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Delitzsch Die Macherin des Peter&Paul in Delitzsch
Region Delitzsch Die Macherin des Peter&Paul in Delitzsch
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14:04 27.06.2019
Bärbel Felgner schlüpft zum Stadtfest selbst ins Kostüm einer wohlhabenden Renaissance-Ratsfrau Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Gästeführerin bei Kräuterwanderungen, Kartenverkauf in der Tourist-Info, Gleichstellungsbeauftragte und „Miss Peter & Paul“: Bärbel Felgner kann man wohl gut und gerne als die Allzweckwaffe der Delitzscher Stadtverwaltung bezeichnen. Ohne sie nämlich auch kein Stadtfest, ohne sie kein historischer Zauber rund um Rummel und Schlosswiesen-Schlagerparty.

Dass es mal so kommen würde, war nicht absehbar, als die heute 54-Jährige im Mai 1989 in der Stadtverwaltung im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen anfing. Mittlerweile aber ist sie seit 23 Jahren ein fester Bestandteil des Stadtfestes und seit zwölf Jahren die Leiterin des Arbeitskreises, bei der alle Fäden zwischen dem städtischen und historischen Part sowie der privaten Veranstalter zusammenlaufen. „Ich habe einen Faible für alte Sachen“, schmunzelt die Delitzscherin, „und ich bin in meine Aufgabe reingewachsen.“

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Die Aufgabe heißt: Nach dem Fest ist vor dem Fest. Kaum ist das Stadtfest Peter & Paul – gefeiert rund um den Peter-und-Paul-Tag am 29. Juni – vorbei, denkt Bärbel Felgner eigentlich schon an das nächste Fest. Bis Ende des Jahres muss die Grobplanung stehen, gleich im Januar tagt der Arbeitskreis und die Organisation läuft auf Hochtouren. Ausschreibungen müssen raus, Künstler und Händler gefunden und gebucht werden, Stellplätze sind zu vergeben, der Festumzug muss stimmig gestaltet werden und der Kontakt zur Moderne ist nicht zu vergessen. Kein Arbeitstag im vergangenen halben Jahr, bei dem Bärbel Felgner nicht mit dem Stadtfest zu tun hatte. Und privat besucht sie so manch anderes Fest, um zu schauen, was die anderen vielleicht anders machen. Dabei gilt das Peter & Paul in Delitzsch gerade wegen seines Bezugs auf vergangene Zeiten als einzigartig. Seit 2010 gliedert es sich in den städtischen und zumeist historischen Part und den modernen Part der Veranstaltungs GmbH. Das Organisationsteam, bestehend aus Stadtverwaltung, Platzbetreibern, Freunden, Schaustellern und der GmbH, geht in die 10. Runde. Ein kommunales Budget von 32 000 Euro hat Bärbel Felgner für den gesamten historischen Teil, allein der Mittelaltermarkt mit Kulturprogramm schlägt schon mit 19 000 Euro zu Buche. Um den Rest des Spektakels kümmert sich die GmbH, holte in den vergangenen Jahren unter anderem schon Mickie Krause, DJ Ötzi, Die Atzen, Jürgen Milski und andere Stars und Sternchen für Auftritte nach Delitzsch. Eine Mischung aus Mallorca-Ballermann, Musketen und Mittelalter macht heute das Stadtfest aus.

