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Delitzsch In Hohenossig entsteht Kunst mit Flex und Motorrad
Region Delitzsch In Hohenossig entsteht Kunst mit Flex und Motorrad
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09:37 16.08.2019
Metallplatten und Farbroller sind normal, aber beim 29. Druckgrafik-Symposion bringen die Künstlerinnen und Künstler auch Fächer, Winkelschleifer, kurz Flex genannt, Fächer und selbst Motorräder zum Einsatz. Quelle: Wolfgang Sens
Hohenossig

Das wird immer wieder betont: Mit Meistern der Druckkunst zusammenzuarbeiten und verfolgen, wie die Kunst der Kollegen entsteht – vor allem das gehört zum Sächsischen Druckgrafik-Symposion in Hohenossig. Es findet seit 22. Juli erneut im Dorf an der Bundesstraße 2 statt. Das Konzept: Fünf Künstler und Künstlerinnen treffen sich in den Druckwerkstätten in Hohenossig und arbeiten vier Wochen lang miteinander im druckgrafischen Metier.

Nicht nur die Kunst auch das Zusammensein ist den Künstlern wichtig. Dazu gehört natürlich das gemeinsame Essen jeden Tag pünktlich um 13 Uhr. Quelle: Wolfgang Sens

Sie nutzen gemeinsam und intensiv vorhandene druckgrafische Möglichkeiten. Dabei wird darauf geachtet, Künstler aus verschiedenen Bundesländern, aber auch aus dem Ausland zusammenzuführen. Womit diese Arbeitsbegegnung auch helfen soll, in „Arbeits- und Denkweise anderer einzutauchen, Standpunkte zu erhellen und Grenzen aufzulösen“. Eine Jury wählte die Teilnehmer anhand von eingereichten grafischen Arbeiten aus. In diesem Jahr reisten die Künstler aus Leipzig, Halle, aus Franken und aus der Schweiz an. Nun ist die Zeit schon vorbei. Doch vorab war Gelegenheit, den fünf über die Schulter zu schauen.

Die in Hohenossig entstandenen Werke sind dann ab 14. November im Konzertfoyer der Oper Leipzig ausgestellt. Dort kann sie jeder Opernbesucher besichtigen. Für diejenigen, die keine Aufführung ansehen wollen, wird es drei Sonderöffnungszeiten für jeweils zwei Stunden geben.

„Rundes“ Symposion im kommenden Jahr

„Nun freuen wir uns auf das 30. Symposion im kommenden Jahr“, so Reinhard und Jeanette Rössler. Die beiden hatten dieses Arbeits-Treffen mit internationaler Ausstrahlung und Beteiligung ins Leben gerufen. 2020 jährt sich auch die Gründung ihrer Werkstatt in Hohenossig zum 40. Mal.

Stephan Klenner-Otto: Delitzsch und Beuden inspirieren zu Bildwelten

Die Weiden hat er in Beuden, einem Nachbarort, entdeckt. Aber auch die Windmühle in Priester und die Delitzscher Türme haben ihn inspiriert. Stephan Klenner-Otto hat sein Fahrrad nach Hohenossig mitgebracht und damit ist er am frühen Morgen zwischen sechs und acht unterwegs, bevor es in die Werkstatt geht. Schließlich arbeiten Grafiker weitgehend im Sitzen. Da sei Bewegung vorab umso wichtiger. „Und für mich als Franken ist die Landschaft hier eine Entdeckung. Der Schladitzer See zum Beispiel ist fantastisch“, stellt der 59-Jährige begeistert fest. „Ich finde, in dieser Gegend kann man auch mal Urlaub machen.“ Im Herbst will er mit der Ehefrau wiederkommen.

