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Delitzsch Genossenschaft Aufbau lässt in Delitzsch-Nord abreißen
Region Delitzsch Genossenschaft Aufbau lässt in Delitzsch-Nord abreißen
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21:00 21.01.2016
Der Wohnblock Otto-von-Guericke-Straße 1-11 wird im Herbst abgerissen. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Der größte nichtkommunale Vermieter in Delitzsch, die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau, kämpft mit einem massiven Leerstandsproblem. Rund 15 bis 16 Prozent der Quartiere sind derzeit ungenutzt, bilanziert Geschäftsführerin Anette Pittschaft. Entsprechend hoch ist der Handlungsdruck, um die Unterhaltungskosten zu senken. Nachdem im vergangenen Jahr 40 Wohnungen in der Alexander-Puschkin-Straße 2 bis 8 zurückgebaut wurden, ist aktuell ein weiteres Abrissvorhaben im Delitzscher Norden in Planung. Der Block Otto-von-Guericke-Straße 1 bis 11 soll weichen.

Der Termin ist schon eingekreist: Im Herbst soll es so weit sein. „Die Mieter sind bereits informiert“, so Pittschaft. Anders als im Vorjahr, als das betroffene Gebäude schon mehr als ein Jahr vor dem Abbruch verwaist war, sind diesmal noch Bewohner vor Ort. Knapp die Hälfte der 60 Wohnungen seien derzeit belegt, berichtet die Aufbau-Chefin. Zu wenig, um das Haus wirtschaftlich zu unterhalten. Doch um die Verbliebenen kümmere sich die Genossenschaft individuell. „Wir versuchen, sie andernorts im Bestand unterzubringen.“

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Finanziert wird der Abriss weitgehend mit Fördermitteln, für die bereits die Bewilligung vorliege. Der Rückbau soll das Leerstandsproblem ein wenig lindern, auch vor dem Hintergrund, dass in den nächsten Jahren demografisch bedingt zahlreiche weitere Wohnungskündigungen erwartet werden. Insbesondere Quartiere in oberen Etagen ohne Aufzug stellen für viele Senioren ein Problem dar. Aufzüge nachzurüsten, ist oft baulich nicht sinnvoll, weil die Zugänge auf halber Etage wären oder jeder Hauseingang einen eigenen Lift bräuchte, was die Betriebskosten in die Höhe treiben würde.

Außerdem werden die Gelder zunächst an anderer Stelle benötigt. „Die letzte große Investition, die Modernisierung von Fenstern und Türen, liegt 20 Jahre zurück“, moniert Genossenschaftsmitglied Gerhard Reiche aus Delitzsch-Nord. „Jede Verbesserung der Wohnung ist seitdem mit finanziellen Eigenleistungen verbunden, wenn man höheren Standard wünscht als zum Einzug vor 35 Jahren.“ Außerdem hegt er Zweifel, ob die Vergabe der Genossenschaftswohnungen an Flüchtlinge rechtens ist. Anette Pittschaft sieht darin keinen Widerspruch zur Satzung. „Das Landratsamt ist als Mieter Mitglied geworden und hat auch die nötigen Geschäftsanteile erworben.“ Derzeit seien 13 Wohnungen an die Landkreisverwaltung vergeben – 10 weitere sollen im Jahresverlauf hinzukommen. In der Genossenschaft mit insgesamt rund 1500 Mitgliedern mache das nur einen Bruchteil aus. „Wenn Flüchtlinge eine Aufenthaltsgenehmigung haben, können sie selbst eine Mitgliedschaft bei uns abschließen“, sagt Pittschaft.

Von Kay Würker

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