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Delitzsch Pilotprojekt in Delitzsch: Bereitschaftspraxis soll Klinik-Notaufnahme ersetzen
Region Delitzsch Pilotprojekt in Delitzsch: Bereitschaftspraxis soll Klinik-Notaufnahme ersetzen
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08:47 15.12.2017
Notfallaufnahmen sollen Notfällen, also Patienten mit lebensbedrohlichen Beschwerden, vorbehalten blieben. Für alle andere könnte es bald Bereitschaftspraxen an den Kliniken geben. Quelle: Volkmar Heinz
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Nordsachsen

Kliniken beklagen mehr denn je, dass ihre Notaufnahmen mit Bagatellfällen überlastet sind, die Kosten in die Höhe getrieben werden. Eine Entwicklung, der die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen offensiv entgegensteuern will, wie auch vom Gesetzgeber gefordert. Nordsachsen wird deshalb ab dem 1. Juli 2018 zu einer Pilotregion, die sich vor allem auf die Bereiche Delitzsch, Eilenburg und Bad Düben erstreckt. Dies teilte auf Anfrage dieser Zeitung Ingo Mohn, Pressesprecher der KV Sachsen mit. Ab Mitte des Jahres werde es Bereitschaftspraxen an den Kliniken geben.

Bereitschaft zur Zusammenarbeit

Erste Gespräche beispielsweise mit der Klinikleitung in Delitzsch habe es bereits gegeben. Die Bereitschaft, eine Bereitschaftspraxis in Delitzsch zu schaffen, sei aus Sicht der KV vorhanden, so dass der Termin des Starts durchaus realistisch sei. „Die Bereitschaft zur Kooperation muss unserer Meinung nach auf beiden Seiten bereits vor dem Start als Voraussetzung für gemeinsame Leistungen vorhanden sein“, betonte der KV-Sprecher. Er geht zudem davon aus, dass diese Praxen durch die Bevölkerung gut in Anspruch genommen werden.

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Höhere Fallzahlen als gedacht

Einen Start des Modellprojekts habe es bereits Anfang des Jahres gegeben. Am Krankenhaus in Niesky wurde eine Bereitschaftspraxis eingerichtet. Eine erste Analyse habe ergeben, dass die Fallzahlen deutlich höher sind als die von der KV Sachsen vorgenommene Kalkulation. „Das heißt: Die Praxis wird sehr gut von der Bevölkerung angenommen“, sagte Ingo Mohn.

Eine Bereitschaftspraxis bietet die Möglichkeit, an Wochenenden, Brücken- und Feiertagen Patienten zu behandeln. Damit werde die ambulante medizinische Versorgung an diesen besonderen Tagen neu geregelt. Es entfalle damit auch der Praxisdienst in wechselnden Praxen.

Praxen sind zentrale Anlaufstelle

In diesen Praxen sollen nicht lebensbedrohliche Beschwerden wie zum Beispiel hohes Fieber oder starke Schmerzen behandelt werden, die nicht bis zum nächsten möglichen Arztbesuch warten können. Bislang haben diese Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufgesucht. „Mit den Bereitschaftspraxen gibt es dann eine zentrale Anlaufstelle für Patienten. Damit wird eine bedarfsgerechte Behandlung der Patienten sichergestellt, bei der unnötige stationäre Einweisungen vermieden werden können, was wiederum zu einer Entlastung der Notaufnahmen der Krankenhäuser führt“ betonte Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen.

Dienstfrequenz stabil halten

Die KV Sachsen geht davon aus, dass mit der engen Verzahnung von Krankenhaus und ambulant tätigen Ärzten erreicht wird, dass Patienten der für sie richtigen Versorgungsebene zugewiesen werden. Als Nebeneffekt erwartet sie zudem, dass die Dienstfrequenzen der Ärzte im Bereitschaftsdienst stabil gehalten werden. Auch die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern könne zu einer Entlastung der niedergelassenen Ärzte beitragen.

„Wenn wir uns als Klinik in diesem zukünftigen System engagieren, dann nur in enger Zusammenarbeit mit den ambulant tätigen ärztlichen Kollegen“, machte Steffen Penndorf, Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Delitzsch, diesbezüglich auf Anfrage deutlich.

Von Ditmar Wohlgemuth