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Döbeln So geht es Mario Pohl nach seinem Sieg bei „The Biggest Loser“
Region Döbeln So geht es Mario Pohl nach seinem Sieg bei „The Biggest Loser“
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16:22 30.04.2019
Mario Pohl triumphiert bei „The Biggest Loser“ und gewinnt 50.000 Euro. Quelle: © SAT.1/Guido Engels
Jeßnitz

Uhu – unter hundert Kilogramm, das war das Ziel für Mario Pohl, als er im August 2018 im Bootcamp der TV-Show „The Biggest Loser“ (engl.: Der größte Verlierer) antrat. Ein damals unvorstellbares Ziel, betrachtete man den 196,1 Kilo schweren Sachsen aus dem Örtchen Jeßnitz in der Gemeinde Großweitzschen, genau in der Mitte zwischen Leipzig, Dresden und Chemnitz.

Jetzt hat er das tatsächlich wahr gemacht: 94,7 Kilogramm zeigte die Waage beim Finale der Sendung, das am Sonntagabend ausgestrahlt wurde. 51,71 Prozent des Körpergewichts einfach weggeschwitzt.

Mario Pohl feiert seinen Abnehmerfolg Quelle: © SAT.1/Guido Engels

Dass er in der zehnten Staffel der Sendung gleich vier Rekorde aufgestellt hat, findet Mario, wie er allseits nur genannt wird, „richtig geil“: Noch nie hat jemand so viel Gewicht verloren wie er – sowohl absolut als auch prozentual. Außerdem hält der den Abnehmrekord für das Trainingscamp im spanischen Andalusien mit 17,6 Kilo in einer Woche und mehr als 50 Kilo insgesamt.

„Ich könnte mir das jeden Tag wieder ansehen“

Das alles ist nun schon einige Wochen her. Das Staffelfinale hat sich der Familienvater am Sonntagabend gemütlich zu Hause angesehen – mit der Familie, den Eltern, Schwiegereltern und dem Bruder. „So richtig angekommen ist das bei mir immer noch nicht, dass ich gewonnen habe. Ich dachte, nach der Ausstrahlung am Sonntag kommt das. Aber ich hatte wieder feuchte Augen und kann mir das immer noch nicht erklären. Ich könnte mir das jeden Tag wieder ansehen, das ist einfach nur krass“, sagt er.

Mit dabei vorm Fernseher in Jeßnitz waren auch Biggest-Loser-Trainerin Mareike Spaleck und deren Ehemann, mit denen sich Mario über die Wochen der Sendung eng angefreundet hat. „Sie waren gerade in Dresden beschäftigt und sind für die Ausstrahlung extra vorbeigekommen. Wir telefonieren immer noch jede Woche oder schreiben uns Nachrichten. Auch mit Melanie und Julian bin ich weiter in Kontakt. Wir hingen in Spanien ja neun Wochen lang 24 Stunden aufeinander. Das war wie eine Ersatzfamilie“, erzählt Mario.

Mario Pohl und Trainerin Mareike Spaleck in Andalusien zu Beginn der Reise in Andalusien Quelle: © SAT.1

Wie er über die Zeit langsam zur Berühmtheit wurde, hat er in den letzten Monaten genau verfolgt. Während der Sendewochen seit Anfang Februar habe er sich jeden Kommentar über sich in den sozialen Netzwerken durchgelesen.

„Ich wollte ja wissen, was die Leute denken. Negative Kommentare gab es nicht. Ich habe ja auch keinen Anlass gegeben. Ich war eben wie ich bin. Viele Wochen bin ich ja auch unter dem Radar geschwommen. Erst mit dem Einzug ins Finale wurde ich von mehr Leuten wahrgenommen. Ich bin ja ein normaler Mensch und wollte es auch bleiben – bis Sonntag“, sagt er und lacht.

Rund 1000 Whatsapp-Nachrichten, Facebook- und Instagram-Kommentare habe er seit Sonntagabend bekommen. „Ich gebe mir Mühe alle zu beantworten“, sagt er und lacht.

Doch warum tut sich ein glücklicher Familienvater und beruflich erfolgreicher Mann die Öffentlichkeit an? Warum nicht das Abnehmen im Verborgenen? „Ich ziehe daraus mehr Vor- als Nachteile“, sagt er. Gerade das Drumherum, das Wissen um die spätere Ausstrahlung im bundesweit empfangbaren Fernsehen, aber auch die Mitkandidaten und Trainer waren es , die geholfen haben, das Ziel zu erreichen. „Unter gleich Leidenden kann ich mich viel besser motivieren, als wenn einer vor einem wegläuft. Da gibt es schneller kleine Erfolgserlebnisse“, meint Mario.

Gemeinsames Leid beim LKW-Ziehen mit Mario (vorne links) Quelle: © Sat.1

Er hat Recht behalten und seine Motivation gefunden. In ihm schlummerte sie wohl schon lange. Schon im ersten Gespräch mit dieser Zeitung Anfang dieses Jahres ist der eiserne Wille des 1,91-Meter-Hünen zu spüren, es unbedingt zu schaffen.

