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Delitzsch Notarztwagen in Nordsachsen immer häufiger unbesetzt
Region Delitzsch Notarztwagen in Nordsachsen immer häufiger unbesetzt
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11:13 08.08.2018
Der Notarzt ist oft die Rettung für schwer verletzte Personen oder schwerkranke Patienten. Doch die Dienste sind immer schlechter besetzt. Quelle: Foto: dpa
Nordsachsen

Ist die Notarztversorgung in Nordsachsen in Not? Fast 300 Notarztdienste konnten im vergangenen Jahr nicht besetzt werden, 2014 waren es nur 36. Besonders prekär ist die Situation momentan in Oschatz. Das erstaunt besonders, weil es in der Collm Region, die Klinik in Oschatz, die medizinischen Einrichtungen auf Schloss Hubertusburg und die Kliniken in Schmannewitz gibt.

Oschatz besonders betroffen

Die Stadt ist einer von sieben Notarztstandorten im Landkreis. Jährlich sind an den Standorten jeweils 730 Dienste zu besetzen, wobei ein Dienst zwölf Stunden entspricht. Jährlich also sind in Nordsachsen 5110 Dienste zu besetzen – in 286 Fällen ist das 2017 nicht gelungen. 91 Dienste konnten in Oschatz nicht besetzt werden, in Delitzsch waren es 55 unbesetzte Dienste, in Schkeuditz nur 4 Stück. Die Besetzungsquote der Notarztdienste und -wagen, der sogenannten Notarzteinsatzfahrzeug (NEF), betrug damit 94,4 Prozent. Im laufenden Jahr sieht es nicht nach einer Besserung der Situation aus: Im ersten Halbjahr 2018 konnten nach derzeitigen Erkenntnissen 133 Notarztdienste an den sieben Notarztstandorten im Landkreis Nordsachsen nicht besetzt werden. Perspektivische Aussagen zur Besetzungssituation sind laut Landratsamt nicht möglich, „da Notarztdienste sowohl planerisch langfristig, als auch operativ kurzfristig durch Notärzte besetzt werden.“

286 Dienste unbesetzt

Im vergangenen Jahr konnten 286 von insgesamt 5110 Notarztdiensten in Nordsachsen (1 Dienst = 12 Stunden) nicht besetzt werden. Sieben Standorte gibt es, diese wurden wie folgt nicht besetzt:

1) Oschatz: 91 Dienste unbesetzt

2) Taucha: 63,5 Dienste unbesetzt

3) Delitzsch: 55 Dienste unbesetzt

4) Torgau: 43 Dienste unbesetzt

5) Schkeuditz: 4 Dienste unbesetzt

6) Eilenburg: 17,5 Dienste unbesetzt

7) Wermsdorf: 12 Dienste unbesetzt

Generell sind in Sachsen die Krankenkassen über die Arbeitsgemeinschaft Notärztliche Versorgung (ARGE NÄV) verantwortlich für die Besetzung der Dienstpläne an den einzelnen Notarztstandorten. Die NEF-Lücken können aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen. Zunächst einmal beruht die Teilnahme am Notarztdienst im Freistaat Sachsen auf dem Freiwilligkeitsprinzip. Mindestens 80 Prozent der tätigen Notärzte arbeiten hauptberuflich als angestellte Ärzte in einem Krankenhaus und nehmen zusätzlich in ihrer Freizeit freiwillig am Notarztdienst teil. „Die stetig wachsende Arbeitsverdichtung, sowohl in den Kliniken als auch in den Vertragsarztpraxen, führt dazu, dass Notärzte seltener zusätzliche Dienste übernehmen als in der Vergangenheit“, heißt es aus dem Landratsamt. Weiterhin wirkt sich auch die ärztliche Personalfluktuation an Krankenhäusern unmittelbar und teilweise sehr kurzfristig auf die Dienstbesetzung im Notarztdienst aus.

Fristen nicht eingehalten

Grund zur Panik soll nicht bestehen: Im Fall eines unbesetzten Notarztdienstes oder wenn zeitgleich zwei Notfälle mit Notarztbedarf eintreten werden die Einsätze durch Nachbarstandorte kompensiert. Eine Versorgung der Bevölkerung sei zu jeder Zeit gesichert. In Sachsen ist eine Hilfsfrist von zwölf Minuten bei der Notfallrettung gesetzlich vorgegeben, die durch das erste eintreffende Fahrzeug erfüllt wird. Die Eintreffzeit des Notarztes mit dem NEF ist nicht definiert. In Nordsachsen klemmt es auch bei der Notfallrettung. Die Frist von zwölf Minuten traf aktuellen Zahlen zufolge in den Jahren 2016/17 nur noch in rund 75 Prozent der Fälle zu. 2015 lag die Zahl noch bei 90 Prozent. Zielvorgabe seien indes 95 Prozent. Der Luftrettungsdienst ergänzt und unterstützt den bodengebundenen Rettungsdienst zudem. Flugwetter vorausgesetzt, stehen die Rettungshubschrauber zur Verfügung. Insgesamt, nicht nur als „Ersatz“ für die Retter am Boden, gab es 2017 genau 653 solcher Einsätze, im ersten Halbjahr 2018 bereits 249.

Von Christine Jacob

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