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Delitzsch Für Rüdiger Kleinke ist die Groko alternativlos
Region Delitzsch Für Rüdiger Kleinke ist die Groko alternativlos
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06:00 26.09.2018
Auf einen Kaffee mit Rüdiger Kleinke. Der Delitzscher Unternehmer und SPD-Ortsvereins-Chef hat sich mit einem Brief an die Parteispitze in Berlin gewandt und distanziert sich darin von der Entscheidung im Fall Hans-Georg Maaßen. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
Delitzsch

Aufregende Themen gibt es immer – und Menschen, die sich einmischen, kritisieren, etwas ändern wollen. Die LVZ nimmt sich die Zeit und hört Ihnen zu. In der Serie „Auf einen Kaffee mit“ stellen wir Sie und Ihre Themen in loser Folge vor. Wir bringen den Kaffee mit – und wollen von Ihnen hören, was Sie bewegt. Heute: Rüdiger Kleinke aus Delitzsch. Er ist Unternehmer, SPD-Stadtrat und Chef des Delitzscher Ortsvereins der SPD.

Aufgeheizte Stimmung

Auch im kleinen politischen Delitzsch brennt der Baum, besser die Palme, auf der sich auch die Genossen befinden. Und da ist es mächtig eng inzwischen. Denn einen geschassten Geheimdienstchef zum Staatssekretär zu befördern, mit mehr Gehalt, lässt sich auch in Nordsachsen nicht vermitteln. Die Welle der Entrüstung, das Ausmaß der Debatten und Proteste habe Kleinke dennoch überrascht. Das zeige, wie aufgeheizt die Stimmung in der Bevölkerung ist. Die Rolle rückwärts von Nahles und Merkel lichtet die Palmenwedel ein wenig, erhält von ihm das Prädikat „bemerkenswert“.

Es rumort

Es rumort in der SPD, auch in der CDU und vor allem in der Bevölkerung, das bestätigt Kleinke mit ernster Miene. Darum hat er mit Parteifreund Siegfried Schönherr einen Brief an die Parteispitze, an Andrea Nahles, verfasst. Inhalt: Wir machen das nicht mit, wir tragen diese Entscheidung nicht mit. Kleinke blättert in der LVZ, wird fündig, sticht mit dem Finger auf die Karikatur auf der zweiten Seite. Horst Seehofer antwortet auf die Frage nach Sachpolitik: Die Groko blockieren! Frau Merkel bekämpfen! Dem Söder schaden! – Kleinke nickt zustimmend: „Genau so ist das“. Für den Versandhändler ist der Bayer der Hauptschuldige. Ohne die Große Koalition in Frage zu stellen. Ginge es nach ihm, müssten CDU/CSU und SPD weiter regieren. Wobei er regieren betont, und sich nicht weiter mit „peinlicher Personalpolitik“ blamieren.

Keine Alternative zur Groko

„Es gibt zur Großen Koalition keine Alternative“, sagt er. Und weiter: „Das Problem in unserer Gesellschaft ist zum einen steigende Unzufriedenheit, zum anderen fehlt eine Klammer, die alles zusammenhält und die nicht spaltet.“ Die „gefühlte soziale Ungerechtigkeit“ nehme immer mehr zu. Aus Frust eine Partei wie die AfD zu wählen, die noch weniger anzubieten hat, sei jedoch nicht die Lösung und müsse verhindert werden. Wie? Kleinke wirft ein paar Brocken in den Raum: „Nächstenliebe und das Miteinander pflegen, Solidarität üben, Helfen, Anerkennen.“ Aber genau das leben Merkel, Nahles und Seehofer nun nicht gerade vor. Reicht es, wenn Seehofer abtritt oder abgetreten wird? „Nein“, sagt Kleinke. Er sei auch kein Fan von Andrea Nahles. Und er wiederholt sich: „Die sollen sich zusammenraufen und weiter arbeiten. Es gibt genug große Aufgaben. In Deutschland fehlen zwei Millionen Wohnungen. Die Lösung heißt für den Delitzscher sozialer Wohnungsbau mit anschließender Mietpreisbindung.

Migration – Mieten – Altersarmut

„Selbst in Delitzsch werden steigende Mieten immer mehr zum Thema.“ Aber auch um die Bekämpfung von Altersarmut müssen sich die Parteien mehr kümmern. Nicht zu vergessen das Thema Migration. „Wir müssen Asyl und Einwanderung trennen. Wer unsere Sozialsysteme unterwandert oder uns ausnehmen will, muss ausgewiesen werden“, so der 49-Jährige. Große Probleme, große Herausforderungen. Kleinke hat eine ebenso große Hoffnung: „Die Groko muss wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, zur Sachpolitik zurückkehren. Die Politiker haben einen Wählerauftrag. Und darum haben sie sich verdammt nochmal zu kümmern!“

Von Frank Pfütze

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