Es geht ihm dabei nicht vordergründig um den Sieg, um diesen Titel einer Fernsehsendung oder 50.000 Euro Preisgeld. Der selbstständige Handelsvertreter einer Versicherung hat mit seinem Partner vier Angestellte, führt ein gutes Leben mit Frau und zwei Kindern im beschaulichen Dorfambiente.

Die Motivation liegt tiefer. „Im Frühjahr 2018 ist ein guter Freund von mir gestorben. Er war ebenfalls stark übergewichtig und nur neun Jahre älter als ich“, erzählt der 39-Jährige. „Und ich möchte für meine Frau und meine Kinder noch länger da sein als zehn Jahre.“

Und so quält er sich zu einem Riesenergebnis: 101,4 Kilo weniger in einem halben Jahr. „Sicher ist das nicht die reguläre Art und Weise, gesund zu werden. Aber das gesündeste ist es auch nicht, so lange auf so hohem Gewicht zu bleiben. Normal wären zwei Kilo pro Woche abzunehmen. Da hätte ich ewig gebraucht“, sagt er.

Mario Pohl vorher und nachher Quelle: © SAT.1/Benedikt Müller

„Gesundheitlich topfit“ sei er auch einige Wochen nach dem Finale. Ein Meilenstein sei die Absetzung eines Blutdruckmedikaments im Laufe der Staffel gewesen. Jetzt spürt er die Verbesserung seines Körpers jeden Tag. „Mir fällt alles leichter und ich fühle mich trotzdem nicht fremd in meinem Körper“, sagt er.

Für Ehefrau Janine sei die Umstellung größer gewesen. „Ich habe einen neuen Mann. Er gefiel mir auch anders. Ich liebe ihn von Kopf bis Fuß“, hatte sie in der Sendung gesagt. „Die Lebensqualität ist extrem gestiegen“, sagt Mario und nennt ein simples Beispiel: „Wenn früher vom Küchentisch etwas herunterfiel, musste ich überlegen, ob es sich lohnt, das aufzuheben.“

Auch einen Wunsch aus der Zeit vor dem Abnehmen hat er sich erfüllt: „Ich war mit meinen Kindern im Schwimmbad. Das ist auch ein gutes Training, um die Muskeln zu aktivieren“, sagt er. Bald soll es auch in einen Freizeitpark gehen, für dessen Attraktionen Mario nun nicht mehr zu schwer ist.

„Jetzt bin ich beim Muskelaufbau und habe wieder etwas zugenommen“

Die 94,7 Kilo aus dem Finale hat er inzwischen nicht mehr. „Ich musste ja aufpassen, dass ich keine Muskeln aufbaue, denn die wiegen mehr als Fett. Aber bei mir war auch genug Muskelmasse vorhanden, sogar zu viel. Jetzt bin ich beim Muskelaufbau und habe wieder etwas zugenommen. Aber so lange die Proportionen stimmen, komme ich auch mit 105 oder 110 Kilo klar“, meint er.

Ein Problem, das die schnelle Gewichtsabnahme verursacht hat, sind unnütze Hautlappen, vor allem am Oberkörper. „Ich bin froh, dass es nicht so viel ist. Es wird die Zeit zeigen, ob ich das mit Training allein wegbekomme. Es wird auch davon abhängen, ob es eine medizinische Komponente bekommt“, erklärt Mario. Denn unter den Hautlappen könnten sich Entzündungen bilden. Dann wäre eine Operation notwendig.

Doch vorerst konzentriert er sich aufs Training. „Zwei- bis dreimal pro Woche drehe ich meine Sechs-Kilometer-Runde, manchmal auch mit meiner Frau und meinem Sohn. Er ist hin und weg und wahnsinnig stolz. Er sagt: Wenn du das schaffst, muss ich das auch schaffen“, sagt der Papa stolz.

Auch der Speiseplan im Hause Pohl hat sich nachhaltig verändert: „Wir essen relativ wenig Fleisch und wenn, dann nur Geflügel. Ansonsten gibt es viel Salat und Gemüse“, sagt er. Verzicht sei das nicht mehr. Eher freue er sich auf ein seltenes Stück Geflügelfleisch.

Nächste Herausforderung: Kommunalwahl

Hat sich der Alltag in dieser Beziehung stark geändert, soll alles andere so normal wie möglich bleiben. „Ein Fitnessstudio zu eröffnen, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er und lacht. Mehr Zeit wird der „Biggest Loser“ demnächst dennoch nicht haben. Einerseits kandidiert auf der CDU-Liste er für den Gemeinderat in Großweitzschen, will helfen, die 2800-Einwohner-Kommune eigenständig zu halten. Andererseits ist er derzeit als Abnehmkönig ein gefragter Mann.

Während des Interviews ist Mario gerade auf dem Rückweg aus dem Fernsehstudio, wo das Sat.1-Frühstücksfernsehen aufgezeichnet wird, für das er nach seinem Sieg interviewt wurde. In dieser Woche noch ist er beim Verein Powerchild in München, der sich um Kinder kümmert, die Gewalt erfahren haben. Weitere Anfragen für Benefizveranstaltungen gibt es bereits. So richtig „normal“ wird es in Mario Pohls Leben wohl vorerst nicht mehr werden.

Von Sebastian Fink

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