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Döbeln Blumenhof zum Gottesacker: Anett Otto sagt Goodbye
Region Döbeln Blumenhof zum Gottesacker: Anett Otto sagt Goodbye
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18:09 07.03.2019
Am 29. März wird Anett Otto die Tür zu ihrem Blumenladen am Kreuzplatz das letzte Mal öffnen. Danach ist Schluss – auch mit der Selbstständigkeit. Quelle: Manuela Engelmann-Bunk
Rosswein

Am 29. März wird Anett Otto zum letzten Mal die Tür ihres Blumenhofes zum Gottesacker am Kreuzplatz in Roßwein öffnen. Danach ist Schluss. Schluss mit dem Blumengeschäft in Roßwein, Schluss mit der Selbstständigkeit. Die 40-Jährige hat sich die Entscheidung, zurück in ein Angestelltenverhältnis gehen zu wollen, nicht leicht gemacht. Doch sie ist glücklich damit.

Stammkundschaft ist traurig

Viele ihrer Stammkunden, die seit Januar schon darauf vorbereitet werden, dass es das schöne Ladengeschäft bald nicht mehr am Kreuzplatz geben wird, sind traurig. Genauso wie die Kreuzplatzgemeinschaft selbst. Schließlich hat Anett Otto zu jedem Anlass mitgewirkt, war bei jedem Fest dabei – zum Beispiel mit Bowle, Feuerkorb und Basteleien.

Auch wenn die zweifache Mutter natürlich ein bisschen Wehmut bei ihrem Schritt begleitet – er ist wohl überlegt. Selbstständig ist Anett Otto seit 2002. Im Februar vor 17 Jahren übernahm sie das Blumengeschäft von Veit Berndt in der Damaschkestraße. Dort hatte sie zuvor zwei Jahre als Angestellte gearbeitet. Als ihr Chef sie damals fragte, ob sie den Laden übernehmen wolle, sagte die 23-Jährige Ja. Den Namen „Blumenhof am Gottesacker“ behielt sie – auch wenn er nicht ihre erste Wahl gewesen ist, wie sie lachend sagt. Doch der Wiedererkennungswert war Grund dafür, dass der Name bleiben durfte, auch, als sie 2009 an den Kreuzplatz umzog. Dort hatte sich Anett Otto gemeinsam mit ihrer Familie ihren Traum von einem Blumengeschäft erfüllt; dafür drei abbruchreife Häuser, inklusive Deutsches Haus, von der Stadt gekauft und abgerissen und auf das Grundstück ein neues Ladenlokal gebaut. Im November 2009 eröffnete der neue Blumenhof mit einer Adventsausstellung.

Aufwand lohnt nicht mehr

Zehn Jahre später wünscht sie sich, wieder als Angestellte zu arbeiten. Auf vieles hat sie während ihrer Selbstständigkeit verzichtet – vor allem auf Zeit mit der Familie. Ihr großer Sohn ist inzwischen 15 Jahre alt, kam ein Jahr nach ihrer Geschäftseröffnung auf die Welt. Elternzeit gab es für sie als Selbstständige nicht, auch nicht bei ihrer Tochter, die jetzt zwölf ist. „ich möchte ein bisschen Zeit nachholen!“, sagt Anett Otto. Doch das ist nicht der einzige Grund für den Abschied. Sie war gern selbstständig, ist nach wie vor gern Floristin. Doch die Umstände machen es kleinen Unternehmen nicht leicht. Unter anderem der Mindestlohn, der in den kommenden Jahren sicher noch steigen werde, machen ihr als Unternehmerin das Leben schwer. Zuletzt hat Anett Otto mit einer Mitarbeiterin weitergemacht. Michaela Dörschmann war von 2002 an bei ihr angestellt. Arbeit aber wäre für mehr Leute da gewesen. Bezahlen konnte sie das nicht. Immer öfter habe sie sich die Frage gestellt, ob sich dieser Aufwand noch lohnt. Er tut es nicht mehr. Das Zurück aus der Eigenständigkeit ist ein gut überlegter Schritt. „Ich bin glücklich, dass ich ihn gegangen bin“, sagt die Hainichenerin, die damit ihre Zelte in Roßwein abbricht. Ihren Kunden ist Anett Otto dankbar für die jahrelange Treue und sie lädt sie ein, ab kommender Woche den Ausverkauf zu nutzen.

Verkaufen wird sie auch das Grundstück samt Haus, das vor zehn Jahren neu gebaut wurde.

Von Manuela Engelmann-Bunk

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