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Delitzsch Maikis Bahnwelt: Ein Delitzscher hat es auf „Eisenschweine“ abgesehen
Region Delitzsch Maikis Bahnwelt: Ein Delitzscher hat es auf „Eisenschweine“ abgesehen
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11:29 25.07.2016
Die Kamera hat Maik Gutjahr am liebsten immer griffbereit, wenn er auf Tour geht.
Die Kamera hat Maik Gutjahr am liebsten immer griffbereit, wenn er auf Tour geht. Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

Die Foto-Aussichten sind gut. Ziemlich wahrscheinlich wird sich Maik Gutjahr also an diesem Wochenende wieder seine Kamera schnappen und losziehen. Er wird zum Unteren Bahnhof spazieren und mit der Nikon festhalten, was dort so auf dem Abstellgleis steht. Oder nach Leipzig fahren und entlang der Strecke schauen, was rollt. Maik Gutjahr ist bahnvernarrt.

Sein Vater ist es auch, sein Onkel auch. „Das färbt ab“, schmunzelt Maik Gutjahr. Da ist eine Modelleisenbahn das Mindeste. Der 35-Jährige machte sein Hobby zum Beruf, arbeitet seit einem Jahrzehnt in der DB-Fahrzeuginstandhaltung. Mit dem Zug, natürlich, fährt er jeden Tag zur Schichtarbeit in Dessau. Und beim Blick über den Bahnsteig und aus dem Fenster sieht der Hobby-Fotograf dann so manches schöne „Eisenschwein“ stehen, das einfach auf Speicherkarte gebannt werden muss – weil es ein Beispiel feinster Ingenieurskunst ist. Lokomotiven und Züge sammelt er, indem er sie fotografiert. „Wenn ich eine Lok noch nicht im Bestand habe, reizt mich das besonders“, erzählt der Delitzscher.

Aber nicht nur seltene Schienenschönheiten und ältere Modelle dokumentiert er, sondern auch moderne Triebwagen, denn die werden eines Tages zu alten „Eisenschweinen“. Inzwischen hat Maik Gutjahr seine eigene Facebook-Seite „Maikis-Bahnwelt“, dort zeigt er regelmäßig seine Streckensichtungen und gibt Tipps, wann Sonderzüge rollen. Viel positives Feedback bekomme er darauf. Dabei, betont er, geht die Sicherheit immer vor. Der Delitzscher hält stets Abstand zu den Gleisen, betritt höchstens stillgelegte. Am Unteren Bahnhof sieht er immer wieder mal Leute über die Gleise hechten, vielleicht weil sie den Weg abkürzen und Zeit sparen wollen. „Das regt mich schon auf“, erzählt er, „es passieren so viele Unfälle.“ Es ist ein Grund, warum er nicht Lokführer werden wollte. Und weil man die Familie da selten sieht, das Privatleben schwierig wird.

Lieber werkelt er an den schweren Maschinen herum, in der Instandhaltung kommen moderne Fahrzeuge genauso wieder zu Glanz wie Lokomotiven mit Baujahren auch noch vor seiner Geburt. „Wenn wir wieder so einen schönen alten Oldtimer geschafft haben, da geht einem schon das Herz auf“, sagt er. Es ist die Technik, die fasziniert. Oder eben die Strecke. Drum träumt er davon, eines Tages mal mit dem Orient-Express zu fahren. „Aber dafür muss ich noch einige Schichten arbeiten“, weiß er.

Von Christine Jacob