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Döbeln Archäologie zum Anfassen an der Oberschule
Region Döbeln Archäologie zum Anfassen an der Oberschule
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15:55 24.10.2018
Die Waldheimer Oberschüler werten ihre Fundstücke aus. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Keller statt Kellerberg hieß es am Mittwoch für die aktuellen Fünftklässler der Waldheimer Oberschule. Seit mehr als fünf Jahren zieht es die Schüler nun schon im Rahmen des Geschichtsunterrichts unter Tage in das Schaubergwerk. „Dieses Jahr hat es aber organisatorisch nicht gepasst“, sagt Katja Treppschuh, Leiterin des Waldheimer Stadt- und Museumshauses, mit dem das sogenannte Archäologieprojekt durchgeführt wird. „Aber wir wollten das Projekt nicht ausfallen lassen und haben deshalb einen Hausbesuch daraus gemacht“, erklärt Treppschuh, während sich die nächste Gruppe von Nachwuchs-Archäologen im Keller der Oberschule einfindet. „Es geht darum zu zeigen, was Archäologen alles ausgraben und wie man dadurch Einblick in die kulturelle Entwicklung der Menschheitsgeschichte erhalten kann“, fasst die Museumsleiterin zusammen.

Anja Müller vom Waldheimer Stadt- und Museumshaus zeigt den Oberschülern den echten Backenzahn eines Mammuts. Quelle: Sven Bartsch

Mit Handschaufel und Pinsel bewaffnet machten sich die Kinder schließlich ans Werk – Unterricht, der nicht nur sprachbildlich in die Tiefe geht. Denn am Mittwoch mussten die Schüler selbst buddeln. Dafür standen drei mit Sand gefüllte Wannen bereit. Doch anders als vielleicht am Badestrand ging alles etwas professioneller zu. Jeder Schüler schlüpfte in eine besondere Rolle – vom Ausgrabungsleiter bis zum Protokollanten hatte jeder eine spezielle Aufgabe zu erfüllen.

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Schaufel für Schaufel, Schicht für Schicht

Schaufel für Schaufel, Schicht für Schicht arbeiteten sich die Nachwuchs-Archäologen vorsichtig vor. „So ist das mit den Archäologen. Die müssen geduldig sein“, erklärte Anja Müller vom Stadt- und Museumshaus. Tauchte etwas auf, kam direkt der Pinsel zum Einsatz, um das Fundstück vom Sand zu befreien, während der Fundort auf einer Karte verzeichnet und das Objekt beschriftet wurde. Am Ende beförderten die Oberschüler Tonscherben, Glasflaschen, Spinnwirtel, ein Eisenschloss, Nägel, Eisenringe, die möglichen Überreste eines Grabsteins sowie eine nahezu intakte Vase an die Oberfläche. „Warum die Flasche wohl so einen Hohlboden hat?“, fragte sich ein Junge. „Genau diese Fragen stellen sich die Archäologen auch und versuchen Antworten darauf zu finden“, vermittelte Müller daraufhin den Mädchen und Jungen, die im Kreis um ihre Fundstücke herum standen.

Kauwerkzeug aus dem Pleistozän

Doch ein Objekt war nicht im Sand, sondern unter einem Tuch versteckt, von wo aus es Anja Müller hervorzauberte. Direkt bewiesen die Schüler archäologisches Gespür: „Ist das ein Zahn?“ Direkt ins Schwarze getroffen. Denn Katja Treppschuh hat als kleines Schmankerl den echten Backenzahn eines Mammuts organisiert. Das Kauwerkzeug aus dem Pleistozän tauchte während den Bauarbeiten an der A 38 in der „Goldenen Aue“ in der Nähe des sachsen-anhaltischen Sangerhausen auf. „Die Kinder können den Backenzahn auch anfassen, was im Museums natürlich normalerweise nicht geht“, sagt Treppschuh. Doch genau darum geht es im durch die Unterstützung der François Maher Presley Stiftung für Kunst und Kultur ermöglichten Archäologieprojekt: auch mal anzufassen statt nur anzuschauen.

Von André Pitz