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Delitzsch Delitzscher kreiert Sicherung gegen elektronischen Diebstahl
Region Delitzsch Delitzscher kreiert Sicherung gegen elektronischen Diebstahl
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10:00 18.11.2018
Sebastian Herz aus Delitzsch entwickelt und vertreibt Schutz-Systeme für Geldkarten. Quelle: privat
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Delitzsch

Im vorigen Jahr um diese Zeit war über die Reise von Singapur nach Sachsen zu berichten: 38322 Kilometer mit Motorrad, Spendensammelaktion und Freundin. Und was macht der Delitzscher Sebastian Herz jetzt?

Diebstahlschutz für die Hosentasche

Er propagiert „Freiheit für die Hosentasche“ und entwickelt Diebstahlschutz im Miniformat. Wenn es damals darum ging, möglichst viel Equipment platzsparend und sicher auf dem Bike unterzubringen, geht es ihm heute um Geld und Daten in der Tasche. „Immer mehr Bankkarten, Personalausweise, Reisepässe, Versichertenkarten haben die kleinen Chips, mit denen kontaktlos, einfach durch Anhalten, also ohne PIN oder Unterschrift bezahlt beziehungsweise Daten ausgetauscht werden können“, erklärt der 33-Jährige. „Die Karte wird aufgelegt und schon ist bezahlt.“ Es geht aber auch ohne den direkten Kontakt. Und weil sich das Langfinger zunutze machen, entwickelte er seine Geschäftsidee.

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Falsche Identität

„Zwar können die PIN-Nummer und die Verifizierungsnummer auf der Rückseite einer Kreditkarte nicht ausgelesen werden, aber auch mit der auslesbaren Kartennummer und Ablaufdatum lässt sich einiges anstellen“, so der Delitzscher. Er hat es mal für sich selbst getestet: Es gibt Internetseiten, auf denen man sich eine falsche Identität generieren lassen kann. Ein Kundenkonto mit dieser falschen Identität lässt sich bei Amazon in den USA oder anderen Onlineshops anlegen und mit der ausgelesenen Bankkartennummer eine Bestellung auslösen. Um anonym zu bleiben, ließe sich zum Beispiel die Anlieferungsadresse gegenüber eines McDonalds angeben. „Dann braucht man nur noch warten und die Ware entgegennehmen, wenn der Postbote vorfährt. Einen Ausweis der falschen Identität lässt sich zum Beispiel mit Photoshop erstellen. Ich hätte nur noch auf Bestellen klicken müssen“, stellt er fest. Natürlich wollte er das nicht, sondern davor schützen.

Schutz der Sendesysteme

Es gibt bereits Portemonnaies mit integriertem RFID-Schutz, heißt: des Schutzes der berührungslosen Sender-Empfänger-Systeme. Aber Sebastian Herz mag kleine Geldbörsen, unauffällig im Scheckkartenformat, sogenannte Slim Wallets. Er hat auch schon Kartenhüllen hergestellt. Aber so richtig zufrieden war er mit diesen Lösungen noch nicht. Als Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik wollte er einfach nachrüstbaren Schutz: Eine Karte im Bankkartenformat, die vor Lesegeräten einfach ein stärkeres Signal erzeugt, das die der anderen Karten überlagert und somit „unkenntlich“ macht. Sie muss dazu einfach neben die anderen Karten ins Portemonnaie gesteckt werden. „Die Schutzhülle verkauft sich gut, ist aber nicht mehr neuester Stand der Technik. Sie ist umständlicher“, erklärt Sebastian Herz.

Kriminelle Nutzung legaler Apps

Meistens überzeugt der Vorführeffekt mit einer kostenlosen und für jedermann frei verfügbaren App auf dem eigenen Handy die Interessenten. Solche werden ja auch fürs legale Bezahlen benutzt. Aber es gibt natürlich stärkere Lesegeräte, mit denen versteckt und unbemerkt Daten zum Beispiel in der Warteschlange oder auf der Rolltreppe ausgelesen werden können.

Das war im vorigen Jahr: Yuliya Blinova und Sebastian Herz bei ihrer 38000-Kilometer-Tour durch Asien. Quelle: privat

Die Sache mit dem Äffchen

„Makaka on the run“, haben Sebastian Herz und seine Freundin Yuliya Blinova das Label getauft. Denn seine Freundin nennt ihn gern „Makaka“. Inzwischen sind die Sachen schon in einigen Leipziger Läden und auch in der Loberstadt zu haben, erklärt der Elektro-Ingenieur. „Ich bin auch im Gespräch mit größeren Ketten.“ Produziert wird in Asien und der EU, aber wenn schon die Elektronik in der Region nicht wirtschaftlich herstellbar ist, dann sollen zukünftig aber Stoff- und Leder-Näharbeiten der Slim-Geldbörsen in der Delitzscher Umgebung vonstatten gehen. Auch an Holz-Kartenetuis aus dem Erzgebirge wird gedacht.

Hilfs-Aktion läuft weiter

Das Paar hat bei der Reise vor einem Jahr auch Spenden für die Aktion „Kinder in Not“ gesammelt. „Das wollen wir weiter machen. Das liegt uns am Herzen. Uns geht es gut, wir haben die Möglichkeiten. Wir wollen etwas zurückgeben“, sagt der 33-Jährige. Auf fast jedem Portemonnaie ist ein kleiner Spendenaufruf drauf.

Von Heike Liesaus