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Delitzsch Geflügelpest: Spezialfirma tötet auf Delitzscher Farm 6500 Puten
Region Delitzsch Geflügelpest: Spezialfirma tötet auf Delitzscher Farm 6500 Puten
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11:53 02.02.2017
Eine Seuchenmatte liegt aus, über die ein- und ausfahrende Fahrzeuge rollen und ihre Reifen desinfizieren.  Zudem wird von oben Desinfektionsmittel aufgesprüht.
Eine Seuchenmatte liegt aus, über die ein- und ausfahrende Fahrzeuge rollen und ihre Reifen desinfizieren. Zudem wird von oben Desinfektionsmittel aufgesprüht.  Quelle: Frank Pfütze
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Rackwitz

 Seit Dienstag ist das Gelände in Rackwitz großräumig abgesperrt, die Zufahrt in die Siedlung des Ortes, wo sich der Betrieb befindet, ist nur für Anlieger möglich. Zudem ist eine Spezialfirma angereist, welche für Seuchenschutz, Desinfektion und die Tötung der Tiere zuständig ist. Diese Firma aus Niedersachsen übernimmt auch die Grobreinigung und spätere Desinfektion der Anlage nach dieser Aktion.

Versicherung und Betreiber müssen den Schaden zahlen

Nach unbestätigten Schätzungen liegt der Schaden weit über 100 000 Euro. Anders als in anderen Bundesländern müssen der Betreiber und seine Versicherung (Tierseuchenkasse) für den Schaden aufkommen. In anderen Bundesländern beteiligen sich die Länder an den Kosten. „Das stimmt, die Kosten trägt in Sachsen die Tierseuchenkasse. Ich gehe davon aus, dass der Betreiber versichert ist. Dann läuft das über diese Kasse. Das Gesetz gibt es in Sachsen seit ungefähr drei Jahren“, sagte dazu Nordsachsens CDU-Landtagsabgeordneter Volker Tiefensee.

Männer in weißer Schutzkleidung sichern den Außenbereich der Anlage ab. Nichts geht mehr, rein oder raus, die Anlage ist abgeriegelt. Mehrere Einsatzkräfte sind vor Ort. Quelle: Frank Pfütze

Seit den frühen Morgenstunden wurde am Mittwoch mit dem Aufbau ihrer Ausrüstung begonnen. Die Tiere wurden und werden in einem speziellen Container mit Kohlendioxid begast und anschließend in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Lenz (bei Meißen) gebracht. „Das ist eine zugelassene Methode, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Auch die Firmen, die das Verfahren anwenden, sind geprüft und zugelassen. Durch die vorgegebene Konzentration an Kohlendioxid sterben die Tiere relativ schnell und möglichst schonend. Der gesamte Vorgang wird dokumentiert“, sagte Dr. Aline Hüller, Sachgebietsleiterin Tierseuchenschutz.

Zugang zu den Ställen von Polizisten bewacht

Für die Beteiligten bedeutet das viel Arbeit. Außerhalb der Anlage war davon am Mittwoch wenig zu sehen. Auf der einen Seite hatte der Betreiber einen Sichtschutz aus Strohballen errichtet. Den Zugang zur Farm, zu der unter anderem drei Ställe gehören, bewachten Polizisten. „Aufgrund der Vielzahl der betroffenen Tiere gehe ich davon aus, dass sich die Maßnahme bis Donnerstagnachmittag hinzieht“, sagte Rechtsdezernentin Angelika Stoye (Landratsamt Nordsachsen). Vom Anlagenbetreiber selbst war gestern nichts zu erfahren. Aber vom Rackwitzer Bürgermeister. „Im Interesse des Anlagenbetreibers bitte ich um Verständnis, dass vorerst ausschließlich der Landkreis die nötige Öffentlichkeitsarbeit erledigt. Natürlich bin ich betroffen, habe auch mit dem Geschäftsführer telefoniert und unsere Hilfe und Unterstützung angeboten“, sage Steffen Schwalbe (parteilos).

Hintergrund: In der Putenzuchtanlage in Rackwitz bestand seit Montag der Verdacht auf den ersten Vogelgrippe-Fall in einem Nutztierbetrieb in Sachsen. Sämtliche 6500 Puten in der Anlage mussten umgehend getötet werden, teilte das Landratsamt Nordsachsen am Dienstag mit. Am Montag seien bei dem Putenzüchter mehr als 250 tote Tiere entdeckt worden. Die Landesuntersuchungsanstalt stellte das hochpathogene Geflügelpestvirus H5 fest. Die Proben werden nun für einen endgültigen Befund noch im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems untersucht.

Update, 02.02.2017: Der Verdacht hat sich bestätigt: Es handelt sich um die Geflügelseuche H5N8. Zu diesem Ergebnis kam das Bundeslabor auf der Insel Riems, das tote Puten aus der Farm in Rackwitz untersucht hat am Donnerstag. Sämtliche 6500 Puten in der Anlage wurden bis Donnerstagvormittag getötet, die Maßnahme wurde abgeschlossen.

Von Frank Pfütze