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Delitzsch Landwirte in Nordsachsen: Angst vor erneuter Dürre
Region Delitzsch Landwirte in Nordsachsen: Angst vor erneuter Dürre
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06:27 15.06.2019
In der Agrargenossenschaft Hohenroda dreht sich im Moment alles um das Futter für die Tiere. Momentan wird Gerste-Ganzpflanzensilage eingelagert. Wichtig ist der Luftabschluss damit der Gärungsprozess beginnen kann. Quelle: Wolfgang Sens
Nordsachsen

Nordsachsen vertrocknet. Nicht nur die Landwirte schlagen Alarm, auch die Förster machen sich große Sorgen. Felder und Wälder in der gesamten Region brauchen mehr Regen und einen höheren Grundwasserstand, der nach dem Rekord-Sommer im vergangenen Jahr weiter gesunken ist. Die Unwetter der vergangenen Tage haben zwar geholfen – die Sorgen in der sächsischen Landwirtschaft sind dennoch groß. „Wir bräuchten eine ganze Woche Landregen, denn auch in der Tiefe sind die Wasserspeicher aufgebraucht“, erklärt Christine Richter, Geschäftsführerin des Bauernverbandes in Delitzsch. Die Situation sei durch die Unwetter vorerst entspannter. Für Weizen und Gerste könnte der Regen jedoch zu spät gewesen sein und auch im Boden sei der Wasserstand weiterhin niedrig. „Die Situation bleibt ernst. Die Sorgenfalten sind nicht mehr ganz so tief, aber auf jeden Fall begründet“, so Richter.

Dass Nordsachsen eine eher trockene Region ist, weiß hier jeder Landwirt. Die Fruchtfolge auf den Feldern ist daran angepasst, trockene Jahre sind bereits einkalkuliert. Der Sommer 2018 traf viele Landwirte dennoch hart. Ernten blieben fast vollständig aus, Tierfutter musste in riesigen Mengen nachgekauft werden.

In der Agrargenossenschaft Hohenroda dreht sich im Moment alles um das Futter für die Tiere.

Probleme mit der Dürre hatte auch die Agrargenossenschaft Doberschütz. „Wir mussten im vergangenen Sommer 3000 Tonnen Futter zukaufen. Es ist unglaublich, wie stark Nordsachsen von dieser Problematik betroffen ist und andere Regionen nicht. Die Niederschläge ziehen einfach an uns vorbei“, so der Vorsitzende Wolfram Haselhoff. Er ist besorgt, dass es in diesem Jahr noch schlimmer werden könnte. Der 64-Jährige weiter: „Unsere Böden haben jetzt noch weniger Wasser. Wir sind auf die nächste Ernte aber angewiesen.“ Zugekauft hatte die Agrargenossenschaft nur das Nötigste – genug, den Rinderbestand bis ins Frühjahr zu versorgen. Zusätzlich wurde Futterroggen und Feldgras angebaut. Dennoch ist die ausstehende Ernte – überwiegend Mais, Weizen und Gerste – enorm wichtig. Reserven gibt es kaum und auch die finanziellen Möglichkeiten vieler Landwirte sind ausgereizt.

Finanzielle Zerreißprobe

Auch Christine Richter macht sich Sorgen, dass eine Dürre zur finanziellen Zerreißprobe werden könnte: „Da es in diesem Jahr keine Dürrehilfe vom Bund mehr geben wird, könnte ein zweiter Hitze-Sommer für viele Betriebe katastrophale Auswirkungen haben.“ Preislich werde eine weitere Dürre in den Supermärkten jedoch nur wenig Auswirkungen haben. „Da auf globaler Ebene gehandelt wird, merkt der Verbraucher davon wohl erstmal nichts.“ Der Landwirt erntet also weniger, erhält aber denselben Preis und muss die anfallenden Kosten alleine tragen. Dagegen möchte der Bauernverband vorgehen. Richter weiter: „Inzwischen kann sich jeder Landwirt teuer für Hagel, Hochwasser oder Dürre versichern. Der Bauernverband setzt sich für eine faire Mehrgefahren-Versicherung oder steuerfreie Rücklagen ein, damit in den guten Jahren gespart werden kann.“

Teure Versicherungen

Für die Landwirte wäre das eine Erleichterung, denn für viele lohnen sich die teuren Dürre-Versicherungen nicht – selbst im trockenen Nordsachsen. Jörg Reihe, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenroda, kann inzwischen auf 27 Jahre Berufserfahrung zurückschauen. In den vergangenen 20 Jahren habe seine Hagelversicherung genau ein Mal ausgezahlt, eine Dürreversicherung schätzt er ähnlich ein. „Man geht da – wenn überhaupt – mit einer Null raus. Es löst aber natürlich das Liquiditätsproblem in genau diesem einen Jahr“, so der 49-Jährige. Einen Dürreausgleich vom Bund hatte die Agrargenossenschaft im vergangenen Jahr nicht erhalten, eine Versicherung für dieses Jahr nicht abgeschlossen. Sämtliche Kosten müssten sie also selbst tragen. „Wir haben gut vorgebaut und haben noch ein paar Futterreserven liegen. Trotzdem mussten wir im vergangenen Jahr rund 1700 Tonnen Futter für die Kühe kaufen“, so Reihe.

Zahl der Kühe reduziert

Damit aber nicht genug. Der Betrieb mit 26 Mitarbeitern hatte durch den Futtermangel auch von 600 auf 550 Kühe reduzieren müssen. „Auf kleine Schwankungen im Milchpreis und bei der Ernte stellen wir uns immer ein. Ein weiterer Sommer wie 2018 wäre schlimm. Wir würden ernsthafte Liquiditätsprobleme bekommen“, erklärt der Landwirt offen.

Von Tilman Kortenhaus

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