Stephan Klenner-Otto arbeitet an einer Radierung. Quelle: Wolfgang Sens

Seine Radierungen wirken filigran. Die winzigen Striche fügen sich zu fantastischen, bizarren Welten. Und davon gibt es sehr viele. Bewundernswerte Produktivität? Er schüttelt abwehrend den Kopf: „Das mache ich doch seit 40 Jahren.“ Vor allem Illustrationen von Büchern. Er bevorzugt die klassischen, teils altmeisterlichen Techniken. Denn er hatte im Studium viel Rembrandt, Goya kopieren müssen. „Das hat jedenfalls nicht geschadet.“ Denn damals sei er ein Hitzkopf gewesen. Er habe erst viel später verstanden, was ihm dieses Arbeiten brachte. Ebenso wie seine Kolleginnen widmet er sich auch der Malerei. „Wenn ich male, dann sind das oft Kirchenthemen im Großformat.“ Für die Kirche in Linzenhofen, wo er mit seiner Familie lange wohnte, schuf er einst ein drei Meter hohes Kreuzigungs-Bild. „Dabei bin ich gar kein so frommer Mensch.“

Helga Halbritter ist angefixt von der Flex

Helga Halbritter sammelt: Die Licht-Impressionen des Maisfeldes werden zu den linsenförmigen Aussparungen in der Papierschablone. Auf der Metallplatte, die sie gerade geätzt hat, zeichnen sich die Abdrücke von Maiskolben ebenso wie von Tannenzapfen ab. Auch eine Kaffeefiltertüte hat’s ihr angetan. Die Schweizerin variiert und kombiniert diese Themen, manche werden am Ende in die Arbeiten eingebaut. Manche Motive verschwinden wieder, einige begleiten sie jahrelang. Selbst das Motorrad des Freundes, der aus der Schweiz zu Besuch in Hohenossig ist, spielt diesmal mit. Die markanten Reifenspuren finden sich plötzlich auf mehreren Probeblättern wieder. „Wir hatten vorhin ein Happening“, erklärt sie.

Helga Halbritter bearbeitet eine ihrer Druckplatten im Säurebad. Dort, wo die Säure nicht angreifen soll, ist das Metall von der Lackschicht geschützt, die an den gewünschten Stellen „ausradiert“ ist. Quelle: Wolfgang Sens

Wenn sie eine Buchstaben-Type entdeckt, dann kann daraus ein ganzer „Schwarm“ entstehen. Beim Kaffeefilter geht’s darum, dass sie Filterkaffee eigentlich nicht mag. Irgendwann überlagern sich die verschiedenen Eindrücke, teils gesteuert von der Idee der Künstlerin, teils spielt Zufall mit. „Und ich mag es, wenn es gewissen Witz hat und etwas mit Humor dahinter ist.“

Helga Halbritter zeigt die Papierschablone, die vom Besuch im Maisfeld inspiriert ist. Quelle: Wolfgang Sens

Schon auf ihrer Website betont die Schweizerin: „Arbeiten und die Begegnungen in den verschiedenen Druckateliers mit anderen Künstlerinnen und Künstlern ist ein weiterer wichtiger Antrieb und eine zusätzliche Inspirationsquelle.“ Der Austausch bei gemeinsamen Projekten bringe Anstöße für die eigene Weiterentwicklung. So hat sie in Hohenossig auch Hanna Saß’ Werkzeuge entdeckt: „Ich bin gerade angefixt von der Flex.“

Katja Enders-Plate: Ambivalente Liebe zum Flachen Land

Mit der Landschaft ringsum setzt sich auch Katja Enders-Plate auseinander. „Schwerpunkt: Landschaft im weitesten Sinne“, steht schon in ihrem Kurzlebenslauf beim Bund Bildender Künstler Leipzig. Das im „weitesten Sinne“ zeigt sich auch in den Hohenossiger Arbeiten. Die sie unter anderem mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche verbindet. „Der liebte die Berge“, erzählt sie. Aber auf den Probeblättern sind keine Berge zu sehen. Denn geboren wurde Nietzsche gar nicht so weit entfernt, in Röcken. Dort ist er auch in der Familiengruft beigesetzt. „Deutschland war ihm eigentlich viel zu engstirnig. Er hat eher das Dramatische gesucht. Trotzdem hat er Röcken auch sehr geliebt“, erklärt Katja Enders-Plate. Ambivalenzen, denen sie bildnerisch über die Schiene des Wanderns und der Naturbetrachtung auf der Spur ist. So war sie in Röcken, hat Skizzen mitgebracht. Den Blick vom Kirchturm in die Landschaft, den einst auch Nietzsche gehabt hatte, zum Beispiel.

