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Delitzsch Delitzscher Zooteam zieht Küken von Hand auf
Region Delitzsch Delitzscher Zooteam zieht Küken von Hand auf
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06:00 10.08.2017
Gehen ihren Weg gemeinsam: Das kleine Perlhuhn folgt dem deutlich größeren Kronenkranich. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Eines macht die Delitzscher Tiergartenleiterin Julia Gottschlich momentan ständig: Nach den lieben Kleinen sehen und ihre Handtücher waschen. Damit ist ein Käfig im nicht öffentlich zugänglichen Teil des Tiergartens ausgelegt, wo derzeit ein kleiner Kronenkranich und ein kleines Perlhuhn aufgepäppelt werden. Der Boden wird dank der Tücher für die beiden Handaufzuchten weicher, die Kleinen können darauf gemütlich umherwatscheln – stubenrein sind sie freilich nicht.

Kleine Küken, große Sorgen

Die Wärmelampe im kleinen Hinterraum ist immer an, oft schaut Julia Gottschlich nach den Kleinen. Der Mini-Kronenkranich, der mal bis zu 120 Zentimeter groß werden soll, ist eines von vier Küken, die in diesem Sommer geschlüpft sind. Nachdem vergangenes Jahr das erste Mal im Tiergarten die Nachzucht der seltenen Südafrika-Kronenkraniche zumindest mit einem Küken gelang, gab es diesmal sogar vier Eier. Eines allerdings war – warum auch immer – später dran als die Geschwistereier. Während sich die Eltern gut um die drei anderen vor wenigen Wochen geschlüpften Küken kümmern und sehr viel entspannter an die Sache gehen als noch 2016, wurde das vierte Ei vernachlässigt. „Wir haben feststellen müssen, dass das Ei kalt ist“, berichtet Julia Gottschlich, „aber wir haben ein leises Piepen gehört.“ Kurzerhand ging es für das Ei in eine Brutmaschine und schließlich doch noch zum Schlupf.

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Neue „Freigänger“ im Tiergarten

Und auch das kleine Perlhuhn, das später nicht halb so groß wie der Kranich sein wird, ist ein Nachzügler. Der Tiergarten will so wie auch Pfauen im Vogelparadies Tiergarten mit nun 20 gefiederten Arten frei umherlaufen lassen und eine richtige Gruppe freilaufender Perlhühner etablieren. Eigens hat Julia Gottschlich dafür Eier besorgt. Von vieren war wiederum eins ein Nachzügler und wurde in der Brutmaschine mit dem Kronenkranich-Küken ausgebrütet, beide schlüpften fast zeitgleich. Das Ergebnis sind zwei Vögelchen wie ein ungleiches Geschwisterpaar: Der schon jetzt mit seinen etwa 35 Zentimetern deutlich größere Kronenkranich und das kleine Perlhuhn tschilpen und tippeln fröhlich um die Wette. „Das Gute ist, dass beide Arten Nestflüchter sind“, schildert Julia Gottschlich. Das Füttern mit der Pipette ist bei dieser Art Handaufzucht nicht nötig. Handaufzucht steht eher für das gelegentliche Reichen der Hand, damit sich die Kleinen sicherer fühlen. Einmal gezeigt, finden die beiden Würmer und anderes Futter in der Schale inzwischen selbst. Viel Betreuung brauchen die beiden trotzdem: „Wir müssen vor allem dafür Sorge tragen, dass sich der Kranich auch als Kranich begreift und nicht zu sehr auf den Menschen geprägt wird“, schildert die Tiergartenleiterin. Um das Perlhuhn dagegen muss man sich weniger Sorgen machen.

Kindergarten entsteht

Schritt für Schritt werden die Käfige für die beiden Handaufzuchten vergrößert, um das Laufen zu trainieren. Bald soll es raus aus dem dunklen Raum und raus in die echte Welt gehen. Zunächst gibt es Lauftraining auf einer Wiese hinter den Zookulissen, dort werden die Kleinen lernen, das Würmchen nicht immer in einer Schale serviert werden, sondern man sich die selbst im Boden suchen kann. „Wir werden einen richtigen kleinen Laufstall einrichten“, sagt die Tiergartenchefin. Später dann soll es vermutlich eine Art Kindergarten geben, den auch die Besucher in Augenschein nehmen können und bei dem der kleine Kronenkranich Kontakt zu seinen Geschwistern aufnimmt.

Nachwuchs gibt es übrigens in vielen Gehegen von Alpaka bis Zwergziege zu sehen. Nicht nur in der Vogelwelt klappt es nicht immer reibungslos: Die kleine Zicke Frieda, eine von neun vor wenigen Wochen geborenen, wurde von den Eltern verstoßen und wird per Hand aufgezogen.

Von Christine Jacob