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Döbeln 80-Jähriger aus Bennewitz sammelt fünf Stunden lang Müll vom Straßenrand auf
Region Döbeln 80-Jähriger aus Bennewitz sammelt fünf Stunden lang Müll vom Straßenrand auf
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17:03 20.03.2019
Siegfried Hempel zog mit seinem Fahrradanhänger los und sammelte auf 6,5 Kilometern mehr Müll ein, als auf die Ladefläche passte. Quelle: Sven Bartsch
Bennewitz

Wenn Siegfried Hempel etwas stört, meckert er nicht lange, sondern packt das Problem selbst an. So wie am Dienstag, als der 80-Jährige aus Bennewitz (Gemeinde Großweitzschen) sich mit seinem Fahrradanhänger zu Fuß auf die 6,5 Kilometer lange Tour zwischen seinem Dorf, Göldnitz und Zaschwitz machte, um den herumliegenden Müll an den Straßenrändern aufzusammeln.

„Das hat mir schon so lange unter den Nägeln gebrannt. Wir gehen da immer mit unserer Walking-Gruppe lang und das ärgert uns“, sagt er nach seiner Tour im Gespräch mit der DAZ. „Niemand räumt hier Müll weg außer vielleicht mal Friederike oder Eberhard“, meint er mit Galgenhumor und spielt auf einige der jüngsten Sturmtiefs an.

Fünf statt zwei Stunden

Viel länger als gedacht dauerte die spontane Müllrunde auf der Walking-Strecke. „Ich wollte es in zwei Stunden schaffen. Um 10 Uhr bin ich los und wollte mittags wieder da sein. Aber ich war erst nach fünf Stunden zurück“, erzählt er.

Mehr Müll als befürchtet fand er unterwegs. „Der Sack wurde so voll, dass er fast vom Anhänger fiel“, berichtet Hempel. Es seien nur ganz Wenige, die dort immer wieder Müll ablagern. „Das erkenne ich daran, dass es immer wieder das Gleiche ist, was dort liegt.“

Umweltbewusstsein stark ausgeprägt

Der rüstige Rentner, der bis 1991 als Abteilungsleiter für die Rinderzucht im VEG Stockhausen gearbeitet hatte, kann sich nicht erklären, warum Leute sich die Mühe machen, ihren Müll am Straßenrand abzukippen. „Die gelbe Tonne ist im Grundbetrag für die Entsorgung ja enthalten, für die graue Tonne fällt nur mehr an, wenn ich auch mehr zu entsorgen habe. Das sind vielleicht Leute, die nicht erfasst sind und die freuen sich, dass sie auf diese Weise Geld sparen“, vermutet er.

Siegfried Hempel achtet seit jeher darauf, unterwegs nichts wegzuwerfen, sammelt auch sonst auf seinen Walking-Runden immer wieder Glas und Unrat auf. „Bei der aktuellen Angst vor dem Klimawandel müsste das Müll ablagern ein Straftatbestand sein. Da sind ja auch jede Menge Zigarettenschachteln dabei. Wenn das nur Papier wäre, würde es sich ja schnell abbauen, aber da ist ja immer eine Folie rundherum und innen noch ein Stanniolpapier“, ärgert er sich.

Straßenmeistereien zuständig

Am meisten störe ihn jedoch, dass entlang der Staatsstraße 41 zwischen Gallschütz und Bennewitz gefühlt vier Mal so viel Müll liege, wie an den kleineren Wegen und Gemeindestraßen. Hier ist das Landratsamt Mittelsachsen zuständig.

„Die Straßenmeistereien beräumen in ihrem Zuständigkeitsbereich und nur außerhalb der geschlossenen Ortslagen der K-,B- und S-Straßen bei Bedarf auch den Müll an den Straßenrändern“, schreibt Kreissprecherin Cornelia Kluge auf DAZ-Anfrage.

Problem wird größer

Doch offenbar werden diese dem Problem nicht mehr Herr. „Fakt ist aber auch, dass dieses Problem allgemein im Landkreis anhält“, fügt Kluge hinzu.

Für Siegfried Hempel ist das nur ein schwacher Trost. Mit der für Wege und Gemeindestraßen zuständigen Kommunalverwaltung in Großweitzschen hat er wegen des Problems noch nicht gesprochen. Auch aufgrund von Urlaub, so erfuhr die DAZ, war für eine Anfrage dort bis gestern niemand zu erreichen.

Hempel übernimmt Gemeindeaufgaben

Hempel kümmere er sich schon lange auch um Wege und Ränder. „Ich mache viele Dinge, von denen die Gemeinde wahrscheinlich gar nichts merkt“, sagt er. Stören tut ihn nur, „dass man nicht gelobt wird, wenn man anderer Leute Müll aufsammelt, sondern eher Häme bekommt.“

Abhalten lässt er sich dennoch nicht. Den am Dienstag gesammelten Müll hat er inzwischen ordentlich getrennt – nach Glas, gelbe Tonne und Restmüll. „Das kostet mich kein extra Geld, sondern nur Zeit“, sagt er.

Von Sebastian Fink

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