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Delitzsch Nordsachsen fühlen mit den Menschen in Frankreich
Region Delitzsch Nordsachsen fühlen mit den Menschen in Frankreich
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14:37 16.04.2019
Rauch steigt von der brennenden Kathedrale Notre-Dame auf. Nach dem verheerenden Brand am Montagabend in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sind die Flammen komplett gelöscht.
Rauch steigt von der brennenden Kathedrale Notre-Dame auf. Nach dem verheerenden Brand am Montagabend in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sind die Flammen komplett gelöscht. Quelle: Oleg Cetinic/AP/dpa
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Nordsachsen / Paris

Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame herrschten gestern auch in Nordsachsen Entsetzen und Mitgefühl vor. Die Katastrophe in Frankreich macht betroffen.

Superintendent hofft auf Wiederaufbau

Superintendent Mathias Imbusch habe mit großer Bestürzung die schrecklichen Bilder aus Paris gesehen. „Ich bin erschüttert von dem Brand in Notre-Dame – die Kirche ist ein Symbol des christlichen Glaubens in Frankreich und weltweit. Ich bin in Gedanken bei unseren Freunden in Frankreich und ich hoffe, dass das Gotteshaus wieder aufgebaut werden kann.“

Brandschutz und Gebäudesicherheit in den Gotteshäusern des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch steht im Fokus von Kontrollen, die nach einem vorgegebenen Rhythmus anstehen. „Wir haben einen Beauftragten für Arbeitssicherheit, der nach bestimmten Vorgaben Begehungen durchführt“, sagt Annegret Arnold, Amtsleiterin im Kreiskirchenamt Eilenburg. Dabei gehe es zum einen um Arbeitssicherheitsaspekte und Unfallgefahren wie Stolperfallen oder lose Teile. Geschaut werde aber auch, ob der Brandschutz gewährleistet ist, ausreichend funktionierende Feuerlöscher vorhanden sind. Primär seien die jeweiligen Kirchengemeinden zuständig, das Amt unterstütze aber jederzeit. Im Kirchenkreis gibt es derzeit 133 Kirchen.

Menschenrettung ist das A und O

Für Kreisbrandmeister Ingo Weber ist in einem solchen Ernstfall wie in Paris die Menschenrettung das A und O. Dann geht es darum, Schaden zu minimieren – und zwar von außen. Bei den Holzkonstruktionen alter Kirchen muss man, und das hat man im Falle Notre-Dame gesehen, immer auch mit Einstürzen und Teileinstürzen rechnen, man kann keine Einsatzkraft und ihr Leben riskieren. Es geht so vor allem um Schadensbegrenzung von außen, ein Innenangriff ist kaum zu wagen. Gleichfalls muss nämlich darauf geachtet werden, dass man nicht zu viel Wasserschaden anrichtet – das gilt generell, erst recht bei diesen historischen Gütern.

Kirchen sind laut Weber in die Brandverhütungsschauen aufgenommen und so sollten offensichtliche Mängel im Brandschutz abgestellt werden können. Unabhängig davon sollten Feuerwehren – und das tun sie bereits – wie bei anderen Objekten auch, auch ohne Ernstfall schauen, wie die Anfahrtswege sind, wo und wie die Wasserversorgung sichergestellt werden kann, wo sich also Hydranten befinden. Sie sollten schauen, wo Möglichkeiten zum Anleitern sind und auf andere einsatztaktische Fragen blicken.

Symbol der Kulturgeschichte Frankreichs

Auch der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) hat die Nachrichten „mit großem Schrecken“ aufgenommen. In einem Schreiben an seine Amtskollegin Michèle Picard in der Partnerstadt Venissieux (bei Lyon) heißt es: „Wir möchten unseren französischen Freunden versichern, dass wir wissen, wie stark der Verlust die Menschen trifft.“ Die Pariser Kathedrale sei auch „für die Oschatzerinnen und Oschatzer ein Symbol der reichen Kulturgeschichte Frankreichs“. Kretschmar abschließend: „Wir wünschen allen Franzosen den Mut und langen Atem, der für den Wiederaufbau nötig ist.“

Am 7. September 1842 erlebten die Oschatzer ein ähnliches Inferno wie jetzt die Pariser mit ihrer Kathedrale Notre-Dame. Bei einem großen Stadtbrand wurde die Oschatzer St. Aegidienkirche zerstört und danach innerhalb von sieben Jahren wieder aufgebaut.

Kirchen mit Blitzschutz ausgerüstet

Die Oschatzer Kirchgemeinde versucht heute, sich so gut wie möglich vor solchen Katastrophen zu schützen. „Unsere Kirchen sind mit Blitzschutz ausgerüstet. Wir achten darauf, dass kein brennbares Material auf den Kirchböden lagert und es einen einfachen Zugang für die Feuerwehrleute gibt“, sagt der Oschatzer Pfarrer Christof Jochem. Dennoch sei es nicht auszuschließen, dass es zu einem Kirchenbrand kommen könne. So wie im Vorjahr, als ein Blitz in die Klosterkirche eingeschlagen sei, zum Glück aber nur einen kleinen Brand verursacht habe.

Ernstfall geprobt

Vor fünf Jahren probte die Oschatzer Feuerwehr schon mal den Ernstfall. Angenommenes Szenario: In der Türmerwohnung in etwa 50 Meter Höhe brennt es, ein verletzter Mensch muss aus dem Südturm der St. Aegidienkirche geborgen werden. „Unsere Pumpen haben es geschafft, das Wasser bis da hoch zu bringen. Und wir haben den Verletzten – eine Puppe – durch den Glockenstuhl abgeseilt. Das hat alles gut geklappt“, erinnert sich der Oschatzer Wehrleiter Lars Natzke an den außergewöhnlichen Einsatz.

Von Kathrin Kabelitz, Christine Jacob und Frank Hörügel