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Delitzsch Delitzscher Gärten helfen der Tafel
Region Delitzsch Delitzscher Gärten helfen der Tafel
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07:00 21.06.2018
Lutz Wenske und Michael Herrmann mit der reichen Ernte des Tafelgartens
Lutz Wenske und Michael Herrmann mit der reichen Ernte des Tafelgartens Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

Lutz Wenske und Michael Herrmann knien sich wirklich in ihre Arbeit rein. Die Hände sind staubig, unter den Fingernägeln hat sich Erde abgesetzt, beständig zieht Michael Herrmann die kleine Gartenkralle durch den Boden, Lutz Wenske füllt Gießkannen wieder auf. Die Männer wirken zufrieden. Sie sind 2 von 18 Tafelgärtnern, die gerade in 6 Gartenanlagen in und um Delitzsch in einer Arbeitsgelegenheit nicht nur eine Perspektive als Langzeitarbeitslose erleben, sondern Gutes tun.

Perspektive für Langzeitarbeitslose

Was sie ernten, geht direkt an die Delitzscher Tafel und kommt sozial schwachen Menschen zugute. „Die Arbeit macht Spaß, man tut etwas sinnvolles“, sagt Michael Herrmann. Vom Zaunbau bis zum Baggerfahren hat der 58-Jährige diverse Berufserfahrung gesammelt, dann kam die Langzeitarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit. Die Arbeitsgelegenheit in der Kleingartenanlage „Zur Erholung“ an der Eilenburger Chaussee ist eine Wiedereinstiegsmöglichkeit. Endlich wieder ein geregelter Alltag, vor allem ein Alltag mit einer Aufgabe. Das zweite Jahr sind Lutz Wenske und Michael Herrmann in diesem Garten und stolz auf das Geschaffene, ein dritter Kollege ist 2018 dazu gekommen – gemeinsam bewirtschaften sie 500 Quadratmeter. Die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) initiierte mit dem Kreisverband der Kleingärtner und der Tafel das Projekt. Erst kürzlich sei eine unangemeldete Überprüfung durch das Jobcenter erfolgt, berichtet Bernd Richter von der FAW und ist stolz: „Man war zufrieden mit dem Ergebnis.“

Gute Ernte für guten Zweck

Das kann man auch sein. An diesem Vormittag allein haben Michael Herrmann und seine 2 Kollegen schon fast 20 Kilo Zucchini und fast genauso viele Johannisbeeren geerntet. Die Beete sind gegossen, der Garten ist gepflegt. Davon sei er Anfang 2017 noch weit entfernt gewesen, berichtet Jörg Sachse, der Vorsitzende der Erholungs-Kleingärtner. „Ich kriege jedes Mal einen kleinen Herzinfarkt, weil der Garten jetzt so schön aussieht“, sagt er. Der Garten stand jahrelang leer, das Unkraut dafür umso höher. Für den Verein ergebe sich mit so einem gut hergerichteten Garten die Chance, diesen wieder verpachten zu können, sobald die Jobcenter-Maßnahme abgeschlossen ist. Das sei auch gut für den Kreisverband der Kleingärtner, betont Anke Reisdorf, stellvertretende Vorsitzende. „Ohne die 1-Euro-Jobber könnten viele Vereine ihren Leerstand nicht bewältigen, auch uns als Verband wird mit den Arbeitsgelegenheiten eine große Chance geboten.“ Allerdings bedauert sie, dass das Jobcenter aus haushalterischen Gründen letztlich nicht so eine umfangreiche Maßnahme wie gewünscht genehmigen konnte. „Wir hätten gerne mindestens noch 28 Teilnehmer mehr gehabt“, so Anke Reisdorf, „das Ergebnis ist, dass wir letztlich zehn Anlagen nicht bedienen konnten, die auch gerne teilgenommen hätten.“

So bleibt am Ende auch weniger für die Delitzscher Tafel, deren Fortbestand mit der Suche nach einem neuen Objekt momentan ohnehin auf der Kippe zu stehen droht. Die Immobilie, die die Delitzscher Tafel seit elf Jahren in der Leipziger Straße nutzt, steht zum Verkauf.

Von Christine Jacob