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Delitzsch Misere im AZV Unteres Leinetal lähmt Poßdorf
Region Delitzsch Misere im AZV Unteres Leinetal lähmt Poßdorf
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08:00 15.05.2019
Die größten Arbeiten sind durch. Die Hebammenpraxis von Bettina Paubandt nimmt Gestalt an, doch beim Abwasser wird es eng. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch

Man kommt einfach nicht raus. Es geht nicht vorwärts, höchstens hin und her. Außer Abwarten bleibt nichts zu tun. Es fühle sich manchmal wie eine Geiselhaft an, sagen sie in Poßdorf.

Delitzsch will raus

Noch immer ist der Delitzscher Ortsteil, genau wie Spröda, Teil des Abwasserzweckverbandes Unteres Leinetal (AZVUL). Seit Jahren wird um den Austritt gerungen. Die Gemeinden Löbnitz und Schönwölkau wollen ein offizielles Austrittsgesuch. Delitzsch will erst wissen, ob sie die Ortsteile rauslassen. Die Gemeinden wollen das erst sagen, wenn der Antrag da ist. Delitzsch will ohne Zusage vorab diesen gar nicht stellen. Der „politische Kindergarten“, so nennen es Gemeinderäte, trifft am Ende die Bürger.

Vor einem Jahr hieß es, dass die Poßdorfer Kleinkläranlagen bauen sollen. Viele Jahre hieß es, dass das Dorf eine Ortskläranlage bekommen soll. Vor fünf Jahren noch wurde über eine Überleitung der Abwässer nach Delitzsch gesprochen und den Bürgern Baukostenzuschüsse für die Ortskläranlage in Aussicht gestellt. Wenig später gab es einen Brief, das Infoschreiben sei hinfällig. Vergangenes Jahr dann für die Poßdorfer plötzlich und überraschend die Aussage, dass die dezentrale Entsorgung über die privaten Kleinkläranlagen schon 2014 als wirtschaftlichste Lösung gegenüber einer Ortskläranlage ermittelt worden sei. Aufgrund der angespannten Finanz-Situation wurden die Investitionskosten 2018 erneut überprüft und die Kleinkläranlagen damit zur Lösung auserkoren.

Zeit wird knapp, Lösung nicht in Sicht

Theoretisch wäre nur bis Ende des Jahres, bei Fristverlängerung bis Ende 2020 Zeit. Gebaut wurde trotzdem noch nicht auf einem einzigen der knapp 30 Poßdorfer Grundstücke. Eine verbindliche Ansage nämlich fehlt. Das trifft alle im Dorf, manche wie Bettina Paubandt besonders. Die 52-Jährige ist selbstständige Hebamme und errichtet gerade in einem bis vor wenigen Jahren noch verwaisten Vierseitenhof, gefördert durch Leader-Gelder, eine Hebammenpraxis. Bis zu zehn Frauen können dort vor und nach der Geburt betreut werden. Zudem entsteht eine Wohn-WG für ältere Menschen. Im November muss die Praxis betriebsbereit sein. Mit Fristverlängerung müsste spätestens im Januar bei der Fördermittelstelle abgerechnet werden, Bettina Paubandt muss auch aus ihren alten Räumen in Delitzsch raus. Baulich passt alles, das Projekt liegt im Plan. Aber das Abwasser wird zum Problem. Sie kann nicht arbeiten, wenn der Betrieb nicht angeschlossen ist. Andererseits kann sie es sich auch nicht leisten etwas zu bauen, was dann eventuell zurückgebaut werden muss. Niemand kann sich das leisten. 2018 wurde vom AZVUL mit Baukosten in Höhe von zirka 4000 bis 5000 Euro pro Kleinkläranlage eines Haushalts mit vier Personen gesprochen. Aufgrund des Grundwasserwiederanstiegs müssten die Anlagen doppelwandig errichtet werden, zudem müssen sie auch für schwere Lkw überfahrbar gestaltet werden – die Kosten steigen.

Hoffen auf den AZV Delitzsch

Verbandsvorsitzender Volker Tiefensee (CDU) sicherte in der letzten Verbandsversammlung zu, sich zeitnah mit dem Delitzscher OBM treffen, nochmals mit ihm über den Austritt reden und dann Verbindlichkeit schaffen zu wollen. Es ist und bleibt die große Hoffnung vieler Poßdorfer, dass mit einem Austritt aus dem AZVUL und einem Übergang zum Delitzscher AZV die Kleinkläranlagen vom Tisch kommen könnten. Ob das so klappt, ist nicht gesagt. Auch da gibt es keine Verbindlichkeit, keine definitiven Aus- und Zusagen. Da die Hoffnung aber zuletzt stirbt, baut nach wie vor keiner der Poßdorfer.

Von Christine Jacob

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