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Delitzsch Manfred Buchta berät in Delitzsch zu SED-Unrecht
Region Delitzsch Manfred Buchta berät in Delitzsch zu SED-Unrecht
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10:00 28.03.2019
Manfred Buchta berät in Delitzsch für den Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Manfred Buchta berät in Delitzsch für den Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Quelle: Heike Liesaus
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Delitzsch

Eine Beratungstag für Opfer SED-Unrechts war jetzt im Delitzscher Rathaus angesetzt. Manfred Buchta hielt die Sprechstunde im Auftrag des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Im Gespräch mit der LVZ erklärt er, warum diese Angebote nach wie vor wichtig sind.

Seit drei Jahrzehnten werden die Hinterlassenschaften der Staatssicherheit und des SED-Unrechts aufgearbeitet. Warum sind solche Sprechtage heute noch nötig? Geht es darum, die Betroffenen einfach nicht allein zu lassen?

Das auch. Kerngedanke sind die SED-Unrechtsbereinigungsgesetze, um Anspruch auf Rehabilitierung und Entschädigung. Die Betroffenen brauchen nach wie vor Beratung, ob geholfen werden kann und wie. Das wird noch einige Jahre nötig sein. Und es werden noch neue Fälle dazukommen.

Wie das?

Ein Großteil der Menschen redet erst nach einiger Zeit darüber. Ich hatte neulich eine Frau aus Zschopau, bei der es um eine Geschichte ging, die 1964 passiert ist. Es gibt Krankheitserscheinungen, die auf jene Zeiten zurückzuführen sind, denen erst jetzt nachgegangen wird. Oder es ist der Eintritt ins Rentenalter, bei dem festgestellt wird, dass es einen Bruch in der Erwerbsbiografie wegen eines Gefängnisaufenthaltes gibt.

Sie waren im Rathaus Delitzsch für die Sprechstunde vor Ort. Wie wurde das Angebot hier angenommen?

Gut. Es waren sieben Besucher da. Fragen gab es zum Beispiel zu Aufenthalten im Kinder- und Jugendwerkhof. Es wurden Anträge auf Einsicht in die Stasi-Akten gestellt. Es ging um Verfolgung an Schule und Universität, um Hinderung am Bildungsweg.

Brüche in der Bildungs- und Erwerbsbiografie gibt und gab es aus vielen anderen Gründen, wie sind sie SED-Unrecht zuzuordnen?

Es geht da nicht allein darum, dass jemand kein Abitur machen konnte. Manchen Menschen wurde übel mitgespielt, ihnen wurde einiges mehr in den Weg gelegt. Es ging um Zersetzung. Auswirkungen hatte auch der sogenannte „Assi-Paragraf“, der oft herangezogen wurde, um Menschen zu maßregeln, denen auf andere Weise nichts nachzuweisen war. Problematisch bei den Beratungen wird jetzt: Aufgrund des größeren Zeitfensters werden die Erinnerungen schwierig.

Und es gibt weniger Akten?

Die sind oft aus den 60er- und 70er-Jahren eher vorhanden als aus den 80ern. Vermutlich weil diese besser greifbar waren und vernichtet wurden.

Interview: Heike Liesaus

Manfed Buchta berät jeweils von 9 bis 17 Uhr am 2. April in Bad Düben, Rathaus, Markt 11, und am 11. April in Eilenburg, Begegnungsstätte der Volkssolidarität, Eckartstraße 24 a.

Von Heike Liesaus