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Delitzsch Zu wenig Proberäume für junge Musiker in Delitzsch?
Region Delitzsch Zu wenig Proberäume für junge Musiker in Delitzsch?
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13:05 29.07.2019
Das Thema Proberaum wird in Foren wie der „MusikerEcke NordSachsen“ zwar angesprochen, eine lebhafte Diskussion entsteht wohl aufgrund mangelnder Angebote nicht. Quelle: Screenshot/LVZ
Delitzsch

Wer in Delitzsch in einer Band spielt oder Rap-Musik macht, muss sich auf ein paar Wege mehr einstellen. Nachwuchsmusiker müssen sich aufgrund eines Mangels an Proberaum-Kapazitäten damit abfinden, viele Orte abzuklappern. Dem entgegen steht eine zusammengeschrumpfte Musikerszene.

Früher oder später suchen Bands einen Proberaum

Im Jugendhaus Yoz im Delitzscher Norden nutzt aktuell eine Metal-Band den Proberaum. Die Nachwuchs-Musiker kommen seit etwa einem Jahr, einmal pro Woche, meist freitags, sagt Sozialpädagoge und Leiter Olaf Quinque. Das Problem an dem Raum: Hier bringen die Musiker ihr Equipment selbst mit. Zöge eine zweite Band ein, müsste bei jedem Wechsel alles ab- und wieder aufgebaut werden. Die zwischenzeitliche Lagerung der Instrumente sei für das Yoz aber kaum zu bewerkstelligen, sagt der Sozialpädagoge. So bleibt es dort erst einmal bei einer Band. Das neue Aufnahme-Studio im Keller des Gebäudes an der Sachsenstraße werde dagegen breiter genutzt. An vier Tagen pro Woche sind hier junge Rapper und ein Schlagzeuger am Werk. Für eine Band wäre unter Umständen noch Platz, sagt Quinque.

Das Jugendhaus "Yoz" des Deutschen Roten Kreuzes bietet jungen Musikern in Delitzsch ab sofort die Möglichkeit, ihre eigenen Lieder aufzunehmen. Dazu wurde im Keller ein Tonstudio eingerichtet. Benedikt Paul (links) und Kevin Hartung helfen dem Sozialpädagogen Olaf Quinque bei den letzten Handgriffen. Quelle: Mathias Schönknecht

Dass es nicht leicht ist, einen Proberaum in Delitzsch zu finden, bestätigt Maik Schuchna, bekannt zum Beispiel durch die Band Inexistence Of Aeon. Er hat mit der „MusikerEcke NordSachsen“ eigens im sozialen Netzwerk Facebook eine Plattform ins Leben gerufen, auf der sich lokale und regionale Bands austauschen können. Proberäume zu finden, ist ein Thema, das sie alle früher oder später bewegt.

Alternative? Keller oder Kinderzimmer

Die Situation sei schlecht. Mit seiner Band Noxic sei Schuchna jahrelang Mieter einer Garage gewesen, Anfang dieses Jahres konnte sie abgekauft werden. Leider würden zu viele Garagen leer stehen, die Stadt biete sie aber nicht an. Fast alle Garagen in Eigentum der Stadt seien vermietet, so die Stadtverwaltung Delitzsch auf Anfrage. Es stünden kaum welche leer. Es gebe aber nicht nur städtische Garagen, Bands könnten bei anderen Anbietern fündig werden. Maik Schuchna sieht auch an anderen Stellen noch Potenzial, die Wege seien aber schwierig. „Ich habe auch von vielen gehört, dass diese in heimischen Kinderzimmern oder Kellern proben. Über die Geräuschpegel müssen wir uns nicht unterhalten“, erzählt der Musiker. Man müsse viele Leute kennen und viele Hebel in Bewegung setzen, um an einen Proberaum zu kommen.

Der Gitarrist Maik Schuchna: Proberäume zu finden, ist ein Thema, das sie alle früher oder später bewegt. Quelle: privat

Das Unternehmen Pollok-Bau ist so jemand. Die Baufirma bietet aktuell einen Proberaum auf ihrem Gelände an der Berliner Straße an. Das Begegnungszentrum Quo Vadis in der Mauergasse kümmert sich nun darum, den vor etwa zwei Jahren baulich hergestellten Raum mit Leben zu füllen.

Kommt da noch wer nach?

Insgesamt war Delitzsch schon einmal dichter mit Nachwuchs-Musikern aufgestellt, blickt Olaf Quinque zurück. Mittlerweile sei es schon „sehr übersichtlich“. Vor fünf oder sechs Jahren habe es noch zwei bis drei Rock- oder Metalbands im Yoz gegeben. „Es hat allgemein mit dem Freizeitverhalten der Jugendlichen zu tun“, schätzt der Sozialpädagoge den aktuellen Trend ein, ohne „total pauschalisieren zu wollen“. Es gebe nicht mehr viele Jugendliche, die die Zeit und den Aufwand aufbringen wollen, sich länger der Musik zu widmen. Mit verschiedenen Apps sei es für sie schneller möglich, musikalische Ergebnisse zu erzielen. Aber auch der Leistungsdruck – vor allem an Gymnasien, von denen die Delitzscher Nachwuchsmusiker meist kamen – könne ein Grund sein, vermutet der Sozialpädagoge. Dann sagt Quinque noch einen Satz, in dem neben einer Vermutung auch etwas Hoffnung steckt: „Vielleicht ist es aber auch nur eine Phase“. Nach seiner Erfahrung ändert sich das Verhalten der Jugendlichen wieder.

Gitarre-Kurse an der Volkshochschule beliebt

Für eine vorübergehende Phase sprechen schon einmal die Teilnehmerzahlen der Gitarren-Kurse der Volkshochschule. Das Angebot „Gitarre spielen ohne Noten“ erfreue sich seit seinem Beginn in der VHS Delitzsch Ende 2010 einer relativ konstant hohen Nachfrage, sagt Stefanie Boch. Laut der pädagogischen Mitarbeiterin, die seit Juni dieses Jahres unter anderem für die Kurszusammenstellung verantwortlich ist, könne zusammenfassend gesagt werden, dass sich das Angebot prinzipiell großer Beliebtheit erfreut. „Auch hier gibt es natürlich immer noch freie Plätze“, sagt Boch. Manche Band würde sich wohl über diese Aussage in Bezug auf Proberäume freuen.

Von Mathias Schönknecht und Christine Jacob

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