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Delitzsch Kreative und rationale Lösungen für Delitzscher Parkplatzsorgen
Region Delitzsch Kreative und rationale Lösungen für Delitzscher Parkplatzsorgen
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06:00 26.11.2016
Im Bildvergleich: Kostenfreier Parkplatz am Unteren Bahnhof und kostenpflichtiger Parkplatz am Delitzscher Wallgraben. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Die tägliche Parkplatzsuche ist vor allem für Pendler in die Delitzscher Innenstadt eine Herausforderung. Die Park-and-Ride-Plätze am Unteren Bahnhof und am Rosental sind frühzeitig vergriffen und das seit Oktober eingeführte Langzeitticket, stößt auf wenig Beliebtheit. Die Freien Wähler haben nun die Idee eines Stellflächen-Teil-Systems angeregt. Außerdem ist ein vierter Großparkplatz an der Albert-Böhme-Straße im Gespräch.

Der Vorschlag

Auswärtig arbeitende Delitzscher, die ihren Bewohnerstellplatz in der City tagsüber nicht besetzen, könnten diesen an einfahrende Pendler abgeben, so der Vorschlag von Cathrin Epperlein, Stadträtin und Optikerin an der Eilenburger Straße. „Es verlangt ja niemand, dass man da völlig kostenfrei parken kann. Gegen zehn Euro im Monat hat denke ich niemand etwas einzuwenden. Meine Mitarbeiter kommen bis aus Bad Düben mit dem Auto, finden aber oft keinen Parkplatz in der Nähe des Geschäfts. Die Park-and-Ride-Plätze am Bahnhof sind meist schon von den auspendelnden Delitzschern belegt und jeden Tag fünf Euro fürs Parken zu zahlen, ist auf Dauer keine Lösung.“

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Als Gewerbetreibende habe Epperlein keine Chance, selbst einen Anwohnerparkausweis zu bekommen. Auf der August-Fritzsche-Straße, in der Töpfergasse oder Am Wallgraben seien jedoch immer Plätze frei. Allerdings sind diese gebührenpflichtig. Von Seiten der Stadt werde dann gerne auf den kostenfreien Platz an der Richard-Wagner-Straße verwiesen, doch dieser sei für die Gewerbetreibenden der Innenstadt nur wenig reizvoll, fasst Epperlein, Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Delitzsch, zusammen.

Bezahl-Parkplätze bleiben frei

Bisher ist das 5-Euro-Tagesticket für die August-Fritzsche-Straße und Am Wallgraben vorgesehen. Eine Statistik, wie oft diese Tickets in Anspruch genommen werden, gibt es derzeit nicht. „Es ist aber eine Idee, das mal nachzuvollziehen“, erklärt Bürgermeister Thorsten Schöne. Die Stadt sei nicht unbedingt dafür offen, weitere Tages-Parkplätze auszuweisen. „Wir und auch die Händler wollen eine gewisse Kundenfrequenz, die Kurzzeitparkplätze kommen dem Anliegen am nähesten“, heißt es. Wenn Mitarbeiter oder Mieter Tages-Parkplätze für sich beanspruchen, fänden andere keinen Platz, um kurzzeitig zu parken.

„Was das Teilen der Berechtigung für einen Bewohnerparkplatz angeht, so hat der Berechtigte keinen Anspruch darauf, diese weiter zu vergeben. Die Ausreichung von Bewohnerparkausweisen ist ausdrücklich an die Voraussetzung ’Bewohner’ geknüpft“, so Nadine Fuchs, Pressesprecherin der Stadt Delitzsch. Ergo: Gewerbetreibende haben kraft des Gesetzes keinen Anspruch auf einen Parkplatz im innerstädtischen Bereich und die Idee eines Teil-Systems keine Grundlage.

„Derzeit kann zwar noch der kostenfreie Parkplatz an der Karlstraße genutzt werden, doch dieser ist auch spätestens dann weg, wenn die Wohnungsgesellschaft ihr Haus errichten will“, ergänzt Epperlein.

Vierter Pendlerparkplatz am Unteren Bahnhof in Planung

Der Landkreis hat ebenfalls Kenntnis von dem Problem, macht es aber an den aktuellen Fahrgasterhebungen fest. Laut diesen sei der Delitzscher Bahnhof, der am stärksten frequentierte im Leipziger Umland, was auch an der starken Parkflächenauslastung bereits am frühen Morgen sichtbar sei. Da sich dieser Zustand im Tagesverlauf nicht grundlegend ändere, hat der Landkreis Nordsachsen nun sein Grundstück gegenüber des Berufsschulzentrums an der Albert-Böhme-Straße für die Nutzung als „P + R“ freigegeben. „Gegenwärtig laufen hierfür die Vorplanungen. 2017 soll der Entwurf fertig gestellt sein und wenn keine grundlegenden Verzögerungen eintreten, könnte unter Umständen noch im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden“, heißt es aus dem Landratsamt.

Pendler ins Delitzscher Stadtzentrum sollten bis dahin also besser eine Runde oder fünf Euro mehr einplanen.

Von Mathias Schönknecht