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Delitzsch Nordsachsens politische Landkarte im Wandel
Region Delitzsch Nordsachsens politische Landkarte im Wandel
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17:34 02.09.2019
Nordsachsen Wahlkreissieger 2019 Quelle: Patrick Moye
Nordsachsen

Nordsachsens politische Landkarte hat sich verändert. Bei den Landtagswahlen am Sonntag hat die CDU nur zwei Direktmandate im Landkreis gewonnen. Das dritte Direktmandat ging an die AfD, die zudem in mehreren Gemeinden bei den Listen- beziehungsweise Zweitstimmen vorn lag.

Im Wahlkreis 34 (Region Delitzsch) konnte CDU-Kandidat Jörg Kiesewetter sein Mandat verteidigen, im Wahlkreis 35 (Region Eilenburg) lag am Ende der Leipziger Sebastian Gemkow vorn. Im Osten des Landkreises, im Wahlkreis 36 (Region Oschatz/Torgau), konnte dagegen die AfD-Direktkandidatin Gudrun Petzold den CDU-Bewerber und ehemaligen Leipziger Polizeichef Bernd Merbitz auf Platz zwei verweisen. Bemerkenswert ist dies auch, weil die CDU bei den Listenstimmen im Wahlkreis 36 vor der AfD lag.

Dramatische Verluste für Linke und SPD

Letzteres trifft übrigens für alle drei Wahlkreise zu, auch wenn die CDU im Vergleich zur Landtagswahl 2014 starke Verluste hinnehmen musste. Dramatisch verloren haben im Landkreis auch Linke und SPD; bei den Linken hat sich der Stimmenanteil sogar mehr als halbiert. Die Grünen legten etwas zu, vom Höhenflug der Öko-Partei bei vorangegangenen Wahlen war allerdings in Nordsachsen nichts zu spüren. Die Freien Demokraten und die Freien Wähler kamen beide im Landkreis nicht über fünf Prozent. Keine Rolle mehr spielte die NPD, die in den Wahlkreisen in Nordsachsen zwischen 0,5 und 1,1 Prozent erzielte und damit übrigens in allen drei Regionen noch hinter die Tierschutzpartei (zwischen 1,4 und 1,8 Prozent) rutschte.

Erleichterung bei der CDU

Völlig überraschend kam der Aufstieg der AfD nicht. Nach den Kommunal- und Europawahlen im Frühjahr waren in der CDU die Befürchtungen groß. So konnte der nordsächsische Bundestagsabgeordnete Marian Wendt (CDU) auf der Wahlparty seiner Partei in Bad Düben dann auch erklären, dass die CDU in Sachsen „ein gutes Ergebnis“ eingefahren habe. Dies zeige, „dass es sich lohnt zu kämpfen“.

Leichte Nervosität war auch bei CDU-Kandidat Jörg Kiesewetter zu spüren, der die Hochrechnungen und die Auszählung ebenfalls auf der Wahlparty im Hotel National in Bad Düben verfolgte. Gegen 21.40 Uhr war dann klar, dass er seinen Wahlkreis Delitzsch und Umgebung gewonnen hat. „Jetzt fällt mir ein Stein vom Herzen. Es war eine Zitterpartie. Dass es an manchen Stellen so knapp war, das hätte ich nicht erwartet.“

Zu diesem Zeitpunkt musste Sebastian Gemkow, der ebenso nach Bad Düben gekommen war, noch zittern. Denn die Auszählung der Städte Taucha und Eilenburg ließ auf sich warten und in den Gemeinden Doberschütz, Mockrehna, Dommitzsch und Elsnig lag die AfD vorn. Minuten später war dann auch Gemkows Wahlkreis vollständig ausgezählt – und er stand als Gewinner fest. „Das ist ein Krimi gewesen. Wahnsinn“, so der 41-Jährige. „Schön, dass wir das geschafft haben. Das ist gut für unser Land.“

Petzold sieht AfD in Führungsrolle

Gudrun Petzold (AfD) Quelle: AfD Sachsen

Eine Zitterpartie war die Wahl auch im Wahlkreis Torgau-Oschatz. AfD-Politikerin Gudrun Petzold erhielt ihre Siegesnachricht während einer Wahlparty der Partei bei einer Schifffahrt auf der Elbe. Dies sei ein „guter Sieg für die Demokratie“, sagte sie. Die Torgauer und Oschatzer hätten gewusst, dass sie mit ihr einer Bürgerrechtlerin zum Wahlsieg verhelfen. Am Tag nach der Wahl fügte sie dann hinzu, dass es sie stolz mache, „dass viele Leute ganz bewusst Petzold gewählt haben“. Ihr gradliniger Kurs habe sich ausgezahlt – „man kann nicht jedermanns Freund sein.“ Gespannt schaut Gudrun Petzold nun auf die kommende Regierungsbildung. Sachsen habe konservativ-bürgerlich gewählt, sagt sie: „CDU und AfD stehen beinahe gleichauf nebeneinander. Dahinter steht ein Wählerwille, der beachtet werden sollte.“ Die Bürger würden zum einen in die Stärke der alten Volkspartei vertrauen, wünschten sich auf der anderen Seite aber auch die junge Partei AfD in der Führungsrolle, die ja mit Blick auf große Teile des Personals aus der CDU heraus geboren sei.

