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Döbeln Als Landtags-Abgeordneter würde ich...
Region Döbeln Als Landtags-Abgeordneter würde ich...
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17:32 29.08.2019
Die Landtagskandidaten Henning Homann von der SPD (v.r.), Marika Tändler-Walenta von den Linken, Dr. Rudolf Lehle von der CDU, Constanze Cyrnik von der FDP, Maria-Christin Anderfuhren von den Grünen und Lars Kuppi von der AfD im Döbelner Volkshaus vor dem Wahlforum. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Am Sonntag ist Landtagswahl in Sachsen. Im Wahlkreis 21, Mittelsachsen 4, der dem Altkreis Döbeln entspricht, treten sieben Direktkandidaten an. Das sind: Dr. Rudolf Lehle von der CDU, Marika Tändler-Walenta von den Linken, Henning Homann von der SPD, Lars Kuppi von der AfD, Maria-Christin Anderfuhren von den Grünen, Constanze Cyrnik von der FDP und Sven Weißflog von den Freien Wählern.

Sechs im Podium, einer im Saal

Beim Wahlforum der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) und der Döbelner Allgemeinen Zeitung am Mittwochabend im Volkshaus Döbeln saßen die ersten sechs der genannten Kandidaten im Podium, um sich den Fragen der Wählerinnen und Wähler zu stellen. Der siebte Kandidat, Sven Weißflog, befand sich im Publikum. Was einige im Saal verwunderte, erklärte Ute Kluge von der SLpB zu Beginn der zweistündigen Veranstaltung: „Entsprechend dem Prinzip der abgestuften Chancengleichheit sind die Wahlkreiskandidaten von CDU, Linke, SPD, AfD, Grünen und FDP eingeladen worden. Das sind die Vertreter der Parteien, die eine reale Chance haben, in den Sächsischen Landtag einzuziehen.“

Rund 150 Besucher

Die Themenschwerpunkte legten die rund 150 Besucher kurz vor Beginn selbst fest, in dem sie aus fünf vorgegeben Komplexen ihre Favoriten auswählten. Das waren: Bildung, Kindertagesstätten, Kultur und Wissenschaft; Umwelt, Energie, Infrastruktur, Verkehr und Wohnen sowie Soziales, Familie, Pflege und Gesundheit.

Der Moderator des Wahlforums, der MDR-Redakteur Bastian Wierzioch, sorgte für eine klare Struktur. Er stellte zu jedem Themenkomplex eine Frage, dann konnten die Menschen im Saal fragen. Kurze-Ja-Nein-Fragerunden lockerten das Ganze auf.

Lehrermangel

Mit konsequenter Ausbildung neuer Lehrer und einer attraktiven Bezahlung – im ländlichen Raum mit einem Aufschlag – möchte Henning Homann (SPD/39) dem Lehrermangel in Sachsen begegnen. Marika Tändler-Walenta (Die Linke/35) möchte die Ausbildungskapazitäten für künftige Lehrer an den Hochschulen erweitern und sieht in der Gemeinschaftsschule ein Mittel, Unterrichtsausfall und hohe Abbrecherquoten zu verringern. Der Freistaat werde künftig deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, um Lehrer in Sachsen zu halten, zum Beispiel mit dem „teuren Instrument“ der Verbeamtung, kündigte Dr. Rudolf Lehle (CDU/61) an. Der Freistaat habe zu lange gewartet, um beim Lehrermangel gegenzusteuern, räumte Lehle ein, jetzt aber auch viel Gestaltungsmöglichkeit, wegen eines soliden Haushaltes. Lars Kuppi
(AfD/47) bezeichnete es als Fehler, nur Lehrer bis 42 Jahre zu verbeamten. „Wäre das anders, würden mehr Lehrer zurückkommen, die abgewandert sind.“ Constanze Cyrnik (FDP/47), selbst Lehrerin, kritisierte, dass noch immer in Sachsen ausgebildete Lehrer nicht in Sachsen eingestellt werden. Das müsse sich ändern. Dass die Ausbildung der Quereinsteiger auch zu Lasten des bestehenden Personals gehe, sei problematisch. Bessere Bezahlung der Lehrer und bessere Ausbildung der Quereinsteiger sieht Maria-Christin Anderfuhren (Grüne/34) als Lösungsansätze.

Alleinerziehende

Kathleen Böhlke (38) ist allein erziehende Mutter von drei Kindern. Wie soll sie das bei der aktuellen Betreuungssituation mit einem Vollzeitjob, der auch noch auswärts besteht, vereinbaren?, wollte sie wissen. Homann räumte ein, dass eine zusätzliche Stunde Betreuungszeit den Kita-Beitrag gleich erheblich verteure. In solchen Fällen seien auch die Kommunen gefragt. Kuppi schlägt vor, wenigstens eine Einrichtung in einer Stadt wie Döbeln zu haben, die längere Öffnungszeiten anbietet. Tändler-Walenta will eine Alleinerziehenden-Reform in Deutschland und Anderfuhren würde mit Kompetenzzentren Familien und Alleinerziehende stärken.

