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Delitzsch In Lehelitz trifft Tetzel den Rasenballsport
Region Delitzsch In Lehelitz trifft Tetzel den Rasenballsport
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07:00 15.01.2018
Eva Stein ist mit 88 Jahren die zweitälteste Bürgerin im Krostitzer Ortsteil. Quelle: Manuel Niemann
Lehelitz

Was ist eigentlich los auf dem Land? Was wird geredet im Dorf? Was bewegt die Menschen? Die LVZ-Serie Unterwegs in ... zeigt es.

Einmal im Jahr floriert in Lehelitz der Ablasshandel. Dann lässt der Krostitzer Ortsteil mit seinen 150 Einwohnern Geschichte wieder auferstehen. Genauer: Das Treiben des Dominikanermönchs und Ablasshändlers Johann Tetzel, der an der alten Handelsstraße von Leipzig nach Wittenberg Seelenheil gegen bare Kasse versprach. Seit 1986 verkörpert Dietmar Lamm in der Mönchskutte den berüchtigten Gegenspieler Martin Luthers.

Jahrmarkt auf dem Land

„In Lehelitz gibt es das schon lange, vor dem Krieg war das ein richtiger Jahrmarkt. Ich weiß, mit meiner Freundin habe ich danach immer nach Groschen oder Fünfern gesucht“, erinnert sich die 88-jährige Eva Stein. Damals gab es alles, was auf den Bauerngütern, die das Dorf prägten, gefragt war. Die Knechte und Mägde hatten von ihren Herrschaften frei, Geschäftsleute aus Delitzsch und Leipzig reisten an und boten ihre Waren an: „Buden über Buden“, erzählt sie, „bis zum Dorfeingang standen sie mit Kurzwaren, Kleiderstoffen, Schürzen, Tongefäßen oder Gurkentöpfen.“ Aber auch an Exotisches wie einen türkischen Honigmann, erinnert sie sich. Bananenstauden habe sie dort zum ersten Mal auf einem Wagen gesehen. „Wir kriegten von unseren Eltern immer etwas Geld und konnten Karussell fahren.“ Zum real existierenden Sozialismus passte das Fest mit dem kirchlichen Hintergrund nicht, weshalb es für ein paar Jahre pausieren musste.

Bürgerverein schürt Zusammenhalt im Dorf

„Heute kümmert sich der Bürgerverein unter der Regie von Herrn Willingshofer darum. Alle helfen da mit. Die junge Generation hält hier gut zusammen“, sagt Stein. Sie selbst gehe immer noch zum Abschlusskonzert der Blaskapelle, das Treiben davor sei ihr aber zu viel. Der Verein prägt auch sonst das dörfliche Leben: Die alte Milchhalle, wo früher die Milch abgeholt wurde, haben die Mitglieder zu einem Bürgerhaus ausgebaut. „Freitag ist hier immer offen“, erzählt Birgit Mieder. Die 58-Jährige wohnt gleich nebenan und bewirtet im Vereinshaus. Es fasst 30 bis 40 Gäste, auch Krostitzer und sogar Leipziger kommen hier her, um zu feiern und die Spiele des RB Leipzig zu verfolgen. Denn auch das fällt auf, die Fußballfans zeigen in LEhelitz Flagge. So ziert RB-Rot das Anwesen des Lackierers gegenüber, während am Haus der Mieders Schalke 04 und dem FC Bayern gehuldigt wird. Eine Kampfansage? „Nein, das ist bloß Spaß“, sagt Uwe Mieder. „Wir sind doch auch RB Fans, aber das würde zu viel“, ergänzt seine Frau.

Von Manuel Niemann

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