Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Delitzscher Barockschloss zeigt historische Zeitmesser
Region Delitzsch Delitzscher Barockschloss zeigt historische Zeitmesser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 28.06.2019
Auch Wecker haben in Delitzsch schon auf eine lange Geschichte zu verweisen, zeigt Museumschef Jürgen Geisler an der entsprechenden Vitrine. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Wie haben die alten Delitzscher wohl früher die Zeit gemessen? Heute wird aufs Handy oder die Uhr am Arm geguckt, die noch dazu batteriebetrieben ist, gibt es Zeitmesser überall. Dass das mal anders war, ist in der neuen Sonderausstellung im Barockschloss gut nachzuvollziehen. Dabei sind dort an die Hundert Uhren der verschiedensten Art zu bestaunen.

Reiche Sammlung

Und es war an der Zeit, dass ausgerechnet diese Stücke aus dem Depot ans Licht kamen: „Das Museum besitzt eine recht umfangreiche Uhrensammlung“, erklärte Leiter Jürgen Geisler. Deren Grundstock wurde bereits in den 50er-Jahren gelegt. Otto Scherell, in Delitzsch geboren, aufgewachsen und verheiratet, war als Möbelhersteller in Nordhausen zu Vermögen gekommen. Er hat sein Geld für Kunst und unter anderem auch alte Uhren ausgegeben. Das Konvolut der Zeitmesser vermachte er seiner Heimatstadt. Im Laufe der Zeit kamen weitere Stücke dazu. Die Ausstellung wird zudem von Leihgaben abgerundet.

Im Delitzscher Barockschloss werden Zeitmesser der verschiedensten Art in einer Sonderausstellung gezeigt.

Mit der Sonnenuhr auf Reisen

Eine der ersten Möglichkeiten Zeit zu messen, bot die Sonne. „Am Ende ist dazu nur ein Stock nötig, der in die Erde gerammt wird“, stellte Geisler fest. „Dieses Wissen ist 3000 Jahre alt.“ Doch wer kennt schon Sonnenuhren im Taschenformat? Der 1795 in Delitzsch geborene Zoologe, Mikrobiologe, Ökologe und Geologe Johann Gottfried Ehrenberg benutzte eine auf seinen Forschungsreisen. In der Schau ist das filigrane, kunstvoll gearbeitete Gerät neben anderen zu sehen. Mag sein, dass es damals schon mechanische Taschenuhren gab. „Aber im Gegensatz zur Sonne waren sie teuer und ungenau“, stellte Jürgen Geisler fest. Entdeckerfreude gab’s bei den Vorbereitungen: „Wir haben richtige Beschreibungen dazu gefunden.“ Für heutiges Verständnis lesbar gemacht, ist die Bedienungsanleitung auf einem Plakat nebenan zu sehen.

Nachtwächter orientierten sich am Füllstand brennender Öllampen, wie die Stunden vergingen. Sanduhrbatterien, sogenannte Kanzeluhren zeigten rieselnd die Zeit bei Predigten an. Selbst mit Hilfe des Wassers, das langsam aus einem Behälter tröpfelte, konnte Zeit gemessen werden. Die Nachbildung eines Originals aus China verdeutlicht, dass Zeitmesser nicht allein auf dem europäischen Kontinent entwickelt wurden.

Zu schwer zum Wegwerfen

Delitzsch hatte bereits seit 1396 eine mechanische Turmuhr. Mindestens. Denn im Dokument, das den ersten Nachweis erbringt, geht es bereits um eine Reparatur. Auf alle Fälle war damit etwas sehr Fortschrittliches verbunden. „Es zeigte den Selbstwert und den Status, den sich die Delitzscher zuschrieben“, so Geisler. Die schmiedeeiserne Mechanik solch einer alten Kirchturmuhr steht gleich am Eingang. Sie stammt aus der Freirodaer Kirche. Die hatte das Museum schon zu Zeiten gekauft, als Freiroda für den Tagebau abgerissen werden sollte, ist vom Museumschef zu hören: „Aber sie hatten damals bereits eine neue Uhr, die alte Mechanik jedoch war nur zu schwer zum Wegwerfen.“

Am Stadtfest-Freitag, dem 28. Juni, ist das Museum von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Sonnabend und Sonntag ist nur von 10 bis 14 Uhr offen, ab Montag wieder zu gewohnten Zeiten. Am 7. und 21. Juli sowie und 20. Oktober ab 11 Uhr gibt es Familienführungen zur Sonderausstellung. Anmeldung unter Telefon: 034202 67208, E-Mail barockschloss@delitzsch.de, online www.barockschloss-delitzsch.de.

Von Heike Liesaus

Neue Aufgabe: Der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner ist nun auch Fraktionschef der CDU im Kreistag Nordsachsen.

27.06.2019

Am Wochenende steigt das Peter&Paul-Fest in Delitzsch. Zu dem Stadtfest werden zehntausende Besucher erwartet, dabei schwankt die Kulisse zwischen Historie und Moderne – auf beide Seiten blickt die LVZ vor Festbeginn.

27.06.2019

In den frühen Morgenstunden waren Schkeuditz und Orte aus der Region Delitzsch ohne Strom. Mittlerweile fließt er wieder. Nur ein Unternehmen kann die Produktion noch nicht wieder aufnehmen.

27.06.2019