bis 3 Millionen Scoville“, erklärte er. Das ist 60 mal schärfer als Tabasco. Es war aber nur Teilnehmern des ersten Curry-Wurst-Wettbewerbs vorbehalten.

Nach den Trubeltagen wird Bilanz gezogen und schon das nächste Fest vorbereitet. Die Termine der nächsten Feste stehen schon: 2020: 03. bis 5. Juli; 2021: 2. bis 4. Juli; 2022: 1. bis 3. Juli; 2023: 30. Juni bis 2. Juli; 2024: 28. bis 30. Juni; 2025: 27. bis 29. Juni.

Ansonsten herrschte nun seit Freitagabend in der Stadt Festivalatmosphäre zwischen fast zehn Bühnen, auf denen lokale Bands genauso vertreten waren wie Stargast Jürgen Drews am Samstagabend. Der größte Trubel herrschte auf den Schlosswiesen, auch viele Gäste von außerhalb tummelten sich dort. Vor allem Michelle kam dort am Samstagabend mit ihrer nahbaren Art gut an, die Sängerin holte einige Kinder auf die Bühne und erfüllte geduldig und freundlich Fotowünsche ihrer Fans.

Von Christine Jacob und Heike Liesaus

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