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Delitzsch Urteil im Kinderschänder-Prozess: Sechs Jahre Haft für Angeklagten
Region Delitzsch Urteil im Kinderschänder-Prozess: Sechs Jahre Haft für Angeklagten
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19:17 13.05.2019
Der Angeklagte vor dem Landgericht. Quelle: Diemo Wolf
Leipzig/Eilenburg

Im Verfahren gegen den mutmaßlichen Kinderschänder Reiner B. (Name geändert) hat die zweite Strafkammer des Landgerichts Leipzig unter Vorsitz von Richter Michael Dahms ein Urteil gefällt. Der Angeklagte ist nach Ansicht des Gerichts schuldig der sexuellen Nötigung von Minderjährigen in drei Fällen, des Besitzes von kinderpornografischen Schriften und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen. Eine der Reiner B. vorgeworfenen Straftaten hatte sich in Eilenburg ereignet.

Der gelernte Speditionskaufmann ist Wiederholungstäter und einschlägig vorbestraft. Für die nun vorm Landgericht verhandelten Taten soll er eine Freiheitsstrafe in Höhe von sechs Jahren erhalten. Zudem soll er nach dem Verbüßen dieser Strafe in Sicherungsverwahrung bleiben.

Psychiatrisches Gutachten

Während der Verhandlung hatte ein psychiatrischer Gutachter festgestellt, dass der Angeklagte voll schuldfähig ist und darüber hinaus eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er werde höchstwahrscheinlich wieder in alte Verhaltensmuster rutschen, auch wenn der Angeklagte beteuerte, jetzt, nach mehrmonatiger U-Haft, auf dem richtigen Weg zu sein, betonte der Psychiater. Der Gutachter attestierte Reiner B. zudem insbesondere ein hohes Rückfallrisiko bei Sexualstraftaten.

Reiner B.s Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Boine aus Dresden, hat gegen das Urteil fristgerecht Revision eingelegt. Ein Revisionsgericht muss nun prüfen, ob das Urteil „materiellrechtlich richtig ist und verfahrensrechtlich ordnungsgemäß“ zustande gekommen ist. Eine erneute Beweisaufnahme ist ausgeschlossen.

Den Opfern die Aussage nicht erspart

Der Angeklagte spielte über Jahre hinweg ein perfides Spiel mit seinen Opfern, die zum Teil heute noch unter den Folgen leiden und sich deshalb in psychologischer Behandlung befinden.

Der heute 43 Jahre alte Reiner B. hatte unter falschem Namen und als angeblich 17-Jähriger über ein Dating-Portal im Internet Kontakt zu minderjährigen Mädchen aufgenommen, sich auch mit mehreren getroffen und sie zu sexuellen Handlungen gezwungen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden die betroffenen Mädchen vernommen. Vor Gericht mussten sie erneut schildern, was ihnen Reiner B. angetan hat. Mit einem Geständnis hätte der Angeklagte dies den Opfern ersparen können. Tat er aber nicht. Stattdessen setzte die Verteidigung darauf, die Glaubhaftigkeit der Aussage insbesondere eines Opfers stark infrage zu stellen, forderte sogar ein entsprechendes Prüfgutachten. Das Gericht lehnte den Antrag ab.

Immer die gleiche Masche

Reiner B. ging nahezu immer nach der gleichen Masche vor. Er stellte sich auf den Internet-Dating-Portalen gegenüber den Mädchen als bedauernswerter junger Mann vor, der vom weiblichen Geschlecht bereits mehrfach betrogen worden sei und deshalb besonders vorsichtig bei einer neuen Kontaktaufnahme sei. Weil sein Cousine über eine gute Menschenkenntnis verfüge und er ihm vertraue, schicke er ihn zu den ersten Treffen. Es gelang dem Angeklagten, das Vertrauen der Mädchen zu gewinnen, denn sie gingen auf den Vorschlag ein. Dass sich hinter den beiden Personen einzig und allein Reiner B. verbarg, konnten die Mädchen nicht wissen. „Dem Angeklagten ist es offenbar sehr gut gelungen, seine Opfer so zu manipulieren, dass sie willentlich auch sexuelle Handlungen an sich ausführten“, sagte ein Gutachter. Diese Videos und Fotos wurden beim Angeklagten gefunden. Ob er damit auch gehandelt hat, konnte offenbar nicht bewiesen werden.

Weitere Verfahren

In zwei weiteren einschlägigen Verfahren aus den Jahren 2015 und 2016, in denen ebenso Freiheitsstrafen zur Vollstreckung stehen, legte der Verteidiger, ebenfalls Andreas Boine, Berufung ein. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.

Reiner B. bleibt weiterhin in Untersuchungshaft. Voraussichtlich so lange, bis die Berufungs- und Revisionsverfahren abgeschlossen sind. Er wurde im September 2018 verhaftet.

Von Diemo Wolf

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