Katja Enders-Plate bei der Arbeit an einer Kaltnadelradierung. Quelle: Wolfgang Sens

Sie findet ihre Inspirationen aber auch in der Umgebung von Hohenossig. „Ich gehe oft raus, nehme die Platten mit aufs Feld.“ Vier Wochen Druckgrafik-Symposion scheinen viel Zeit. Aber alle Ideen, die kommen, lassen sich trotzdem nicht umsetzen. „Man will gern immer noch mehr machen, muss sich aber beschränken.“

Julia Penndorf: Auf dem Weg – Wiederentdeckung der Radierung

Skizzen mit Tusche, Transparentpapier, Klebestreifen, Motive, die sich überlagern. Für Julia Penndorf bedeutet Hohenossig eine Wiederentdeckung einer Technik, mit der sie sich zuletzt im Grundstudium befasst hatte. Radier-Technik kann sie hier wieder aufleben lassen. Die Illustratorin hat schon Skizzen mitgebracht, die sie nun weiterbearbeitet. Julia Penndorf gestaltet Kunsthefte, illustriert Bücher, Mappen, selbst Weihnachtskalender. Ihre Grafiken sind punktgenau und reduziert. Das lässt darauf gespannt sein, was aus dem wird, was jetzt so malerisch daher kommt. Neugierde gehört generell dazu beim Symposion in Hohenossig: „Das sind wir alle. Wir schauen alle gern, was die Kollegen so machen.“

Julia Penndorf aus Leipzig arbeitet an den Entwürfen mit Tuschzeichnungen. Quelle: Wolfgang Sens

Auch Julia Penndorf gehört zum Künstlerkollektiv Augen:falter, zu dem sich 2008 acht Künstlerinnen zusammenschlossen. Sie ersinnen und realisieren gemeinsam Bücher, Mappen und Grafikprojekte und präsentieren sich auf Buch- und Grafikmessen und Ausstellungen. Die Gemeinschaftswerke werden im Eigenverlag herausgegeben. Das Buch „Einübung ins Paradies“ mit Texten von Ingo Schulze gehörte 2016 zur Shortlist „Die schönsten deutschen Bücher“.

Hanna Sass: Erfahrung als Tischlerin, Matrosin und Grafikerin

Flex, Handkreissäge, Axt und Beitel: Derartig außergewöhnliche Ausrüstung hatte Hanna Sass für ihren Aufenthalt beim Symposion in Hohenossig im Gepäck. Die 33-Jährige lebt heute in Halle, ist schon rund um die Welt gereist, war in Neuseeland, Amerika und Singapur, studierte für ein halbes Jahr in Petersburg, weil sie sich von der mystischen Atmosphäre in der zu bestimmten Jahreszeiten eher kalten und dunklen Stadt angezogen fühlte. Dort war es die Möglichkeit, das Porträtieren und Aktzeichnen zu vertiefen.

Körperkontakt: Hanna Sass aus Halle benutzt zum Ausreiben am liebsten ihre Hände. So kann sie genau spüren wie viel Farbe heraus gewischt wird. Quelle: Wolfgang Sens

Die ersten Druckproben, die nun in Hohenossig vor ihr liegen, sehen anders aus. Da geht es eher abstrakt oder landschaftlich zu, wird aber auf alle Fälle kräftig getestet, was aus dem Zusammenspiel von großformatigen Metallplatten, Werkzeugen und Druckerkunst herauszuholen ist. Fürs Verreiben der Farben auf der Druckplatte greift sie auch gleich mal mit den Händen zu, um zu spüren, wie viel Farbe heraus gewischt ist. „Hier kann ich neue Sachen ausprobieren und mit Farbe drucken“, freut sie sich über die Bedingungen, die das Sächsische Druckgrafik-Symposion bietet. „Der Plan war auch, mit Sandtechnik zu arbeiten“, zeigt sie auf einer Druckplatte. Dabei wurde Spezialsand mit einem Klebstoff auf die Platte aufgebracht.

Hanna Sass bei der Arbeit. Quelle: Wolfgang Sens

Mit Stechbeitel & Co. kann sie auch im Sinne der eigentlichen Bestimmung umgehen. Sie hat die Ausbildung zur Tischlerin und sogar für ein Jahr als Tischler und Matrose auf dem Großsegler Sea Cloud gearbeitet, bevor sie ab 2011 an der Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein ihr Studium startete.

Von Heike Liesaus

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