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Delitzsch Ein Leben für den Fußball – Ehrenamtspreis für Manfred Otto
Region Delitzsch Ein Leben für den Fußball – Ehrenamtspreis für Manfred Otto
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12:16 27.08.2019
Ur-Krostitzer-Hallencup im Jahr 2016: Manfred Otto als Urgestein des Nordsächsischen Fußballs am Mikrofon. Quelle: Alexander Prautzsch
Delitzsch

Die allermeisten Vorstands- und Ausschussmitglieder des Nordsächsischen Fußballverbandes sind bereits über Jahrzehnte in ihren Ehrenämtern aktiv. Doch einer übertrifft sie alle bei weitem. Nur knapp zwei Jahre fehlen noch, dann ist der Delitzscher Manfred Otto ein halbes Jahrhundert buchstäblich „am Ball“. 1971 übernahm er die Leitung der BSG Traktor in seinem damaligen Heimatort Schenkenberg.

Mitte der 1970er-Jahre wurde Manfred Otto (links) Chef des Kreisfachausschusses Fußball. Quelle: lle: privat

1976 wechselte der damalige Vorsitzende des Kreisfachausschusses Fußball, zu vergleichen mit dem heutigen Präsidenten des Kreisfußballverbandes, Siegfried Döhler zum Organisationskomitee für das Leipziger Turn- und Sportfest 1977. Sein Amt an der Spitze des Fußballs im Kreis Delitzsch übernahm Manfred Otto. Gemeinsam mit Heinz Fischer, Hans Dorn, Erich Misselwitz, Werner Schreiber, Manfred Böhme und Kurt Pietzner organisierte er den Spielbetrieb der damals 26 Vereine. Oberste Priorität hatte für Manfred Otto und seine Mitstreiter dabei immer das sportlich-kollegiale Verhältnis zu den Vereinsverantwortlichen wie zum Beispiel dem Delitzscher Manfred Kießler, dem Krostitzer Kurt Fuchs, dem Zschortauer Rudolf Gehrhardt, dem Rackwitzer Rudi Gasa, dem Löbnitzer Heinz Wittig, dem Zschernitzer Georg Hackemesser, dem Glesiener Harry Rometsch oder dem Wölkauer Lothar Most. So konnten sich die Fußballchefs der größeren wie kleineren Vereine immer an den Vorstand wenden.

Auf dem kurzen Dienstweg

Probleme wurden „auf dem kurzen Dienstweg“, wie es so schön heißt, geklärt. Manfred Otto und seine Mitstreiter handelten stets nach dem Lieblingsspruch des Delitzscher Urgesteins und Staffelleiters der 1. Kreisklasse der Männer Heinz Fischer: „Wir haben es hier mit Volkssport zu tun.“

Fußball ist sein Leben: Manfred Otto (hinten, 2.v.r.) im Jahr 2011 im Stadion der Eisenbahner in Delitzsch. Ganz rechts: Heiko Wittig, damals Präsident des Nordsächsischen Fußballverbandes.. Quelle: Daniel Kaiser

Dabei waren die Bedingungen absolut nicht mit der heutigen Zeit zu vergleichen. Von Mails und Whatsapp keine Spur. Selbst Telefone waren längst nicht überall vorhanden. Rundschreiben wurden per Schreibmaschine getippt, per Ormig vervielfältigt und per Brief an die Vereine verschickt, von denen niemand im RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) Delitzsch oder LW (Leichtmetallwerk) Rackwitz arbeitete. „Die meisten aber erreichten wir über diesen Weg, denn im RAW und LW waren sehr viele Fußballer beschäftigt“, lacht Manfred Otto heute noch über die früheren Kommunikationswege.

Zwei Kreisreformen

Mit der politischen Wende verbesserten sich die Verständigungsbedingungen. Dafür dauerte es nicht lange, bis sich der Kreisfachausschussvorsitzende, der sich nun Präsident nannte, mit deutlich mehr Fußballern verständigen musste. Schon 1992, zwei Jahre vor der politischen Zusammenlegung der Kreise Delitzsch und Eilenburg, vereinigten sich die Fußballvereine der beiden Altkreise zum Fußballverband Delitzsch/Eilenburg. Dem unbürokratischen und jederzeit gesprächsbereiten Präsidenten Manfred Otto war es zu verdanken, dass sich diese „Vereinigung“ schnell und komplikationslos vollzog.