Schulsystem

Für längeres gemeinsames Lernen sind die Direktkandidaten von SPD, Grünen, Linken und FDP. Der AfD-Mann enthält sich hier und Lehle verweist an dieser Stelle, dass das aktuelle sächsische Schulsystem im Deutschlandvergleich das erfolgreichste ist.

ÖPNV

Wie gelingt die bessere Anbindung des ländlichen Raumes an die größeren Städte? Alle Kandidaten sind sich einig, dass die Bahnverbindung Döbeln-Dresden wiederbelebt werden muss. Tändler-Walenta (Die Linke) schlägt zudem eine Nahverkehrsabgabe vor, die jeder zahlt und mit der ein kostenloser ÖPNV ermöglicht werden soll – stufenweise umgesetzt. Dr. Rudolf Lehle (CDU)will mehr ÖPNV, kürzere Fahrzeiten, eine bessere Taktung. Andere Finanzströme möchte Maria-Christin Anderfuhren (Grüne). Zu viel Geld fließe in den Neubau von Straßen, zu wenig in den ÖPNV. Constanze Cyrnik (FDP) ist für kostenfreien und besser getakteten Schülerverkehr sowie für mehr Radwege. Das Auto als flexibles Verkehrsmittel dürfe man aber niemandem verbieten. Lars Kuppi (AfD)ist für mehr Anruf-Taxis, um Dörfer besser an größere Verkehrszentren anzubinden. Henning Homann (SPD) tritt konsequent für eine Landesverkehrsgesellschaft ein, die sinnvolle Mobilitätskonzepte umsetzt.

Energiewende

Was für Konzepte in punkto Energiewende die Kandidaten haben, wollte Johann Christoph Landgraf (20) von ihnen wissen. Lehle sieht hier einen notwendigen Dreiklang aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit sowie sozialer und wirtschaftlicher Sicherheit. Cyrnik ist überzeugt davon, dass Sachsen die Braunkohle weiterhin benötigt und möchte, dass die Kumpel ihre Jobs behalten. Kuppi betrachtet den Kohleausstieg bis 2038 als über die Köpfe der Menschen hinweg beschlossen. Anderfuhren warnt vor Panikmache, was die Arbeitsplätze in den Revieren betrifft. Den Strukturwandel gelte es gemeinsam anzupacken. Homann verweist darauf, dass in Sachsen 400 weitere Radwegkilometer geplant sind und er wendet sich gegen den Spruch: Klimaschutz ja, aber nicht zu viel. Besser sei: Klimaschutz ja, aber klug. Laut Tändler-Walenta könne die Lausitz Energie-Region bleiben, zum Beispiel in dem große Stromspeicher geschaffen werden.

Ärztemangel auf dem Land

Mehr Ärzte aufs Land bringen will Lars Kuppi (AfD) durch den Ausbau der ländlichen Infrastruktur und durch Vergünstigungen für Studierende, wenn diese sich dazu bekennen, eine Zeit lang auf dem Land zu praktizieren. Dr. Rudolf Lehle (CDU)erinnert an die in Sachsen auf den Weg gebrachte Landarztquote, die aber erst in etlichen Jahren greifen wird. Deshalb ist er dafür, identische ärztliche Leistungen auf dem Land vorübergehend etwas besser zu vergüten. Mehr Geld könne zur „Zweitpraxis“ motivieren. Außerdem könnte helfen, dass die Deckelung der Budgets durch die Kassenärztliche Vereinigung für bestimmte ärztliche Berufsgruppen im ländlichen Raum entfällt. Marika Tändler-Walenta (Die Linke) verweist auf den von den Linken im Kreistag eingebrachten Antrag, Medizinstudenten einen finanziellen Anreiz für ein späteres Praktizieren in Mittelsachsen zu bieten. Arbeitsmarkt, Löhne, Infrastruktur und politisches Klima sind für sie weitere Faktoren, die den Bevölkerungsrückgang eindämmen und Mediziner anlocken beziehungsweise halten könnten. „Ärzte müssen sich im ländlichen Raum wohl fühlen“, sagt Constanze Cyrnik (FDP). Entsprechend müssten die ländlichen Gebiete besser gefördert werden. Das Einrichten von Polikliniken, die unterschiedliche medizinische Versorgung unter einem Dach bieten und in denen sich die Ärzte die Bürokratie teilen, wäre laut Henning Homann (SPD) eine Möglichkeit. Wie auch das Einstellen junger Ärzte in solchen Einrichtungen, weil: „Viele wollen gar nicht selbstständig sein.“ Mit ärztlicher Beratung per Videochat denkt Maria-Christin Anderfuhren (Grüne) an die weiter voranschreitende Nutzung des Internets. Zudem könnten Gemeindeschwestern Ärzte in bestimmten Versorgungsbereichen entlasten.

Von Olaf Büchel

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