Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch „Frau Doktor“ ist die gute Seele vom Delitzscher Becker-Schul-Club
Region Delitzsch „Frau Doktor“ ist die gute Seele vom Delitzscher Becker-Schul-Club
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 11.06.2019
Barbara Doktor ist die gute Seele des Schülercafés in der Artur-Becker-Oberschule Delitzsch. Quelle: Heike Liesaus
Delitzsch

Der Andrang ist riesig. Die Schlange reicht bis zum Eingang. Barbara Doktor hat in der Pause keine Pause, denn sie ist die gute Seele des Schulclubs der Artur-Becker-Oberschule. Jetzt sind Sandwichs, Brötchen mit gegrillten Leberkäsescheiben, Pizza-Brötchen und Eis gefragt. Es muss schnell gehen. So eine Pause dauert ja nicht ewig.

Richard und Tom aus der 9 a haben sich versorgt. Könnten sie sich die Schule ohne Club und Barbara Doktor vorstellen? „Ohne sie wäre jede Pause Horror“, sagen Richard und Tom. „Der Schulclub ist sehr wichtig für uns“, erzählen auch Laura und Leonie aus der 9 b. „Wir können hier auch Hausaufgaben machen und chillen. Auch wenn wir eine Freistunden haben, können wir hier sein.“

Keine Verlängerung

Endlich wird die Schlange kürzer. Barbara Doktor mahnt die Letzten zur Eile. „Ihr habt doch keine Zeit mehr. Die Pause ist gleich um.“ Schließlich scheucht sie noch die Jungs am Kickers raus. „Eine Minute Verlängerung“, versucht’s einer. Es nutzt nichts. Raus hier.

Jonas aus der 8 b hat geholfen, den Ansturm zu bewältigen. „Weil es mir Spaß macht“, erklärt er. Vorher hatte sein Bruder, der jetzt Landwirt lernt, den Dienst versehen. „Er kommt, wenn er zur Berufsschule geht, auch immer mal vorbei“, freut sich Barbara Doktor. Der Andrang gerade habe sich übrigens noch in Grenzen gehalten, weil ein Teil der Schüler Praktikum hat. Außerdem ist zur Mittagspause immer noch mehr los.

Platz für Schüler und Lehrer

Deutschlehrerin Heike Wünscher schaut vorbei. „Hier kann man auch mal als Lehrer ein stilles Plätzchen finden. Für die Schüler ist sie manchmal der Kummerkasten“, stellt sie fest. „Sie wollen auch einfach nur erzählen. Man sieht ihnen ja an, wenn sie traurig sind“, sagt Barbara Doktor. „Viele Kinder, die auf den Bus warten, machen gleich ihre Hausaufgaben hier. Das ist bestimmt besser, als wenn sie in der Zeit mit dem Handy spielen.“ Einen Billard-Tisch gibt es auch. In der Ecke steht sogar ein Klavier, das manchmal benutzt wird.

Sportlehrer Schmidt führt der Weg in die Halle durch den Club. „Was zu essen?“ , wird er gefragt. „Nee, muss zum Dienst, Frau Doktor.“

Schulförderverein

Die Pausenversorgung steht letztlich nicht im Vordergrund. Aber die Einnahmen kommen dem Schulförderverein zu Gute. „Sie gehen 100-prozentig an die Schüler zurück“, erklärt der Vereinsvorsitzende Marcus Gründling. Unter anderem wurden davon bereits Laptops und eine interaktive Tafel angeschafft. Es werden aber auch Schüler aus weniger begüterten Familien unterstützt, um ihnen zum Beispiel Klassenfahrten zu ermöglichen. Der Förderverein hat auch den Schulclub mit der neuen Küche eingerichtet.

Vollzeit-Engagement

Barbara Doktor kommt morgens um 5.45 Uhr. Bereitet alles vor. Zwischen den großen Pausen kauft sie ein. Der Netto-Markt ist nicht weit. Sie ist bis nachmittags da, wenn die letzten Schüler mit dem Bus weggefahren sind, und sie macht das alles ehrenamtlich. Montags und donnerstags betreut sie noch die Ganztagsangebote „Kochen“ und „Garten“. Anläufe, das Engagement der 55-Jährigen in eine Anstellung münden zu lassen, schlugen bisher fehl, bestätigt Marcus Gründling. „Ich habe es leider nicht gelernt“, sagt Barbara Doktor. Die Ausbildung als Textilfacharbeiterin passt nicht, um sie auf irgendeine Art offiziell in den Schuldienst aufzunehmen, auch wenn von allen Seiten bestätigt wird, wie wichtig sie für die Kinder ist. Aber sie hat die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. „Vielleicht gibt es noch irgendeine Lösung. Ich kann hier jedenfalls nicht fort.“

Von Heike Liesaus

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn die Brinniser Pfingstburschen auf Pfingstfahrt gehen, dann pflegen sie eine alte Tradition. Sie geht auf den Brinniser Bierkrieg vor 390 Jahren zurück.

11.06.2019

Erfolgreiche Premiere: Die Kinder- und Jugendgruppe „feste druff“ des Delitzscher Baff Theaters hat das Stück „Massenmörder Shakespeare“ aufgeführt. Herausgekommen ist ein gelungenes Stück, das nachdenklich ist, zugleich aber augenzwinkernd zum Lachen anregt.

10.06.2019

Die Kinder der DRK-Kindertageseinrichtung „Bummi“ können sich über neue Spielgeräte freuen. Zu ihrem Sommerfest konnten sie nicht nur die neue Schaukel und Rutsche ausprobieren – es gab noch eine Menge mehr zu entdecken.

10.06.2019