Österreich-Rückkehrer setzt in Delitzsch auf E-Bikes
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Österreich-Rückkehrer setzt in Delitzsch auf E-Bikes

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10:39 13.09.2021
Sebastian Brauer repariert und verkauft E-Bikes in Delitzsch. Ist aber auch als Konstrukteur tätig.
Sebastian Brauer repariert und verkauft E-Bikes in Delitzsch. Ist aber auch als Konstrukteur tätig. Quelle: Heike Liesaus
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Delitzsch

Sebastian Brauer ist je nach Betrachtung zweigleisig oder zweirädrig unterwegs. Der 32-Jährige aus Schenkenberg hat nach dem Studium fünf Jahre lang in der Entwicklung von Straßenmotorrädern eines Herstellers in Österreich gearbeitet. Dann ist er lieber in die alten Heimat zurückgekehrt. Weil sich beruflich in der Corona-Zeit erstmal nichts Passendes auftat, hat er sich selbstständig gemacht. Unter dem Projekt-Titel E-Rides dreht sich’s seit April um elektromobile Zweiräder, verbindet er Handwerk und Konstruktion.

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Da ist zum einen die mobile Werkstatt. Über den Winter hat er einen Transporter-Anhänger dazu ausgebaut. Er fährt zu Zweirad-Events, wo der Service gebraucht wird. Er ist zudem mit Betrieben in der Region im Gespräch, wo er seine Werkstatt aufbaut. Morgens können Mitarbeiter ihre Räder bei ihm abgeben, nach Dienstschluss durchgecheckt mitnehmen. Zum anderen konstruiert er weiter freiberuflich Zweiräder und Komponenten als Freelancer für andere Unternehmen.

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Die Idee der mobilen Werkstatt entwickelte er, weil er kein Fahrradgeschäft, das von 8 bis 18 Uhr geöffnet ist, betreiben wollte. „Außerdem hätte ich mit der Mobil-Werkstatt auch keinen Meisterbrief gebraucht“, merkt er noch an. Zweirad-Erfahrung hat er reichlich. Vor 2019 ist er noch im Supermoto-Grenzlandcup-Rennen und ein paar Jahre zuvor in der Deutschen Meisterschaft mitgefahren. Als Jugendlicher hat er schon an Mopeds geschraubt. Nach der Lehre als Mechatroniker in Halle hatte er das Maschinenbau-Studium in Stuttgart abgeschlossen. Die Berechtigung einen stationären „Fachbetrieb der Zweirad-Innung“ zu führen, hat er nun trotzdem. „Die Prüfung habe ich noch im Februar gemacht“, erzählt er. Dank seines Studien-Abschlusses waren die Lehrgänge der Meisterschule nicht nötig.

Sven Brauer will mit E-Bikes wieder in der alten Heimat Delitzsch Fuß fassen. Er hütet sowohl seine Super-Moto-Maschine als auch Schwalbe, die älter ist als er selbst. Quelle: Heike Liesaus

Für den Arbeitsweg von Schenkenberg nach Delitzsch nutzt er selbst gern das Bio-Bike. So nennt die Szene die ganz normalen Fahrräder ohne elektrische Verstärkung. Freisportlich ist er eher mit Mountain-E-Bikes unterwegs, auf die er auch seine Werkstatt ausgerichtet hat und die er auch vertreibt. Der Werkstatt-Hänger parkt in einer leerstehenden Garage des DRK, die er anmieten konnte. Als Feuerwehrmann in Schenkenberg hatte er auf kurzem Weg davon erfahren. Für die Konstrukteursarbeit ist das Büro in der Poststraße da.

Viele Gründe umzusteigen

Voriges Wochenende war er auf der Messe Eurobike in der Delitzscher Partnerstadt Friedrichshafen. Dort lag der Fokus auf E-Bike und Lastenrädern. Von Verhältnissen wie in Österreich, wo nur noch 10 Prozent der verkauften Fahrräder ohne E-Antrieb sind, ist Delitzsch sicher weit entfernt. Doch es gibt viele Gründe umzusteigen. Wer überlegt, mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln, hat dank höherer Reichweite eine niedrigere Hemmschwelle. Unsportlich seien E-Bikes nicht. Aber wie beim Abfahrtsski lässt sich auch der Mountainbiker gern auf dem Weg bergauf unterstützen.

Von Heike Liesaus