Ein Lob sprach sie den beiden anderen AfD-Kandidaten aus, die im Landkreis um eine Direktmandat gestritten hatten. René Bochmann habe im Wahlkreis 35 einen guten Wahlkampf geliefert, mit dem amtierenden Justizminister Gemkow jedoch einen sehr starken Gegner gehabt. „Er ist natürlich dennoch enttäuscht.“ Als dritter Direktkandidat der AfD in Nordsachsen war Roland Ulbrich in der Region Delitzsch angetreten, blieb jedoch deutlich hinter Jörg Kiesewetter. In den Landtag zieht der AfD-Politiker dennoch ein – über die Landesliste seiner Partei. Ulbrich hatte übrigens im Leipziger Rathaus bei einer Wahlparty seiner Partei mitgefeiert. „Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden“, erklärte er dabei mit Blick auf das Abschneiden der AfD.

Linke-Kandidat: „Desaströse Scheiße“

Lange Gesichter gab es dagegen bei Linken und SPD. „Desaströse Scheiße“, so die spontane Reaktion von Christian Stoye, Kandidat der Linken in der Region Delitzsch, auf die ersten Hochrechnungen am Sonntagabend. „Wir müssen uns jetzt alle fragen, wohin wir uns gesellschaftlich bewegen wollen.“ Es sei ein Weckruf, so der 24-Jährige. „Es wird spannend, wie mit dem Ergebnis eine Regierung gebildet wird – und welche Koalition die CDU jetzt eingeht.“

„Mich überrascht das SPD-Ergebnis nicht“, sagte Heiko Wittig. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im nordsächsischen Kreistag mahnt an, dass seine Partei im Wahlkampf die falschen Themen besetzt habe und im Zweikampf zwischen CDU und AfD aufgerieben worden sei. In seiner ersten Analyse bemängelt er zudem, dass die Sachsen-SPD zu wenige Führungsleute an der Basis habe. Leider habe sich die gute Politik der zurückliegenden Jahre nicht im Wahlergebnis wiedergefunden. „Man kann nur sagen, dass es sowohl in Brandenburg als auch in Sachsen eine Ministerpräsidentenwahl war.“ Er hoffe, „dass wir eine stabile Regierung aus CDU, Grünen und SPD bilden können“, so Wittig weiter. Dann sei das Minimalziel erreicht.

Czupalla: CDU hat die Wahl gewonnen

Nordsachsens Ex-CDU-Landrat Michael Czupalla betonte: „Die CDU hat die Wahl gewonnen. Das ist das große Verdienst von Ministerpräsident Michael Kretschmer. Die CDU hat jetzt den ganz klaren Regierungsauftrag, und das ist die Zukunft für Sachsen.“ Auch Nordsachsens Stadtchefs schauen nun nach Dresden. „Das Wahlergebnis selbst überrascht mich nicht“, so der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) am Wahlabend. „Interessant wird jetzt die Regierungsbildung.“ Viel Positives sei zuletzt angeschoben worden, beim Thema Infrastruktur beispielsweise. „Aber das ist ja nicht so das Thema der Grünen. Wir müssen sehen, wie es weitergeht.“ Astrid Münster (Freie Wähler), Bürgermeisterin von Bad Düben, erklärte, es beruhige sie, dass die CDU stärkste Partei geworden sei. Aber viele Wähler hätten taktisch gewählt.

Volkmar Winkler nicht mehr dabei

Nicht im neuen Landtag vertreten ist übrigens Volkmar Winkler, der ehemalige Bürgermeister von Sornzig-Ablass und später Mügeln, der in der vergangenen Legislaturperiode ein SPD-Landtagsmandat hatte. Dass Winkler kein Direktmandat der SPD holt, war im Vorfeld klar. Allerdings hatte er mit Platz 12 einen recht aussichtsreichen Platz auf der SPD-Landesliste. Ein Abschneiden der SPD von rund 9,5 Prozent bei der Landtagswahl hätte gereicht, dass Winkler in den Landtag einzieht. Doch das Ergebnis der SPD war niedriger.

Von LVZ

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