Heimarbeit: Homeoffice in Delitzsch und Umgebung nicht überall möglich
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Heimarbeit: Homeoffice in Delitzsch und Umgebung nicht überall möglich

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19:21 15.01.2021
Dort, wo normalerweise vier Berater die Kunden der Stadtwerke Delitzsch empfangen, sitzt Stefan Blechschmidt allein an seinem Arbeitsplatz. Denn aktuell ist das Büro für den Publikumsverkehr geschlossen. Besucher können nur noch im Vorraum über einen Schalter, getrennt durch eine Glasscheibe, ihr Anliegen vorbringen. Um Warteschlangen zu vermeiden, bitten die Stadtwerke darum, Anfragen telefonisch, per WhatsApp oder E-Mail zu stellen.
Dort, wo normalerweise vier Berater die Kunden der Stadtwerke Delitzsch empfangen, sitzt Stefan Blechschmidt allein an seinem Arbeitsplatz. Denn aktuell ist das Büro für den Publikumsverkehr geschlossen. Besucher können nur noch im Vorraum über einen Schalter, getrennt durch eine Glasscheibe, ihr Anliegen vorbringen. Um Warteschlangen zu vermeiden, bitten die Stadtwerke darum, Anfragen telefonisch, per WhatsApp oder E-Mail zu stellen. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch/Rackwitz

Die Infektionszahlen bleiben hoch. Die Forderung an Arbeitnehmer, möglichst von zu Hause zu arbeiten und an Arbeitgeber, dies ihren Angestellten zu ermöglichen, werden lauter. Das geht natürlich nicht in jeder Branche. In einem Bürojob sollte es aber doch kein Problem sein, oder? Unternehmen der Region haben da ihre eigenen Erfahrungen.

Nicht jeder Job geht im Homeoffice

Hausmeister kann man nicht von zu Hause aus sein. Monteur auch nicht. Das sind aber nicht alle Gründe, warum Unternehmen wie die Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch (WGD) oder auch die Stadtwerke Delitzsch (SWD) nicht umfassend im Homeoffice-Modus sind. Hintergrund ist auch, dass noch nicht alles so weit digitalisiert ist, dass es egal ist, von welchem Ort man arbeitet – bestimmte Akten muss man einfach greifen können. Zudem gibt es datenschutzrechtliche Bedenken.

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In beiden Unternehmen sind aktuell nur „vereinzelt“ Mitarbeiter in der Heimarbeit. Und das betrifft eben auch Verwaltungstätigkeiten. Ein vermeintlicher Schreibtischjob heißt also nicht, dass es egal wäre, wo man diesen macht: „Mitarbeiter der Verwaltung müssen weiterhin Wohnungen zeigen oder abnehmen“, erläutert WGD-Chef André Planer. Auch bei den Stadtwerken sind nur vereinzelt Mitarbeiter komplett im Homeoffice, vor allem auch, um sich um die Kinderbetreuung daheim kümmern zu können. In den Räumen in der Sachsenstraße sitzen die Mitarbeiter möglichst weit auseinander und in Einzelbüros, es gelten strenge Hygieneregeln.

Kunden der Stadtwerke Delitzsch können nur noch im Vorraum über einen Schalter, getrennt durch eine Glasscheibe, ihr Anliegen vorbringen. Damit keine Warteschlangen vor dem Haus entstehen, bitten die Stadtwerke dringend Anfragen telefonisch, per WhatsApp oder E-Mail zu stellen. Quelle: Wolfgang Sens

Trotz Corona bleibt das Kundenbüro der SWD zum Beispiel noch offen, allerdings ist nur ein Arbeitsplatz besetzt und durch eine Scheibe vom Kunden getrennt, der im Vorraum bleibt – so wie man es von früher vom Bank- oder Postschalter kennt. Man sollte von einem Besuch absehen und besser per Telefon, WhatsApp oder Mail mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen.

Es geht um Mitarbeiterschutz

Auch im Rathaus Delitzsch gilt: Um die Mitarbeitenden zu schützen, ist im Rathaus weiterhin kein allgemeiner Besucherverkehr möglich. Unaufschiebbare Termine müssen telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden, ansonsten sollen Anfragen telefonisch oder per E-Mail gestellt werden.

Wie Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) erläutert, wurden im Sinne des Arbeitsschutzes individuelle Lösungen gefunden. Für die meisten Beschäftigten ist die räumliche Trennung in den Büros angeordnet. Ist das nicht möglich, arbeitet man im Schichtbetrieb. Es gibt dieses Schicht- oder zeitversetzte Arbeiten, Arbeitszeitverlagerungen, Homeoffice und Teil-Homeoffice. Genaue Angaben, wie viele Mitarbeiter dies betrifft, können allerdings nicht gemacht werden – von Woche zu Woche gibt es Veränderungen.

