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Delitzsch Nordsachsen: Vize-Landrat Ulrich Fiedler geht in Rente
Region Delitzsch Nordsachsen: Vize-Landrat Ulrich Fiedler geht in Rente
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20:27 30.12.2017
Ulrich Fiedler (65), Vize-Landrat in Nordsachsen, geht in den Ruhestand.
Ulrich Fiedler (65), Vize-Landrat in Nordsachsen, geht in den Ruhestand. Quelle: Ditmar Wohlgemuth
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Nordsachsen

Sicher werde er bei der einen oder anderen Sache schmunzeln, wenn er künftig auf einem der Gästestühle Sitzungen des Kreistages verfolgen wird. Mit diesen Worten verabschiedete sich Ulrich Fiedler, der 1. Beigeordnete des nordsächsischen Landrates, von den Kreistagsabgeordneten. Zum Jahreswechsel wird der 65-Jährige aus dem Dienst ausscheiden und in den Ruhestand gehen. Ein Mann, der vor 27 Jahren im Landratsamt Delitzsch anheuerte, ohne zu wissen, „was auf mich zukommen wird“. Ein Mensch, der als Verantwortungsträger viele heiße Schlachten geschlagen hat und über dessen Tisch alle Großvorhaben im Landkreis gingen. Der Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle, die Abwehr einer Sondermülldeponie, Gebietsreformen oder die Abfallentsorgung sind nur einige Stichworte. Die Abfallentsorgung betreffend ist er froh, zum Ende seiner Dienstzeit eine Lösung mit geringeren Gebühren für die Bürger mit auf den Weg gebracht zu haben.

93 Kreistagssitzungen

Seit seiner Berufung zum Dezernenten hat Ulrich Fiedler zu keiner Kreistagssitzung gefehlt. 93 waren es insgesamt. „Allerdings war es ihm nicht vergönnt einen Kreistag zu leiten“, berichtet Landrat Kai Emanuel (parteilos). Dafür aber viele Ausschusssitzungen. Dreimal leistete er in seiner Dienstzeit in der Kreisverwaltung den Eid als Beigeordneter. Als Glück bezeichnet Fiedler für sich, dass er seinen erlernten Beruf mit zum Gegenstand seiner Arbeit machen konnte, denn naturwissenschaftlich-technische Zusammenhänge und Vorgänge faszinieren den Diplom-Ingenieur für Leistungselektronik bis heute.

Vor der politischen Wende arbeitete Ulrich Fiedler im Braunkohlenkombinat Bitterfeld-West als Invest-Bauleiter. „Dort habe ich gesehen, welche Anstrengungen notwendig sind, um Kohle in unserem Revier zu gewinnen, und das dies marktwirtschaftlich nicht funktionieren kann. Deshalb war mir zur Wende klar, dass ich mir etwas Neues suchen muss“, erinnert er sich an diese Zeit. „An der Neugestaltung wollte ich teilnehmen.“ Und weil er ein politisch interessierter Mensch ist, gehörte er am 6. Januar 1990 mit Siegfried Schönherr und Theo Arnold zu den Gründern der SPD in Delitzsch. Ebenso gehörte er zu der Gruppe um Michael Czupalla, Ullrich Schönberg, Gerd Raschpichler und Roland Kirsten, die sich mit dem Aufbau der neuen Verwaltung beschäftigte. „Viel Unterstützung erhielten wir vom Landkreis Schwäbisch Hall. Von dort haben wir auch einige Strukturen adaptiert.“

Erste Herausforderung

Im Landratsamt Delitzsch, in dem er am 15. Juli 1990 als Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung begann, hat er sich beworben, „weil ich aus meiner Tätigkeit in der Grube wusste, was notwendig ist, um beispielsweise Gewerbegebiete zu entwickeln“, war er doch im Tagebau für die entsprechende Infrastruktur zuständig. Die erste große Herausforderung waren die Gewerbegebiete Wiedemar und Delitzsch Südwest. 1993 ging es dann darum, im Landkreis Delitzsch den Bau einer Sondermülldeponie zu verhindern. Der Zufall wollte es, das Fiedler mit Hartmut Grabmann ebenfalls einen Bergmann zur Seite hatte, der nicht nur die Geologie in der Region kannte, sondern auch wusste, dass unter dem geplanten Standort bei Kölsa die sogenannte Lissaer Rinne verläuft und damit wegen des durchlässigen Untergrunds das Thema vom Tisch war.

Fest eingeprägt haben sich ihm die Kreis- und Gebietsreformen und die dafür notwendigen unzähligen Gespräche. Gern erinnert er sich, weil es Spaß gemacht hat, obwohl es auch gefrustet hat, auch an den Bau des Heide Spa in Bad Düben. „Wir waren zwei Jahre im Verzug und hatten deshalb Probleme, die Fördermittel zu verbauen.“

Rechtsgültige Entscheidungen

Bis zuletzt begleiteten ihn schwierige Prozesse wie das Vogel- und Naturschutzgebiet am Werbeliner See. „Wir als Verwaltung müssen Gesetze durchsetzen und dabei jeden gleichbehandeln. Der Maßstab lautet: rechtsgültige Entscheidungen treffen!“ Dabei wurmt ihn jedes verlorene Verwaltungsverfahren, denn das bedeutet, dass „der Bescheid nicht in Ordnung ist, wir nicht gut gearbeitet haben“. Politische Entscheidungen, das heißt Gesetze, die lange vor der eigentlichen Verwaltungsarbeit durch Bund oder Freistaat verabschiedet werden, den Bürgern zu erklären, sei hingegen nicht allein nur seine, sondern insbesondere auch die Aufgabe der Politiker vor Ort, so der scheidende Dezernent und Beamte auf Zeit.

Das Landratsamt verlässt er mit einem lachenden Auge, weil er Spaß hatte, den Landkreis mitzugestalten. Schwer falle es ihm, weil er in viele Funktionen und Prozessen eingebunden sei. Im Ruhestand will er sich zunächst wieder stärker seinem Hobby, der Elektronik, widmen. Und auch in der Ortsfeuerwehr Klitschmar will er sich als langjähriges Mitglied künftig wieder etwas öfters sehen lassen. Im Landratsamt Nordsachsen übernimmt ab Januar Fiedlers Nachfolger Eckhard Rexroth (CDU) die Beigeordnetenstelle.

Von Thomas Steingen