Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Angesengte Asylheim-Gardine sehr gefragt bei Gericht
Region Döbeln Angesengte Asylheim-Gardine sehr gefragt bei Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:33 13.06.2018
Eine angekokelte Gardine beschäftigt das Amtsgericht Döbeln. Diese hing an einem Fenster der Waldheimer Asylunterkunft. Quelle: picture alliance / dpa
Waldheim/Döbeln

Anwälte können sehr sarkastisch sein. „Welcher Hausmeister oder Sozialarbeiter hat denn nun die Gardine in seiner Rumpelkammer? Da frage ich mich, wie hier Beweise gesichert werden“, sagte Rechtsanwalt Thomas H. Fischer am Mittwoch im Prozess im Amtsgericht Döbeln. Auf der Anklagebank sitzen drei junge Männer aus Waldheim. Ihnen liegt zur Last, am 4. April 2017 gegen 22.30 Uhr eine Gardine angezündet zu haben, die aus einem offenen Fenster des Asylheims an der Waldheimer Hauptstraße wehte. Zunächst hätte einer der drei versucht, diese anzünden. Weil aber ein Auto vorbei gefahren sei, seien die Drei vorerst abgehauen. Um wenig später wiederzukommen, und die Gardine diesmal erfolgreich in Brand zu setzen, so die Anklage. Die Bewohnerin habe den brennenden Fenstervorhang dann gelöscht. Weil durch die Kokelei ein bewohntes Haus hätte Feuer fangen können, lautet die Anklage auf versuchte
schwere Brandstiftung.

Flammen mit Schuh ausgekloppt

Rechtsanwalt Fischer verteidigt einen der drei Angeklagten, einen 20-Jährigen Waldheimer. Der sagte zunächst nichts, gab dann aber an, dass der dritte Angeklagte versucht habe, die Gardine in Brand zu stecken. So erzählte es auch der zweite Angeklagte. Sie hätten sich zunächst am Kaufland getroffen, Alkohol getrunken und seien dann Richtung Bahnhof gelaufen. Ihr Kumpel sei tüchtig angeschickert gewesen. Tenor der Angaben der beiden Angeklagten: Als die Gardine endlich brannte, habe sie der Dritte gelöscht, indem er die Flammen mit dem Schuh oder der Hand auskloppte. Der dritte im Bunde konnte sich an nichts mehr erinnern.

Angst vor rassistischem Anschlag

Im Kern bestätigen dies die Angaben der Zeugen, die aus aller Herren Länder kommen, darunter aus Afghanistan und aus afrikanischen Staaten. Die Bewohnerin der Wohnung mit der brennenden Gardine sagte jedoch, diese habe von innen gebrannt. Die Afrikanerin löschte sie mit einem Schwapp Wischwasser, das sie noch nicht weggegossen hatte. Eine andere Afrikanerin hatte sie angerufen und auf die Flammen hingewiesen. „Ich hatte große Angst, weil ich dachte, das sind rassistische Personen, die das Haus anzünden wollten“, sagte die Frau.

Bisher kein Beleg für politisches Motiv

Der Treibhaus-Verein Döbeln nennt die Waldheimer Gardinen-Kokelei in seiner Dokumentation „Blickpunkt Rechts“, die Vorfälle und Straftaten mit angeblich rechtsextremistischen Hintergrund auflistet. Bisher lieferte der Prozess gegen die drei jungen Männer aber keinen eindeutigen Beleg für ein politisches Motiv. „Wir wussten gar nicht, dass da Asylbewerber drin wohnen. Die leben doch in den bunten Häusern gegenüber“, sagte einer der Angeklagten. Das Facebook-Profil eines der jungen Männer zeigt: Der ist offenbar weit davon entfernt, ein Rechter zu sein. Ihm gefallen Bands wie „Kraftclub“ sowie Anti-Pegida-Initiativen und auch die Seite des Willkommens-Bündnisses „Döbeln bleibt bunt“ hat er mit „gefällt mir“ markiert.

Asservaten -statt Rumpelkammer

Wichtig ist die Antwort auf die Frage , ob die Gardine noch gebrannt hat, als die Angeklagten bereits gegangen waren. Wer etwas anzündet und wieder löscht, kann milder bestraft werden, als jemand, der dies nicht tut und es brennen lässt. Darum griff Richterin Marion Zöllner, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, Rechtsanwalt Fischers Vorschlag auf, sich die angekokelte Gardine kommen zu lassen, um sie in Augenschein zu nehmen. Sie telefonierte und fand heraus, wo sich das Teil befindet. Es liegt nicht in einer Rumpelkammer, sondern in der Asservatenstelle der Kripo in Chemnitz. In der Akte findet sich dazu aber kein Hinweis, was Rechtsanwalt Fischer sarkastisch werden ließ. Der Prozess wird fortgesetzt.

Dritter Anlauf gestartet

Schon mehrfach hatte das Jugendschöffengericht versucht, die Anklage gegen die drei Waldheimer zu verhandeln, zuletzt im Februar dieses Jahres. Damals fehlte aber zunächst ein wichtiger Zeuge. Als der endlich kam, fehlte der Dolmetscher. Bereits im Oktober vergangenen Jahres war ein Verhandlungstermin angesetzt, den hatte aber das Gericht aufgehoben.

Von Dirk Wurzel

Optikermeister Peter Fischer hat an seiner alten Schule schon den Aufbau des Auges erklärt und Einblick in sein Wissen gegeben. Auch bei einem anderen Problem konnte der Harthaer der Pestalozzi-Oberschule jetzt helfen.

13.06.2018

Leisnigs Stadtcafé hat einen neuen Betreiber gefunden. Der wollte zunächst in die ehemalige Bäckerei Liebsch einziehen. Doch dann kam alles anders.

13.06.2018

Kaum ein Stuhl blieb übrig am Dienstagnachmittag im Mochauer Küsterhaus: 26 Landfrauen Mittelsachsens waren in das Museum gekommen, um sich zur Orts-, Schul- und Heimatgeschichte von Fachfrau Regina Bonk herumführen zu lassen.

12.06.2018