Im Rathaus gibt es ebenfalls Gründe, die gegen umfassende Heimarbeit sprechen: „Die technischen Möglichkeiten der Homeoffice-Nutzenden, die notwendigen Akten sowie die damit verbundene Datensicherheit sprechen in den meisten Fällen gegen die Homeoffice-Lösung“, erläutert der OBM. Auf bestimmte Fachverfahren kann man von außen nun einmal nicht zugreifen. Die Verwaltung würde auch keine Technik zur Verfügung stellen, zumal zusätzlich auch Kosten für Lizenzgebühren entstehen. Wie überall gelten Abstandsregeln, die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung auf den Fluren und in Räumen, wenn sich mehr als eine Person im Raum aufhält. Beratungen werden im Rathaus auf das absolut notwendige Minimum reduziert und finden zunehmend als Telefonkonferenzen oder Videomeetings statt. Dienstreisen würden so gut wie nicht stattfinden, heißt es.

Erste Corona-Welle leistet Vorschub für das mobile Arbeiten

Anders sieht es da bei privatwirtschaftlich agierenden Unternehmen aus. Beim Rackwitzer Strangpresswerk von Hydro Extrusion wird bereits verstärkt im Homeoffice gearbeitet, dass aber genau genommen ein mobiles Arbeiten ist, wie Kati Forkert erklärt, die bei dem Unternehmen für Digital Content und Marketing verantwortlich ist. Im Gegensatz zum Homeoffice, das an einen fest eingerichteten Arbeitsplatz außerhalb des Betriebs stattfindet, werde bei der mobilen Arbeit Endgeräte eingesetzt, die auch an jedem anderen Ort verwendet werden können, wie beispielsweise auf Reisen im Zug, im Hotel oder Zuhause, sagt Forkert.

Mit den Auswirkungen der ersten Corona-Welle sei diese Form des Arbeitens seit März noch einmal verstärkt eingesetzt worden. Überlegungen zur Umsetzung habe es aber bereits vorher gegeben und waren in Einzelfällen bereits möglich, sagt die Unternehmenssprecherin. „Da die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an erster Stelle steht, konnte dies zügig umgesetzt werden.“

Keine Pflicht

Von den Mitarbeitern, bei denen das mobile Arbeiten grundsätzlich möglich ist, erledigen derzeit 70 Prozent ihren Job an Orten außerhalb des Betriebs, erklärt Forkert. Das Angebot werde positiv aufgefasst. Und auch zukünftig soll die Möglichkeit des mobilen Arbeitens erhalten bleiben. Um dies Umzusetzen sei lediglich ein Laptop und eine Internetverbindung notwendig. Alle Kollegen seien darüber hinaus sowohl per E-Mail als auch telefonisch erreichbar. Auch alle firmeninternen Systeme können beispielsweise vom Wohnort der Mitarbeiter abgerufen werden. Hydro stelle Laptops, Monitore und Headsets zur Verfügung.

Eine Pflicht zu dieser Arbeitsform gebe es aber nicht. Für diejenigen, die weiterhin am Standort in Rackwitz arbeiten möchten, werde eine Lösung gefunden, dass sie dies auch unter den Corona-Bedingungen sicher können, sagt Forkert.

LVZ im Homeoffice-Modus

Die LVZ ist schon im März 2020 in den Modus des mobilen Arbeitens gewechselt. Dass das Vor- und Nachteile hat, hat LVZ-Reporterin Christine Jacob erlebt: Ich arbeite seit zehn Monaten von zu Hause aus. Im Gegensatz zu anderen Jobs hat meiner natürlich den Vorteil, dass er recht leicht von überall zu erledigen geht, denn im Grunde reicht für das Nötigste ja ein Laptop, ein Telefon und der Notizblock. Mitte März habe ich also das Nötigste gepackt und bin an meinen Esstisch gezogen, halbliegend von der Couch aus zu arbeiten wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich bin ein fokussierter und strukturierter Mensch, die Gefahr im Schlafanzug rumzuschlurfen war gering. Allerdings ist mir genau das auf die Füße gefallen: In den ersten Wochen habe ich die Pausen vergessen, schon im Morgengrauen am Rechner gesessen und mit Blick aufs Redaktionssystem mittags nur schnell was runtergeschlungen – ich fühlte mich bald ausgebrannt. Als ich mir einen Stundenplan schrieb, in dem ich mir Dinge wie „Mittagspause, 45 min, nicht am Rechner“ und „Spaziergang“ vermerkte, ging es mental auch wieder aufwärts. Auch ist mein Diensthandy, auf das sämtliche Anrufe umgeleitet werden, seit dieser kleinen Krise nur noch zu den Zeiten laut gestellt, in denen auch regulär die Redaktionsarbeit läuft. Ebenso packe ich jeden Abend mein „Büro“ wieder ein, um nicht immer mit der Arbeit konfrontiert zu sein – ich würde solch bewusste Abgrenzung jedem im Homeoffice empfehlen. Mittlerweile habe ich mich an all das gewöhnt. Das Redaktionsleben will ich dennoch möglichst bald zurück.

Von Mathias Schönknecht und Christine Jacob