Mittendrin statt nur dabei

Termine der nächsten Jahre

2020: 03. bis 5. Juli

2021: 2. bis 4. Juli

2022: 1. bis 3. Juli

2023: 30. Juni bis 2. Juli

2024: 28. bis 30. Juni

2025: 27. bis 29. Juni

Bärbel Felgner wird am Wochenende wieder im historischen Kostüm selbst mitmachen. Sie muss präsent bleiben für Fragen, Sorgen und Nöte aller Beteiligten, will den historischen Teil zugleich verstärken, wenn sie als Dame der Renaissance durch die Straßen schreitet. Bei einigen historischen Darstellungen ist Bärbel Felgner so mit dabei, denn präsent sein muss sie so oder so. „Ich finde das besser, als in meinen privaten Klamotten unterwegs zu sein, so hat das auch gleich Flair“, erzählt sie, „ich habe mir aber extra eine abkömmliche Rolle gesucht, damit ich schnell mal verschwinden kann, wenn es irgendwo brennt.“ Früher waren ihre beiden Kinder fast zwangsverpflichtet mitzumachen: „Sonst hätte ich sie ja das ganze Wochenende nicht gesehen“, lacht die 54-Jährige. Ihre Tochter macht heute noch mit und auch ihr Mann wirbelt hinter den Kulissen, unterstützt zum Beispiel beim Festumzug.

Abschalten erst am Sonntag

Eines ist klar bei Bärbel Felgner: Punkt 14 Uhr setzt sich dieser Festumzug, der mit rund 1000 Teilnehmern als einer der größten in Mitteldeutschland gilt, in Bewegung. Und das klappt auch. Oft genug aber träumt die Organisatorin vom Umzug. „Ich träume dann, dass keiner da ist oder keiner Kostüme hat oder sonst irgendwie irgendwas schiefgeht“, berichtet Bärbel Felgner. Wahr geworden ist bislang noch keiner dieser Träume, was sie organisiert hat Hand und Fuß.

Was steckt hinter Peter&Paul?

Benannt ist das beliebte Fest nach dem Peter-und-Paul-Tag am 29. Juni. An diesem Tag haben die Delitzscher im Mittelalter Ablässe erworben, also für den Erlass ihrer Sünden gezahlt. Später wurde aus diesem Anlass auch kräftig gefeiert. Heute werden keine Ablässe mehr erworben, doch zeitlich richtet man sich noch immer nach dem kirchlichen Feiertag und begeht das Fest am Wochenende nach dem 29. Juni.

Im Februar 1990 wurde der Beschluss gefasst, dass vom 29. bis 30. Juni 1990 der Peter & Paul-Markt stattfindet. Seitdem wurde das Fest allmählich von Jahr zu Jahr größer. Seit 2010 ist die Veranstaltungs GmbH für die Betreibung aller Veranstaltungsplätze außer dem Markt verantwortlich und agiert unter dem Motto „Delitzscher für Delitzsch“ mit zehntausenden Besuchern.

Der historische Teil hat vor allem den Dreißigjährigen Krieg im Blick. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ auch in der Stadt Delitzsch seine fatalen Spuren. Verheerend hatten die Schweden 1638 die Neustadt zerstört, die seit dem 15. Jahrhundert mühsam als Stadterweiterung aufgebaut worden war. Der alte Stadtkern konnte der Sage nach dagegen nur bewahrt werden, weil eine entschlossene junge Frau, die Türmerstochter Maria Neander, kräftig in die Trompete blies, um die Bürger vor den herannahenden Reitern zu warnen und sie an die Waffen zu zwingen – so spielt die Türmerstochter an allen Stadtfesttagen eine tragende Rolle.

Auf den Wiesen hinter dem Delitzscher Barockschloss lagern während des Stadtfestes historische Truppen. Mehrere hundert Soldaten verbringen hier drei Tage und Nächte im Feldlager, das auch von den Festgästen besucht werden kann.

„Das Handy habe ich immer an der Frau“, erzählt die Stadtfestmacherin. Da ruft dann auch mal die Polizei mitten in der Nacht an, da Bärbel Felgner sich gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen auch den Bereitschaftsdienst der Stadtverwaltung aufteilt. Erst am Sonntagmittag ist sowas wie Abschalten angesagt. Dann erst besucht Bärbel Felgner das Fest ganz privat und für sich. Und wenn alles klappt, hat Bärbel Felgner am Montag frei und schläft erstmal aus – meist ohne Träume vom Festumzug.

Von Christine Jacob

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