Einige Jahre später folgte der nächste Schritt. 2008 war der Landkreis Nordsachsen gebildet worden. Dieses Mal taten sich die Fußballer schwer, der Politik zu folgen. Zu groß erschien den meisten dieses Gebilde von der A­ 9 bis hinter die Elbe und bis hinter Oschatz. Doch Manfred Otto und seine Delitzscher Mitstreiter sowie die Vorstandsmitglieder des Fußballverbandes Torgau/Oschatz versuchten, das Beste daraus zu machen. Noch heute ist der Delitzscher Ex-Präsident froh, dass beide Seiten schnell zu vernünftigen Lösungen kamen. Er selbst zog sich gemeinsam mit seinem Torgauer Präsidentenkollegen Hasso Döring in die zweite Reihe zurück. Beide wurden jedoch für ihre jahrzehntelange Arbeit zum Wohle des Fußballs zu „Ehrenpräsidenten des Nordsächsischen Fußballverbandes“ ernannt.

Als Schiedsrichter eingesprungen

Aber nicht nur als Kreisfachausschussvorsitzender und späterer Präsident war Manfred Otto unzählige Stunden seiner Freizeit unterwegs. 1970 hatte er seine Schiedsrichterprüfung abgelegt und war seitdem auch bei Wind und Wetter auf den Sportplätzen unterwegs. „Die gesamte Zeit bis zur Wende waren wir kaum mal mehr als 20 Schiedsrichter im Altkreis Delitzsch“, erinnert er sich an quasi familiäre Zeiten im Schiedsrichterbereich. „Wir kannten uns alle bestens, einer konnte sich absolut auf den anderen verlassen und viele sind bis heute gut befreundet geblieben.“ Manfred Otto selbst pfiff bis zur Bezirksliga, der damals dritthöchsten Spielklasse der DDR. Noch heute ist der 72-Jährige ab und an auf dem grünen Rasen als Unparteiischer an der Seitenlinie oder bei Nachwuchsspielen anzutreffen. Meistens spielt er dann den „Feuerwehrmann“ und springt für kurzfristig verhinderte Sportfreunde ein. Schließlich laufen bei ihm seit einigen Jahren fast alle Fäden der Schiedsrichteransetzungen zusammen.

Gemeinsam mit Andreas Heinrich zeichnet Manfred Otto für die Einteilung der mittlerweile fast 150 Schiedsrichter im Nordsächsischen Fußballverband verantwortlich. Bei so vielen Leuten vergeht natürlich kein Spieltag ohne Absagen von Schiedsrichtern. „Wenn Anrufe sehr knapp vor Spielen kommen, dann ist es natürlich schwer, Ersatz zu finden“, beschreibt der Ansetzer seine wöchentlichen Probleme. Und wenn sich gar keiner findet, dann greift er zu seiner Sporttasche, die hinter der Tür immer bereit steht, und fährt selbst los.

Verständnis der Familie

Seine Ehefrau Martina hat sich daran längst gewöhnt. „Ohne ihr Verständnis wäre all das, was ich bisher für den Fußball getan habe, auf keinen Fall möglich gewesen“, sagt der Familienvater und inzwischen mehrfache Opa. „Deshalb gilt meiner Frau und meinen Kinder ein ganz besonderer Dank, dass sie mein Hobby über so viele Jahre derart großzügig unterstützt haben.“ Bedanken möchte sich der Preisträger aber auch bei seinen Mitstreitern und den Vereinsvertretern. „Ein General ist nur so gut wie seine Offiziere“, ist einer seiner Leitsprüche. „Deshalb ein herzlicher Dank an alle, mit denen ich in all den Jahren in den allermeisten Fällen prima zusammenarbeiten durfte.“

Von Heiko Wittig

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